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Hochmoselbrücke : Über alle Hindernisse hinweg

Ein nicht unumstrittenes Werk: Die Hochmoselbrücke, Deutschlands zweithöchste Brücke, wird ab dem 21. November für den Verkehr freigegeben. Bild: dpa

Mit der Hochmoselbrücke wird am Donnerstag die zweithöchste Brücke Deutschlands eröffnet. Damit findet ein Projekt der Superlative seinen Abschluss, das bis zuletzt umstritten war.

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          Es glich einer Prozession, als Anwohner und Besucher von dem kleinen Ort unten am Fluss hoch hinauf bis zur Anhöhe liefen, von der man normalerweise einen spektakulären Blick über die Moselschleife hat. An diesem Morgen aber: alles in dichtem Nebel. Auch die neue Hochmoselbrücke, die am Samstag erstmals – und einmalig – zu begehen war. Ihre Brückenpfeiler verschwanden im Grau, während die Brücke selbst ins Nichts zu führen schien. Trotzdem kamen bereits am Morgen Hunderte die schmalen Wege zwischen den spätherbstlich goldenen Weinbergen hinauf, um – nach fast zehn Jahren Bauzeit – endlich die Brücke zu begehen, bevor sie am Donnerstag eröffnet wird. Angekündigt hat sich unter anderem die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Zunächst wird der Bau am Donnerstag eingesegnet, dann findet eine „Jungfernfahrt“ statt. Erst danach wird der Bau für den Verkehr freigegeben. Rund 25000Fahrzeuge pro Tag sollen dann über die Brücke fahren. Für Fußgänger wird sie fortan gesperrt sein.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Damit findet nach vielen Jahren des Planens und Bauens ein bis zuletzt umstrittenes Projekt der Superlative seinen Abschluss. Erste Überlegungen für einen Hochmosel-Übergang gab es bereits Anfang der siebziger Jahre. Von 2011 an wurde dann gebaut. Eigentlich war die Fertigstellung für 2016 geplant, doch der Termin wurde mehrmals verschoben – zum Beispiel, weil der Boden neu befestigt werden musste.

          Heute spannt sich ein riesiges Bauwerk über die Mosel: keine Hänge- oder Bogenbrücke, sondern ein recht banaler flacher Stahlsteg, der auf zehn riesigen Betonpfeilern ruht. Der Steg ist 1,7 Kilometer lang und maximal 160 Meter hoch. Der Kölner Dom hätte also knapp darunter Platz. Nur die Kochertalbrücke in Baden-Württemberg ist mit 185 Metern höher. Damit ist die Hochmoselbrücke das aktuell größte Brückenbauprojekt in Europa. Jeweils 25 Meter lange Stahlteile wurden für die Fahrbahn Stück für Stück von einem Pfeiler zum nächsten von Südosten nach Nordwesten „geschoben“, mehr als 32000 Tonnen Stahl verbaut und eine Fläche von etwa vier Fußballfeldern asphaltiert. Über das Tal führen nun beiderseits zwei Fahrspuren und breite Seitenstreifen.

          Solange es noch geht: Besucher begehen die Hochmoselbrücke bei Nebel, bevor sie nach ihrer Eröffnung für Fußgänger gesperrt wird.

          Wirtschaftlicher Aufschwung erhofft

          Die Hochmoselbrücke ist Teil der Bundesstraße 50, die in der Region als Lebensader bezeichnet wird. Sie wurde im Zuge des Baus um 25 Kilometer verlängert. Die Brücke verbindet nun theoretisch die Benelux-Staaten mit dem Rhein-Main-Gebiet. Vor allem aber verbindet sie die beiden traditionell strukturschwachen Regionen Eifel (westlich) und Hunsrück (östlich), die sich davon einen wirtschaftlichen Aufwind erhoffen. In beiden Regionen war, kein Wunder, der Zuspruch zu dem Bau groß.

          An der Mosel selbst aber gab es bis zuletzt Protest. Das Projekt wurde begleitet von Klagen, Petitionen und Demonstrationen – angeführt von der Bürgerinitiative „Pro Mosel“, die rund 20 Jahre lang versucht hatte, den Bau zu verhindern. Der Vorsitzender der Initiative bezeichnete die Brücke einmal als „sinnlos, verschwenderisch und zerstörerisch“.

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