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Geschlechtsneutrales Pronomen : Er, sie, „hen“

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Für sie, für ihn und für alle anderen: ein Piktogramm für Toiletten, die jeder nutzen darf Bild: dpa

Mit einem geschlechtsneutralen Pronomen im Wörterbuch haben die Schweden eine jahrzehntelange Debatte beendet. In Deutschland ist ein eigenes Fürwort für transsexuelle Menschen in der Öffentlichkeit kaum ein Thema – bislang.

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          Wie beschreibt man einen Menschen, der sich weder als Mann noch als Frau versteht? „Er“ oder „sie“ scheiden schließlich aus. Die Schweden haben für dieses Dilemma eine Lösung gefunden: Wer ein schwedisches Wörterbuch aufschlägt, findet irgendwo zwischen den Einträgen „han“ für „er“ und „hon“ für „sie“ seit Mittwoch das geschlechtsneutrale „hen“. Darüber, ob das Wörtchen dort hingehört, streiten die Skandinavier seit vielen Jahren.

          In Schweden ist „hen“ im Sprachgebrauch aber schon verbreitet. Das Fürwort wird aber nicht nur benutzt, um eine transsexuelle Person zu beschreiben. Es kommt vor allem auch zum Einsatz, wenn das Geschlecht egal oder unbekannt ist. Damit erfülle es eine klare Funktion, sagt Sven-Göran Malmgren,  Chefredakteur der Wortliste „Svenska Akademiens ordlista“, in die „hen“ nun aufgenommen wurde: „Man muss nicht die ganze Zeit „sie“ oder „er“ sagen.“ Für die Schwedische Akademie ein Grund, das Wörtchen trotz der Proteste in die Liste aufzunehmen. „Manche Menschen sind das nicht gewohnt, aber sie müssen es ja nicht benutzen.“

          In Deutschland ist ein ähnliches Wort kein Thema

          In Deutschland ist ein eigenes Fürwort für transsexuelle Menschen in der Öffentlichkeit bislang kaum ein Thema. Bei Facebook können deutsche Nutzer ihr Geschlecht seit vergangenem Herbst auch als „Inter*“ oder „transsexuell“ angeben. Im vergangenen Jahr hatte ein junger Mensch aus Niedersachsen außerdem – vergeblich – versucht, vor Gericht einen dritten Geschlechtseintrag im Ausweis durchzusetzen.

          „Es ist eine neue Herausforderung für die Gesellschaft, nicht nur von Zweigeschlechtlichkeit auszugehen“, sagt Lann Hornscheidt, am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Berliner Humboldt-Uni mit Gender Studies und Sprachanalyse beschäftigt. Hornscheidt schlägt die Einführung eines x als Pronomen vor, um die Diskriminierung zu beenden, und möchte selbst folglich als „Professx“ statt als „Professor“ oder Professorin“ angesprochen werden.

          „Ich glaube, dass ein neutrales Pronomen kommen wird“, meint Hornscheidt. Doch das könnte noch dauern, schätzt der langjährige Chef der Gesellschaft für deutsche Sprache, Rudolf Hoberg. „Wenn das von einem großen Teil der Menschen akzeptiert wird, ist es eine vernünftige Lösung“, sagt er. Führe man aber aus dem Nichts ein solches Fürwort ein, könne es sich im Sprachgebrauch schwer durchsetzen. Hierzulande drehe sich die Diskussion immer noch eher darum, ob man alles in männlicher und weiblicher Form nennen muss - etwa Lehrer/in. „Da scheinen die Schweden weiter zu sein.“

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