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Herzblatt-Geschichten : Schlief Romy Schneiders Mutter mit Adolf Hitler?

Romy Schneider, Alain Delon und Magda Schneider 1959 in der Schweiz Bild: AP

Romy Schneider erobert die Seite eins, Harald Glööckler hat eine Erleuchtung und Gerhard Schröder mag Kim – aber kein Kimchi. Die Herzblatt-Geschichten der Woche.

          Die „Bild“-Zeitung steht ja im Verdacht, seit geraumer Zeit nur noch Seite-eins-Geschichten über kriminelle Migranten zu drucken, die AfD-Wählern wohligen Grusel bereiten. Dieser Eindruck ist zumindest nicht ganz richtig, präsentierte „Bild“ diese Woche doch einmal eine ganz andere, verblüffende Schlagzeile: „Romy Schneider – Meine Mutter schlief mit Hitler!“ Die suggerierte Gegenwärtigkeit wird leicht getrübt durch die hinter Schneiders Namen kleingedruckten Worte „verriet weinend in einem Interview“. Die Sache zu überprüfen dürfte schwierig sein, da alle drei Beteiligten – und in einem Fall darf man sagen: Gott sei Dank – lange tot sind. Wenn wir freilich länger drüber nachdenken, passt auch diese Schlagzeile zur aktuellen „Bild“-Linie, letztlich war ja auch Hitler ein krimineller Migrant.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf den hinteren Seiten bei „Bild“ ist Platz für gute Nachrichten, etwa über den Designer Harald Glööckler, der mitteilt: „Ich habe Gott gesehen, und so sieht er aus.“ Glööcklers selbstgemaltes Gemälde zeigt ein sehr buntes Kuddelmuddel, das auch durch den Hinweis von „Bild“ nicht klarer wird, Gott sei „im Profil am linken Rand“ zu sehen. Traurig, doch wir können Gott leider nicht erkennen. Seine exzentrische Darstellung durch Glööckler aber finden wir völlig in Ordnung – schließlich hat auch Gott selbst einiges an Einfallsreichtum bewiesen, als er den knallbunten Harald Glööckler schuf.

          Ganz viele Ideen sind auch der „Bunte“-Redaktion gekommen, was die Vermeldung einer angeblichen Trennung angeht. Weil Rüdiger Grube mal Bahn-Chef war und seine Frau Cornelia Poletto Köchin, verstreut das Heft großflächig Koch- und Bahnmetaphern: „So schnell verdampfte ihre Liebe“, heißt es da, und dass beide „nicht mehr aufeinander abfahren“. Lustig! Oder haben sie, „Bunte“, einfach die Weichen falsch gestellt, hat einer den anderen aufs Abstellgleis geschoben, sind ihnen die Gesichtszüge entglitten und ist jetzt der Ofen aus? Seit er nicht mehr bei der Bahn ist, leitet Grube übrigens ein Beratungsunternehmen für Mittelständler, aber dazu sind „Bunte“ keine so schönen Metaphern eingefallen.

          Als frisch verliebtes Paar zeigen sich hingegen Schriftstellerin Gaby Hauptmann und ihr Liebster Josef Schmidbauer. Bei einer Frau, so Schmidbauer in „Bunte“, lege er Wert auf „Gutmütigkeit“, worauf Hauptmann erklärt, sie sei „wahnsinnig gutmütig. Es gibt ein paar Kandidaten aus meiner Vergangenheit, die mir bis heute viel Geld schulden.“ Das seien ausschließlich Männer. „Und sollte unsere Beziehung wirklich nicht klappen – was ich nicht glaube –, werden wir uns sicher in Frieden und Freundschaft trennen“, sagt Schmidbauer. Bei Hauptmann sollten trotzdem die Alarmglocken klingeln, sollte er sich eines Tages von ihr viel Geld leihen wollen.

          Wie man ganz lange zusammenbleibt, das verrät Mario Adorf im „Echo der Frau“: „Man darf sich nicht gegenüberstehen, das sorgt sonst ständig für Reibung.“ Vielleicht hilft es dann, ein bisschen weiter auseinanderzugehen? Reicht nicht: „Man muss nebeneinander stehen und in die gleiche Richtung schauen.“ Das würde bedeuten, dass man den Partner nicht sieht und auch nicht dessen allmähliche Alterung, insofern wohl kein schlechter Vorschlag.

          Beziehungstipps von einem, der es wissen muss: Mario Adorf ist seit über 30 Jahren mit seiner Frau Monique verheiratet.

          Ein gravierendes Problem mit dem Alter scheint „Das Neue“ zu haben. „Schöner als jede Trophäe“, liest man, sei Steffi Grafs Tochter, die 14 ist. Ein paar Seiten davor heißt es: „Das ist ja mal ein scharfes Jugendfoto von Dieter Bohlen“ – bevor der Leser aufgeklärt wird, dass es sich bei dem mit freiem Oberkörper abgebildeten Jungen nicht um Bohlen, sondern um dessen 13 Jahre alten Sohn handelt. „Der knackige Teenager“ ist er für „Das Neue“ – und da würde man schon gern wissen, was für Leute da die Geschichten schreiben. Und ob sie jemand redigiert.

          Gekonnt hingegen ist der Kunstgriff des „Goldenen Blatts“

          Merkels Amtsvorgänger zelebriert derweil weiter öffentlich Ehe Nummer fünf: „Das verliebte Paar ließ sich exklusiv für „Bunte“ beim Verlassen des Standesamtes fotografieren.“ Gattin Soyeon Schröder-Kim erzählt: „Gerhard ist als Ehemann ganz unkompliziert. Er liest mir manchmal Gedichte von Goethe, Rilke oder Schiller vor... Er kann aus dem Stegreif ,Hamlet‘ zitieren.“ Wer hätte das gedacht von dem Mann, der bislang bekannt war für rustikale Einzeiler à la „Ich will da rein“ oder „Hol mir mal ’ne Flasche Bier“?

          Gerhard Schröder und seine südkoreanischer Lebensgefährtin treffen sich mit Geschäftspartnern in einem Restaurant: – Kimchi hat Schröder wohl eher nicht bestellt.

          Zur Hochzeitsfeier am fünften Oktober im Hotel Adlon, weiß „Bunte“, wird möglicherweise koreanisches Kimchi serviert, „in Salz eingelegter Chinakohl oder Rettich, der durch Milchsäuregärung haltbar wird“. Allerdings: „Gerhard Schröder mag Kimchi nicht. ,Sein Kommentar war: Es schmeckt fürchterlich‘, erzählt seine charmante Frau „Bunte“.“ Sollten Sie, liebe Leser, also am 5.Oktober in Berlin sein und nahe dem Adlon einen schick gekleideten älteren Herrn sehen, der hastig eine Currywurst mampft: Verpfeifen Sie ihn bitte nicht bei seiner Gattin.

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