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Kalifornien : Alles im Fluss

  • -Aktualisiert am

An Wasser mangelt’s in Kalifornien gerade nicht: Im Yosemite National Park hat es sogar die Straßen geflutet. Bild: AP

Jahrelang schon kämpft Kalifornien mit der Dürre. Es ist die trockenste Zeit – seit Christoph Kolumbus Amerika erreicht hatte. Heftige Niederschläge wecken nun Hoffnungen auf ein Ende.

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          Kalifornien ist zwar nicht der größte amerikanische Bundesstaat – sein Gebiet erstreckt sich aber dennoch über eine weite Fläche. Von der mexikanischen Grenze im Süden bis nach Oregon im Norden sind es mehr als 1300 Kilometer. Von West nach Ost, zum Beispiel zwischen San Francisco und dem Lake Tahoe, misst Kalifornien immerhin noch knapp 400 Kilometer. Wegen des, abgesehen vom äußersten Norden, durchweg mediterranen Klimas, findet sich auf dieser Fläche im amerikanischen Westen selbst im tiefen Winter immer irgendwo ein nicht zu kleines Fleckchen, an dem die Sonne kräftig scheint.

          In diesen Tagen gibt es über dem Goldenen Staat aber kein einziges Wolkenloch. Ein sogenannter „atmosphärischer Fluss“ hat die Schleusentore zum Pazifik weit geöffnet – und fast überall in Kalifornien schüttet es wie aus Eimern. In der kommenden Woche wird mit weiteren ergiebigen Niederschlägen gerechnet. Offiziell jubelt zwar noch niemand, aber wenn die verbleibenden drei Wintermonate auch nur annähernd so feucht bleiben, könnte es endlich mit der extremen, seit fast sechs Jahren anhaltenden Dürre vorbei sein.

          Das Klima Kaliforniens ist durch zwei Jahreszeiten geprägt. In der Trockenzeit zwischen Mai und Oktober gibt es nur im äußersten Norden des Staates gelegentlich Niederschlag. Der größte Teil Kaliforniens ist in dieser Zeit durchweg trocken. Das Winterhalbjahr ist dagegen feucht und im langjährigen Mittel fallen etwa drei Viertel aller Niederschläge in den Monaten Dezember bis März – in den Hochlagen der Sierra Nevada als Schnee. Wie wichtig dieser Schneefall ist, zeigt die Tatsache, dass etwa ein Drittel des in Kalifornien in Haushalten, in der Industrie und in der Landwirtschaft verbrauchten Wassers ursprünglich Schmelzwasser aus dem Gebirge ist. Es wird im Frühjahr in Dutzenden von Stauseen an den Westhängen der Sierra Nevada gesammelt und dann im Sommer durch ein ausgeklügeltes System aus Kanälen und Pipelines im gesamten Bundesstaat verteilt.

          Kalifornier mussten schon das Wasser rationieren

          Die gegenwärtige Dürreperiode begann vor sechs Jahren mit einem niederschlagsarmen Winter. Im Jahr 2013 fielen über ganz Kalifornien gemittelt nur 34 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags. Im Winter 2014/15 betrug die Schneemenge in der Sierra Nevada lediglich fünf Prozent des langjährigen Durchschnitts. Aus der Analyse von Baumringen kalifornischer Eichen schlossen amerikanische Forscher, dass es zu keiner Zeit seit Christoph Kolumbus Amerika erreicht hatte an der Pazifikküste so trocken war wie gegenwärtig. Die Lage wurde schließlich so prekär, dass Gouverneur Jerry Brown im Jahr 2015 den Notstand ausrief und dem gesamten Bundesstaat eine Rationierung des Wassers verordnete. Durch die Bank mussten alle Kalifornier in Haushalten, Industrie und in der Landwirtschaft ihren Wasserverbrauch um ein Viertel einschränken. Das traf die Bauern in dem von der künstlich bewässerten Landwirtschaft geprägten Zentraltal besonders hart. Auch das Klimaphänomen El Niño im vergangenen Winter brachte keine grundlegende Änderung der Trockenheit.

          Seit knapp zwei Wochen trifft nun aber ein mit Feuchtigkeit geladenes pazifisches Tiefdruckgebiet nach dem anderen auf den südlichen Teil der amerikanischen Westküste und regnet sich vor allem über Kalifornien ab. Besonders in der Sierra Nevada ist die Schneedecke so dick wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Obwohl der Winter gerade erst angefangen hat, liegen schon jetzt mehr als 70 Prozent der mittleren jährlichen Schneemenge auf den Höhen des Donner-Passes. Bereits kurz nach Weihnachten hatte das amerikanische Landwirtschaftministerium eine Teilentwarnung gegeben. Laut seines monatlichen „Dürre-Reports“ litten nur noch 58 Prozent der kalifornischen Landfläche unter extremer Trockenheit. Ein Jahr zuvor, Ende Dezember 2015, waren es noch 88 Prozent.

          Dürre in Kalifornien: Vor allem im Süden des Goldenen Staates ein Problem. Dort wird es besonders heiß.
          Dürre in Kalifornien: Vor allem im Süden des Goldenen Staates ein Problem. Dort wird es besonders heiß. : Bild: AP

          Die jüngste „Sintflut“ hat ihren Ursprung über den Gewässern des subtropischen Pazifik in der Nähe von Hawaii. Im Moment verdunstet über diesem Teil des Stillen Ozeans derart viel Wasser, dass es sich nicht in Tiefdruckgebieten sammelt und mit ihnen in Richtung amerikanisches Festland gelangt. Vielmehr bildet sich in der Atmosphäre ein vom Westwind getriebenes, schmales, aber sehr langes Fließband hoher Luftfeuchtigkeit, das von westlich der hawaiianischen Inseln bis nach Kalifornien reicht. Auf einer Länge von mehr als 4000 Kilometer trägt dieser von Meteorologen als „atmosphärischer Fluss“ bezeichnete Luftstrom mehr Wasser als der Amazonas.

          Meteorologen gehen in ihren Vorhersagen im Moment nicht davon aus, dass in der kommenden Woche ein Hochdruckrücken diesen Fluss unterbrechen und damit die atmosphärischen Schleusentore vor Kalifornien abrupt schließen könnte. Weil in den nächsten Tagen mit noch viel mehr Regen gerechnet wird, hat die Verwaltung des Yosemite Nationalparks schon alle Zeltplätze und Hotels im Yosemite-Tal geräumt. Die Gefahr von Lawinen und Überflutungen sei zu groß, teilten die Ranger mit.

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