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Arbeit und Schule : Wann gibt es eigentlich Hitzefrei?

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Sonne statt Büro: In Deutschland wird es in den kommenden Tagen richtig heiß. Bild: dpa

Regelungen für Hitzefrei gibt es schon seit mehr als 120 Jahren. Doch ab welchen Temperaturen ist es so weit? Das sollten Arbeitnehmer, Chefs und Schüler wissen.

          36 Grad und es wird noch heißer: Auf Deutschland rollt eine Hitzewelle zu. Mancherorts ist ein Hitzerekord von bis zu 40 Grad Celsius möglich – insbesondere entlang des Rheins sind laut Deutschem Wetterdienst Werte von bis zu 39 Grad wahrscheinlich. Der Höhepunkt dürfte am Mittwoch erreicht werden, danach sinken die Temperaturen leicht.

          Gibt es Hitzefrei für Arbeitnehmer und Schüler – und wenn ja, ab welchen Temperaturen? Für alle gilt: Voraussetzung ist, dass entweder die Außentemperatur, die im Schatten gemessen werden muss, oder die Innentemperatur einen bestimmten Grenzwert erreicht oder überschritten haben muss.

          In der Schule

          Seit 1999 gibt es keine bundesweite Regelung mehr für Schulen. Jedes Bundesland entscheidet selbst: In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Berlin und Hessen etwa entscheiden die Schulleiter, ob die Schüler gehen dürfen. Da sich Schulgebäude unter anderem im Bau und der Lage unterscheiden, können die Temperaturen variieren. Hitzefrei gilt, wenn der Unterricht durch hohe Temperaturen in den Schulräumen beeinträchtigt wird. Anhaltspunkt ist eine Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Celsius. Herrschen bereits um 10 Uhr morgens Temperaturen von mehr als 25 Grad Celsius im Schatten, kann die Schulleitung Maßnahmen ergreifen. Die Lehrer können dann unter anderem den Unterricht an kühlere Orte verlegen oder mit den Schülern kleine Ausflüge machen.

          Bei heißen Temperaturen hilft oft nur noch der Sprung ins kühle Nass – hier am Trepliner See in Brandenburg.

          Bei weniger als 25 Grad Raumtemperatur darf es jedoch kein Hitzefrei geben. Problematisch ist Hitzefrei für Jüngere – Grundschulen, Klasse 5 und 6 sowie Ganztagsschulen –, da es einer Absprache mit den Eltern bedarf. Schüler müssen sicher nach Hause kommen. Schüler der Sekundarstufe II dagegen bekommen in der Regel kein Hitzefrei, es sei denn, dass beispielsweise Kreislaufbeschwerden drohen. Klassenarbeiten sollten in allen Jahrgängen vermieden werden.

          Was gilt für Arbeitnehmer?

          Wie sieht Hitzefrei im Büro aus? Grundsätzlich darf der Arbeitgeber frei entscheiden. Für Arbeitnehmer gibt es keinen gesetzlichen Rahmen, ab wann sie den Computer ausschalten oder den Hammer fallen lassen dürfen. Das Arbeitsrecht sieht jedoch bestimmte Empfehlungen vor, die Arbeitgeber bei hohen Temperaturen beachten müssen. Die Arbeitsstättenverordnung schreibt vor, dass die Raumtemperaturen zum Schutz der Gesundheit nicht über 26 Grad Celsius steigen sollte. Bei über 30 Grad Celsius Raumtemperatur ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um die Arbeitnehmer zu schützen. Das gilt nicht nur für Büros, sondern auch für Lagerräume, Werkstätten und Werkshallen. Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten sieht vor: „Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 °C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne technische Maßnahmen (z.B. Luftduschen, Wasserschleier), organisatorische Maßnahmen (z.B. Entwärmungsphasen) oder persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung), wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet.“

          Mit anderen Worten: Chefs müssen die Arbeitsplätze so gestalten, dass eine gesundheitliche Gefährdung vermieden wird. Klimaanlagen, Ventilatoren und Jalousien können die Räume klimafreundlicher gestalten. Alternativ kann der Arbeitgeber auch einen kühleren Arbeitsort zur Verfügung stellen. Personen, die im Freien arbeiten, sollten sich im Schatten aufhalten und ausreichend trinken. Arbeitsplätze wie Kantinen und Erste-Hilfe-Räume müssen gesundheitlich zuträgliche Temperaturen haben.

          Historisch betrachtet ist Hitzefrei keine ganz neue Erfindung. 1892 gab es einen entsprechenden preußischen Ministerialerlass. Und in diesem Sommer gilt übrigens wie auch schon vor über hundert Jahren: Gesunde Bräune gibt es nicht.

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