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Heiraten im Freizeitpark : Die Konkurrenz zur Euromaus

  • -Aktualisiert am

„Wir wollen keinen Las-Vegas-Effekt”: Im Freizeitpark werden rund 50 Hochzeiten im Jahr zelebriert Bild: Europa-Park Rust

Mitten im Europa-Park stehen Kapellen und eine Kirche. Zwei Diakone arbeiten dort im Dienste Gottes. Wenn sie zwischen Achterbahn und Geisterbahn Paare trauen oder Kinder taufen, sind sie Teil einer Inszenierung - und meinen es doch ernst.

          Über dem Altar hängt ein hölzernes Abbild vom Sohne Gottes; auf dem Altar steht ein schwarz-weißes Lichtbild vom Vater des Europa-Parks, dem kürzlich verstorbenen Franz Mack. Gemeinsam blicken sie auf die Kapelle, in der gleich Bernardo und Yaisha getauft werden. Im Hintergrund donnert eine Achterbahn - die Kapelle steht im Europa-Park-Hotel Santa Isabel. Das Personal trägt Mönchskutten; vom Flachbildschirm in der Lobby winkt die Euromaus; Bernardo weint.

          Andreas Wilhelm, der katholische Diakon, tippt sein Smartphone stumm und betritt die Kapelle, die mit ihren drei Bankreihen kaum größer ist als die finnische Sauna im fünften Stock des Hotels. Er legt das Porträt des Gründervaters samt Trauerflor in eine Schublade. Heute wird gefeiert, eine Taufe soll fröhlich sein.

          „Lebe deinen Traum“, war das Motto von Franz Mack. Diakon Wilhelm und seinem evangelischen Kollegen Lampeitl gefällt das Credo des Parkgründers. Im Namen des Europa-Parks - und natürlich im Namen Gottes - taufen und vermählen sie Besucher, beten und erzählen mit ihnen oder hören einfach zu. 50 Hochzeiten und 15 Taufen machen sie im Jahr.

          Vom Vergnügen umgeben: Die Stabkirche

          Rust ist nicht Las Vegas

          „Wir wollen hier keinen Las-Vegas-Effekt“, sagt Andreas Wilhelm über seine Arbeit im beliebtesten Tourismus-Ziel Deutschlands - nach dem Kölner Dom. Er hat seine Arbeitskleidung angelegt: purpurne Stola auf weißem Umhang.

          Die Taufgesellschaft betritt die Kapelle mit einem großen Schritt, um nicht über die Türschwelle zu stolpern, die extra hinderlich angebracht wurde, damit Bräutigame ihre Bräute darüber tragen können. Das soll Glück bringen. Bernardo, der Täufling, weint noch immer.

          Martin Lampeitl, der evangelische Diakon, sitzt neben Wilhelm und spielt Gitarre. Er trägt zivil. Der graue Kaschmir-Pullover versteckt eine Krawatte; ein Ansteck-schild verrät seinen Namen und, dass er Deutsch und Englisch spricht. In seiner Jugend hat er im schwäbischen Reutlingen das autonome Jugendzentrum Zelle gegründet. Heute spielt er versunken zum Einlauf der Taufgesellschaft.

          Wilhelm, der ehemalige Militärseelsorger, unterhält währenddessen die Gesellschaft mit der professionellen Gutgelauntheit eines Volksmusikmoderators. „Grüezie“, begrüßt er die Schweizer Großeltern von Bernardo und Yaisha, die aus Bern angereist sind. Eigentlich hatten sie den Schweizer Zirkuspfarrer Ernst Heller gebucht, doch der war verhindert und Wilhelm sprang ein.

          „Halli, hallo, jetzt geht es los“

          Die Kinder sind ein Jahr alt. Ihre Väter sind Unternehmer, die Mütter ehemalige Schönheitsköniginnen aus Brasilien und der Dominikanischen Republik. Yaisha trägt ein weißes Kleid und Bernardo einen schwarzen Anzug, mit dem er auf dem Schoß seines Vaters aussieht wie eine Bauchrednerpuppe. Beide Paare sind unverheiratet. „Aber das kommt noch, haben sie mir versprochen“, beteuert Wilhelm. Die Väter sind dicke Freunde. Bernardo weint noch immer.

          Diakon Wilhelm reicht ihm ein Lamm aus dem Krippenspiel, der Junge zerrt an den Filzbeinchen, sein Vater schaut gutmütig zu. Endlich sitzen alle eng beisammen, und Lampeitl stimmt die Hymne an: „Halli, hallo, jetzt geht es los. Herzlich willkommen im Europa-Park.“ Wilhelm wippt im Takt und schürzt glücklich die Lippen, als degustiere er einen edlen Messwein.

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