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Hochwasser : Entwarnung kommt nur schrittweise

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Weiter angespannt: die Hochwassersituation an der Elbe in der Tangermünde Bild: dpa

Das Hochwasser hat vielerorts seinen Höhepunkt erreicht, doch weite Flächen werden noch tagelang überschwemmt bleiben. Die Gefahr von Deichbrüchen bleibt.

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          Die Entwarnung kommt nur schrittweise: Das Hochwasser hat nun auch in Nord- und Nordostdeutschland seinen Höhepunkt erreicht. Die Pegelstände der Elbe sinken in allen Regionen langsam. Doch die Gefahr von Deichbrüchen bleibt. Unermüdlich sind weiter Tausende Helfer im Kampf gegen die gewaltigen Wassermassen im Einsatz. Die Regierungschefs von Bund und Ländern wollten sich am Donnerstag in Berlin über die Hilfen für die Opfer der Katastrophe verständigen. Auf Bundesseite ist ein Aufbaufonds mit bis zu acht Milliarden Euro im Gespräch. Das Geld sollen Bund und Länder jeweils zur Hälfte aufbringen.

          In Lauenburg in Schleswig-Holstein ist der Anstieg der Elbe gestoppt, es zeichnet sich eine leichte Entspannung ab. Der Wasserstand ist in der Nacht zum Donnerstag um rund sechs Zentimeter gefallen. Am frühen Morgen wurden 9,50 Meter gemessen, gegen noch 9,56 Meter. Die Lage habe sich weitgehend stabilisiert, an den Deichen seien bislang keine Risse festgestellt worden, teilte der Krisenstab mit. Ursprünglich waren hier Pegelstände von zehn Metern und mehr prognostiziert worden. Der Krisenstab hat inzwischen einen ersten groben Zeitplan für die Rückkehr der Menschen aufgestellt.

          In der Katastrophenregion im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt wurden bis zum späten Mittwochabend noch Menschen in Sicherheit gebracht. Einige weigerten sich nach Angaben des Krisenstabs jedoch, ihre Häuser zu verlassen. Sie sollten am Donnerstag mit Booten und aus Hubschraubern mit Lebensmitteln versorgt werden. Durch die Bruchstelle des Elbdeichs bei Fischbeck fließt nach wie vor Wasser ins Hinterland. Bereits in der Nacht zum Montag war der Deich gebrochen. Seither sind weite Landstriche überflutet worden. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

          In Hitzacker in Niedersachsen lag der Pegelstand am frühen Donnerstagmorgen knapp unter acht Metern - am Abend zuvor waren es noch 8,07 gewesen. Die Bundeswehr überwacht seit Tagen in Niedersachsen die Deiche. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich am Donnerstag mit den in Dannenberg an der Elbe eingesetzten Soldaten getroffen. Er wollte sich ein Bild von der Lage machen und mit Soldaten des Logistikbataillons 141 sprechen, teilte ein Sprecher des Landeskommandos Niedersachsen mit.

          Trotz weiter sinkender Elbe-Pegelstände weicht auch die Anspannung in Mecklenburg-Vorpommern nicht. An immer mehr Stellen sickert Wasser durch die vollgesogenen Deiche, wie ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim am Donnerstag sagte. Sie würden mit Sandsäcken abgedichtet. Noch immer führe die Elbe mehr Wasser als bei der Rekord-Flut im Januar 2011. Die Pegelstände unterschritten am frühen Donnerstagmorgen in Dömitz erstmals die Sieben-Meter-Marke. Derzeit sinkt das Wasser um knapp einen Zentimeter in der Stunde. Normalerweise ist die Elbe hier um die zwei Meter tief.

          Bahnverkehr weiter gestört

          Der Bahnverkehr wird weiter durch das Elbehochwasser behindert. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Berlin über Stendal nach Hannover ist nach wie vor nicht befahrbar. Die ICE-Züge zwischen Berlin und Hannover und weiter ins Ruhrgebiet fahren deshalb über Magdeburg und Braunschweig. Von Donnerstag an hielten sie auch in diesen beiden Städten, wie die Deutsche Bahn mitteilte.

          Reisende zwischen Berlin und Hannover müssen mit einer um 60 bis 70 Minuten längeren Fahrtzeit rechnen. In Richtung Berlin entfallen die Stopps in Wolfsburg, Stendal und Berlin-Spandau, in Richtung Hannover die in Stendal und Wolfsburg.

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