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Historiker über „Schtonk“ : „Es ist eine wahre Geschichte“

Von hier eroberten die Russen den Reichstag: Sönke Neitzel an der Moltkebrücke. Bild: Matthias Lüdecke

Der Historiker Sönke Neitzel spricht im Interview über „Schtonk!“, die satirische Verarbeitung des Nationalsozialismus und seine Studenten, die darüber nicht mehr lachen können.

          9 Min.

          Herr Professor Neitzel, wir haben soeben die Filmsatire „Schtonk!“ miteinander angeschaut, in der es um die Veröffentlichung gefälschter Hitler-Tagebücher im „Stern“ geht. Das wievielte Mal war das für Sie?

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Genau kann ich das nicht sagen, aber jedenfalls sprechen wir über eine hohe zweistellige Zahl, eine dreistellige ist es wohl noch nicht.

          Sie sind in einem bemerkenswerten Ausmaß textsicher, können viele Szenen sprechen, noch bevor sie beginnen.

          Ja, das bringt das häufige Anschauen mit sich. Ich habe mich mit dem Stoff allerdings auch intensiv beschäftigt.

          Sie haben gerade den Lehrstuhl für Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt in Potsdam übernommen, haben ein ausgefülltes Leben als Forscher und wissenschaftlicher Lehrer. Warum verbringen Sie so viel Zeit damit, einen Film anzuschauen, den Sie ohnehin fast auswendig kennen, und amüsieren sich dabei auch noch köstlich?

          „Schtonk!“ ist ein ganz hervorragender Film von Helmut Dietl, eines seiner Meisterwerke. Er nimmt zwei Dinge zugleich auf die Schippe und beleuchtet sie dabei kritisch. Einmal ist es die Faszination, die in der deutschen Nachkriegsgesellschaft bis in die achtziger und neunziger Jahre hinein noch für den Nationalsozialismus existierte. Das Treffen von Alt-Nazis auf einer Burg und die Präsentation des ersten angeblichen Tagebuchs von Adolf Hitler sind natürlich satirisch zugespitzt. Aber im Zuge meiner Forschungsarbeiten habe ich oft genug erlebt, dass Dietl das keinesfalls erfunden hat. Es gab und gibt sogar heute noch genug von denjenigen, die die NS-Zeit in einer geradezu grotesken Weise verherrlichen. Zweitens spießt Dietl die Sehnsucht mancher Medien nach Sensationen auf. Die Chefredaktion des Blattes, das die Tagebücher vorgelegt bekam und später veröffentlichte, war ja erst skeptisch und verfiel anschließend immer sichtbarer der Verlockung des großen Scoops, bis alle Bedenken vergessen waren.

          Was sagen Sie als Historiker: Wie gut hat Dietl recherchiert?

          Er arbeitet mit zahlreichen Originalzitaten und ist sehr nah an der Wahrheit. Der „Eishauch der Geschichte", der einen anweht, aber auch der Satz, „dass große Teile der deutschen Geschichte neu geschrieben werden müssen", sind ja damals in den Vorgängen um die gefälschten Tagebücher so gefallen. Ich kenne keine Satire, die den Umgang der Bundesrepublik, vor allem der Medien, mit dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit des Nationalsozialismus derart gelungen auf die Schippe nimmt.

          Wann haben Sie „Schtonk!“ das erste Mal angeschaut?

          Sofort, als er 1992 in die Kinos kam. Ich bin 1968 geboren und war 15, als der Skandal über die gefälschten Tagebücher die Medienwelt erschütterte. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Ich habe einfach auch viel Freude an Dietls Humor und den Formulierungen im Film.

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