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Hiddensee im Eis : Wir sind ein Sommerbetrieb

Seit Monaten vom Eis eingeschlossen: der Hafen von Vitte auf der Ostsee-Insel Hiddensee Bild: dpa

Seit zwei Monaten ist Hiddensee vom Eis eingeschlossen. Die Bewohner konnten zeitweise überhaupt nicht versorgt werden. Selbst die Kanzlerin ließ sich die Lage schildern. Dabei ist eben einfach Winter, wie die Insulaner sagen.

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          „Es ist eben Winter“, sagt Bürgermeister Manfred Gau und greift zum Rotweinglas. „Ein normaler Winter mit Eis und Schnee, wunderschön“, sagt Andreas Meinhof, einer der Betreiber des Hotels „Godewind“. Das „Godewind“ gehört zu den wenigen Häusern, die derzeit auf Hiddensee geöffnet haben. Wenn man jemanden auf der Insel treffen will, den Bürgermeister etwa, dann dort, in der Gaststube. „Ein Insulaner erträgt viel“, sagt Kurdirektor Alfred Langemeyer. Hiddensee ist zwar seit zwei Monaten vom Eis eingeschlossen, aber niemanden auf der Insel scheint das zu beunruhigen. Auch die Landrätin von Rügen, Kerstin Kassner, bleibt gelassen. „Wir haben hier keine Katastrophe und auch keinen Grund, den Katastrophenzustand auszurufen“, sagt sie.

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Tatsächlich geht auf Hiddensee alles seinen gewohnten Gang, wenn auch winterlich gedämpft. Die Boote der Fischer liegen still im Eis. Die zwanzig Fischer der Insel flicken im Hafen die Netze, und einer wird ausgeschickt, Bier zu holen. Im Supermarkt herrscht normaler Betrieb. Der Schnee rund um die neue Rettungsstation der Johanniter nahe dem Hafen von Vitte ist ordentlich weggeschaufelt. Der Inselbus dreht seine Runden. Dass die Mehrzahl der Pensionen und Hotels geschlossen hat, ist im Februar normal. „Wir sind letztlich ein Sommerbetrieb“, sagt der Kurdirektor. Im Sommer ist alles ausgebucht. Hiddensee hat als Sommerfrische einen großen Ruf. Gerhart Hauptmann besaß hier ein Haus und ist auf dem Inselfriedhof von Kloster begraben. Asta Nielsen und Joachim Ringelnatz, Albert Einstein, Gustav Hertz, Thomas Mann, Billy Wilder, Gret Palucca – die Geschichte der Insel ließe sich mit berühmten Namen schreiben. Bis zu 3500 Gäste sind es im Sommer pro Tag, bei tausend Einwohnern.

          Das leise knirschende Eis

          Derzeit wohnen nur 150 Gäste auf Hiddensee. Die freilich erliegen rasch dem Inselzauber. Das Licht auf der Insel ist schön wie immer, die Luft rein genau wie die Stille. Wer durch den Schnee stapfen will, kann am Strand entlanggehen und lauschen, wie beruhigend Wellen klingen, wenn sie gegen das leise knirschende Eis am Ufer schlagen. In den vergangenen Jahren kamen immer mehr Leute auch im Winter auf die Insel. Zwei Tage Hiddensee lassen vergessen, dass es noch eine andere Welt gibt. In diesem Winter freilich läuft das Geschäft schlecht.

          Der Eisbrecher „Ranzow” aus Usedom sollte helfen - und erlitt selbst Schaden.
          Der Eisbrecher „Ranzow” aus Usedom sollte helfen - und erlitt selbst Schaden. : Bild: ddp

          Der Ärger auf der Insel begann, als die „Vitte“ vor zwei Wochen Maschinenschaden hatte. Die „Vitte“ ist die Fähre zwischen Schaprode auf der Insel Rügen und Vitte auf Hiddensee. Die „Vitte“ kann Eis bis zu einer Dicke von fünfzehn Zentimetern brechen. In den Schaufenstern am Hafen von Schaprode hängt noch überall der sogenannte Eisfahrplan. Und daneben ein Plakat, das für eine Eisfahrt wirbt: täglich 11.30 Uhr und mit einem „Polargedeck“ für 3,50 Euro, was einen heißen Sanddornsaft und ein Stück Kuchen meint. Als Ersatz für die „Vitte“ wurde die „Ranzow“ geschickt, ein auf der Insel Usedom stationierter Eisbrecher. Der musste um Rügen, um das Kap Arkona herum – und ging auf dieser Reise ebenfalls kaputt. Ein Schaden an der Ruderanlage.

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