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Heino Ferch : Der Coolste auf dem Pausenhof

Bild: Jens Gyarmaty

Im Fernsehen ist Heino Ferch allgegenwärtig: als Standardbesetzung für den Alphamann, den unbeschädigten wie den gebrochenen. Aber man weiß wenig über ihn. Eine Annäherung an einen bekannten Unbekannten.

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          Kürzlich hat er einen Kollegen gerettet, und das kam so: Ein Januarabend in Berlin, Heino Ferch sitzt im Szene-Restaurant "Borchardt". Ein paar Tische weiter hat ein Kollege Platz genommen, ein langgedienter Großer seines Fachs. Man kennt einander, man grüßt. Später sind Hilferufe aus der Herrentoilette zu hören. Der Schauspielveteran bekommt das Schloss seiner Kabine nicht mehr auf und gerät zunehmend in Panik. Ihm wäre jetzt schon geholfen, wenn einer beruhigende Worte fände und das Personal verständigte. Aber zufällig anwesend ist: Ferch. "Ich bin's, Heino", soll er von draußen gerufen haben, "ich hol' dich da raus!" Ferch versucht, die Tür einzurennen. Wieder und wieder wirft er sich mit der Schulter gegen das Holz, bestimmt zehnmal. Die Tür allerdings hält. Als sich das Schloss am Ende doch von innen öffnen lässt, jubelt der Befreite vor Publikum: "Heino hat mir das Leben gerettet!"

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          Ein Selbstporträt :
          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Man hat diesen Mann den deutschen Bruce Willis genannt, bis der Vergleich sich abnutzte: ein kahlschädeliger Kraftbolzen, der mit Herzensbrecherlächeln den Helden spielt. Aber man dachte immer, das sei nur Image.

          Jeden Monat eine andere tragende Rolle

          Heino Ferch ist ein Schauspieler, mit dem die Deutschen ihre Fernsehabende verbringen, schon seit Jahren, in Produktionen wie "Der Tunnel" oder "Die Luftbrücke"; zum Auftakt des Jahres 2012 ist der Neunundvierzigjährige jeden Monat in einer anderen tragenden Rolle im ZDF zu sehen. Auch im Kino lässt Ferch sich regelmäßig blicken, spielt in "Comedian Harmonists" oder "Der Untergang". Er wirkt wie ein alter Bekannter, seit Ewigkeiten vertraut. Aber über ihn selbst weiß man nicht viel. In Interviews fachsimpelt er über seine und andere Filme. Die Klatschpresse lässt ihn in Ruhe.

          Von März an ist Ferch nun in der Kehlmann-Verfilmung "Ruhm" zu sehen und gibt dort einen sehr populären, quasi omnipräsenten Schauspieler. Man schaut und hofft: Vielleicht spielt er jetzt ja sich selbst. Aber der Star im Kino ist eine Mischung aus Scheusal und armer Haut. Er residiert in einem abgeschmackten Luxusbungalow mit Butler und Schwimmbad, schließlich schlüpft er in die Rolle eines Doppelgängers, um der Berühmtheit zu entfliehen. "Das Einzige, was meins wär, ist der Pool", wird Ferch, der das alles mit Selbstironie auf die Leinwand bringt, später im Gespräch erläutern. Der Star Ferch lebt auf einem Gutshof am Ammersee, wo die Verwandtschaft seiner Frau seit 500 Jahren zu Hause ist: Vater, Mutter, Kind, viel Landschaft und noch mehr Pferde. Für ihn, sagt er, sei sein Beruf nur mit einer einzigen Einschränkung verbunden: "Ich würde gerne nicht so viel weg sein von der Familie."

          Beim dritten Treffen taut er auf

          ür eine Annäherung an Heino Ferch braucht es einen langen Atem. Man besucht Kinopremieren, bei denen Ferch als Letzter auf die Bühne gerufen wird, wenn der Applaus so richtig tost. Man geht zu Pressekonferenzen, auf denen derselbe Film präsentiert wird und Ferch sich beiläufig im Hintergrund hält. "Ist nicht meins, aufn dicken Molli zu hauen", sagt er. Bei der ersten Begegnung wirkt der Schauspieler fast scheu. Beim zweiten Treffen ist er zurückhaltend, aber verbindlich. Beim dritten taut er auf. Beim fünften Wiedersehen gibt es zur Begrüßung Wangenküsschen. Und trotzdem hat das Kennenlernen Grenzen, die der Pressemanager vorher abgesteckt hat. "Sagen wir es so", sagt Ferch: "Ich mag es professionell."

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