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Hochwasser : Gefahr von Deichbrüchen noch nicht gebannt

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Wegweiser in Sandau: Nach wie vor besteht die Gefahr von Deichbrüchen Bild: dpa

Die Pegelstände in den Hochwassergebieten sinken weiter. Durchweichte Deiche machen aber weiter Sorgen. Eine Deichsprengung soll für einen schnellen Abfluss der Wassermassen sorgen.

          Trotz allmählich sinkender Pegel ist die Lage in den Hochwassergebieten in Ost- und Norddeutschland am Freitag ernst geblieben. An der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt breitete sich Wasser der Elbe durch einen Deichbruch im Landkreis Stendal weiter tief im Hinterland aus, teilte der Krisenstab des Landes Sachsen-Anhalt mit. Weiter im Norden herrschte Angst um die zunehmend durchweichten Deiche.

          Viele Helfer sind am Ende ihrer Kräfte

          Für einen schnelleren Abfluss des Wassers aus dem Hochwassergebiet soll ein Teil des Saaledeichs bei Barby (Salzlandkreis) gesprengt werden. Dafür wurden am Freitag die technischen Vorbereitungen getroffen, wie der Krisenstab der Landesregierung in Magdeburg mitteilte. Geplant sind 50 Bohrungen im Deich. Die Löcher sollen dann mit Sprengstoff und Sand gefüllt werden. Nach Angaben des Krisenstabs könnte am Samstagmorgen gesprengt werden. Durch das Loch soll das Wasser dann aus den überfluteten Gebieten schneller zurück in die Saale gelangen. Die Sprengung des Deiches soll zwischen den Ortsteilen Klein Rosenburg und Breitenhagen erfolgen.

          Im Flutgebiet im Kreis Stendal brachen nach Angaben des Krisenstabs zwei Notdeiche. Angesichts der unkontrollierten Fluten forderten die Behörden die letzten noch verbliebenen Einwohner des Orts Neukamern auf, ihre Häuser zu verlassen. Pioniere der Bundeswehr gruben mit schweren Bergepanzern und Baggern einen Abflusskanal durch eine Landstraße. Die über das Land strömende Flut soll in Richtung eines Havelpolders umgelenkt werden, um die Gemeinde Kamern zu schützen.

          Pegel immer noch sehr hoch

          Elbabwärts in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen kämpften die Helfer weiter um die Stabilität der Deiche. Die Pegel seien zwar rückläufig, aber immer noch sehr hoch, teilte der Krisenstab von Brandenburg in Potsdam mit. „Der Druck auf die Deiche bleibt hoch. Es kann daher noch keine Entwarnung gegeben werden.“ Nach Ansicht der Experten müssen die Deiche noch etwa eine Woche verteidigt werden. Die Katastrophenalarme in den Anrainer-Landkreisen der Elbe blieben vorerst in Kraft. Auch Notunterkünfte stehen für den Fall von Evakuierungen nach Deichbrüchen weiterhin bereit.

          Noch immer kämpfen in mehreren Bundesländern tausende Helfer von Feuerwehren, Bundeswehr und Hilfsorganisation mit den Folgen der verheerenden Hochwasser, die in den vergangenen Wochen zahlreiche Flüsse heimsuchten. Zahlreiche Menschen harrten weiter in Notunterkünften aus. An etlichen Orten begannen indes bereits die Aufräumarbeiten. Bundespräsident Joachim Gauck besuchte am Freitag Deggendorf in Bayern, das von der Donau überschwemmt worden war.

          Überspülte Landstraße zwischen Wulkau und Kamern in Sachsen-Anhalt

          Die Flutschäden werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt, einen genauen Überblick gibt es noch nicht. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie schätzte die direkten und indirekten Schäden in ihren Betrieben am Freitag auf 200 Millionen Euro.

          Bund und Länder hatten sich am Donnerstag auf die Einrichtung eines nationalen Aufbaufonds für die Hochwassergebiete geeinigt. Er soll ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro haben und je zur Hälfte von Bund und Ländern getragen werden. Diese legten außerdem Soforthilfeprogramme im Umfang von mehreren hundert Millionen Euro auf.

          BUND fordert „ökologischen Hochwasserschutz“

          Bund und Länder seien derzeit dabei, die Einzelheiten der Finanzierung der vereinbarten Fluthilfe zu klären, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Nach Angaben eines Sprechers des Bundesfinanzministeriums ist der Bund bereit, den Beitrag der Länder durch eigene Nettokreditaufnahme vorzufinanzieren. Damit würden die Länder von den günstigen Kreditkonditionen des Bundes profitieren.

          Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte, künftig verstärkt auf einen „ökologische Hochwasserschutz“ zu setzen. Auch technische Maßnahmen wie Deiche könnten im Einzelfall sinnvoll sein, erklärte BUND-Chef Hubert Weiger. Langfristig effektiver seien aber Projekte wie die Rückverlegung von Deichen, um wieder mehr Überflutungszonen zu schaffen.

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