https://www.faz.net/-gum-864gz

Hells Angels : Hannovers treue Kutten

„Regionalisierung“ der Hells Angels

Das öffentliche Interesse an den Hells Angels mag also nachgelassen haben, seit sich das mächtige Hannoveraner Charter 2012 selbst auflöste und Frank Hanebuth sich kurz darauf nach Mallorca verabschiedete. Das Problem indes ist geblieben. Es hat sich nur verschoben, wie die Zunahme der Zahl der Charter anzeigt. Ein Ermittler nennt das die „Regionalisierung“ der Hells Angels. Die Rocker hätten sich nach den Verboten und Selbstauflösungen ins Umland verteilt. Auf dem Foto vor dem Rathaus erkennt der Ermittler sogleich zwei Anführer aus dem Heidekreis sowie einige nach wie vor in Hannover aktive Rocker des aufgelösten Chapters. „Hannover gibt es ja eigentlich gar nicht. Aber de facto gibt es sie doch“, sagt er.

Weniger eindeutig ist, wie sich die Machtverhältnisse bei den Hells Angels durch den Wegzug und die 2013 erfolgte Festnahme Hanebuths durch die spanischen Behörden verändert haben. Laut Berichten der „Bild“-Zeitung soll es nach Hanebuths Weggang einen internen Machtkampf zwischen dem türkischen Hells-Angels-Chef Neco Arabaci, der seit seiner Abschiebung aus Deutschland von Izmir aus agieren soll, und älteren deutschen Rockern um den Frankfurter Walter B. („Schnitzel-Walter“) geben. Die Rede ist zudem von einem Vorrücken der konkurrierenden „Bandidos“.

Dass die Hells Angels in Niedersachsen massiv mit anderen Gruppen um Regionen im Streit liegen, legt zumindest ein Vorfall aus Walsrode nahe. In einer Diskothek ist es dort im Februar zu einer Massenschlägerei gekommen, an der sich mindestens 20 Personen beteiligt haben. Die einen waren Hells Angels, die anderen „Mongols“, bei denen dem „Miri-Clan“ eine tragende Rolle zukommt, einem in Bremen berüchtigten Familienclan von Mhallami-Kurden. Nachdem ein Großaufgebot der Polizei die Schlägerei in der Diskothek beendet hatte, prügelten die Gruppen dann in einer Klinik in Walsrode aufeinander ein.

Über ein weiteres, wohl zufälliges Zusammentreffen vor einer roten Ampel am nächsten Tag berichtet das niedersächsische Innenministerium wie folgt: „Die Mitglieder des Hells Angels MC begaben sich unmittelbar zu dem Fahrzeug und einer von ihnen schoss sogleich dem Fahrzeugführer mit einer Pfeffersprayapparatur, die einer Schusswaffe gleicht, ins Gesicht, während die anderen auf das Fahrzeug mittels Schlagwerkzeugen einwirkten.“

Rückkehr von Hanebuth nach Hannover durchaus möglich

Mit Blick auf das hannoversche Rotlichtviertel rund um das Steintor sind es allerdings weniger Machtkämpfe oder Revierstreitigkeiten, die das LKA hervorhebt, sondern vor allem die Kontinuität der Hells Angels. „Die Personen von aufgelösten bzw. verbotenen Ortsgruppen“ seien „auch weiterhin in ihren alten Betätigungsfeldern auch in Hannover tätig“, teilt die Behörde mit. Es handele sich „um langjährige gewachsene Strukturen“. Dass auch Frank Hanebuth noch immer einen festen Platz im Herzen dieser Strukturen hat, davon haben diese Strukturen am Freitag vor dem Rathaus Zeugnis abgelegt.

Eine Rückkehr von Hanebuth nach Hannover wollte sein Anwalt Götz von Fromberg am Montag keinesfalls ausschließen. Am Abend bestätigte er die Freilassung seines Mandaten aus der Untersuchungshaft. Noch müsse Hanebuth zwar das weitere Verfahren in Spanien abwarten, wo ihm die Behörden mehr oder minder all das vorwerfen, was man in Deutschland kriminellen Rockergruppen ganz allgemein auch vorhält, sagte Fromberg der F.A.Z. „Die Frage ist aber, ob es überhaupt noch zu einer Anklage kommt.“ Derzeit sei Hannover zwar noch ganz weit weg, grundsätzlich komme eine Rückkehr nach Hannover für Hanebuth aber durchaus in Frage. Das LKA hält die Frage nach den Folgen einer Rückkehr Hanebuths für „rein spekulativ“. Viel ändern an den Machtverhältnissen im Rockermilieu würde sich nach Auffassung der Ermittler dadurch wohl nicht. Denn die geschäftlichen Strukturen seien seit seiner Verhaftung 2013 ohnehin bestehen geblieben.

Weitere Themen

Topmeldungen

Ellbogencheck: Boris Johnson und Angela Merkel im Juli dieses Jahres.

Briten zur Bundestagswahl : Da herrscht das Chaos

In Großbritannien blickt die Presse nicht allzu hoffnungsfroh auf die Bundestagswahl. Das hat viel mit dem kritisch betrachteten Erbe von Angela Merkel zu tun.
Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld. Doch immer mehr junge Menschen legen ihr Geld in Aktien an.

Deutsche und ihr Vermögen : Der lange Abschied vom Sparkonto

Das Geldvermögen der Deutschen ist groß wie nie. Die Sparer haben ihr Geld aber über die Jahre umgeschichtet. Vor allem bei Jüngeren gibt es einen bemerkenswerten Effekt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.