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Havarie der Costa Concordia : Kapitän unter Hausarrest gestellt

  • Aktualisiert am

Das Wrack vor den Insel Giglio Bild: AFP

Taucher haben im überfluteten Heck der „Costa Concordia“ fünf Leichen entdeckt. Damit erhöht sich die Zahl der Toten auf elf. Ein Telefongespräch belastet den Kapitän, der nun unter Hausarrest gestellt wurde, schwer.

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          Italienische Marinetaucher haben am Dienstag fünf weitere Leichen im Wrack der „Costa Concordia“ entdeckt. Dies teilte die Küstenwache italienischen Medien mit. Demnach befanden sich die Opfer im hinteren Teil des überfluteten Hecks. Damit kamen bei dem Unglück mindestens elf Menschen ums Leben. Nach Angaben des italienischen Krisenstabs werden noch 24 Menschen vermisst.

          Die Behörden haben allerdings einen der vermissten Deutschen aufgespürt. Das teilte der Leiter des Krisenstabes in Grosseto, Guiseppe Linardi, am Abend mit, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Nähere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.

          Womöglich gibt es auch ein erstes deutsches Todesopfer. Einen entsprechenden Bericht des Rundfunksenders Rai bestätigten die deutschen und italienischen Behörden jedoch zunächst nicht. Das Auswärtige Amt hatte angegeben, dass zwölf der Vermissten Deutsche seien. Fünf stammen demnach aus Hessen, je zwei aus Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen und eine Frau aus Bayern.

          Der Aufbau der Costa Concordia Bilderstrecke

          Mit Sprengstoff hatten sich die Rettungskräfte am Dienstag den Weg in die „Costa Concordia“ gebahnt, um die Bergungsarbeiten zu beschleunigen. Hoffnung, noch Überlebende aus dem Wrack zu retten, das seit Freitagabend im eiskalten Mittelmeer liegt, gab es kaum noch. Taucher der Marine sprengten vier Löcher in die Außenwand, um ins Innere zu gelangen. 

          In den kommenden Tagen, wenn die Bergungsarbeiten abgeschlossen worden sind, soll das Schweröl aus dem Schiff abgepumpt werden. Damit wurde das niederländische Unternehmen Smit beauftragt, das bis zu 2400 Tonnen Treibstoff und Schmierstoffe entsorgen soll. Naturschützer hatten zuvor vor einer Umweltkatastrophe gewarnt, falls das Öl ins Meer auslaufe. Das Schiff liege im wichtigsten Walschutzgebiet des Mittelmeers.

          Die Vorwürfe gegen den „draufgängerischen“ Kapitän erhärten sich

          Unterdessen erhärteten sich die Vorwürfe gegen den 52 Jahre alten Kapitän der „Costa Concordia“. Er wurde am Dienstag in Grosseto dem Untersuchungsrichter vorgeführt, anschließend wurde er unter Hausarrest gestellt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor, das Herbeiführen einer Havarie und das vorzeitige Verlassen des in Seenot geratenen Schiffs. Kapitän Francesco Schettino sagte dagegen nach Rundfunkberichten, er habe alles Menschenmögliche getan und das Schiff nach dem Aufprall auf den Felsen mit einer Kursänderung noch näher an die Küste gebracht, damit es dort auf Grund laufe und nicht sinke.

          Schettino stammt aus Castellamare di Stabbia (Provinz Neapel), ist verheiratet und hat eine 15 Jahre alte Tochter. Fast die gesamte Familie war in der Seefahrt beschäftigt. Er absolvierte das renommierte Istituto nautico Nino Bixio in Pian di Sorrento und arbeitete für verschiedene Reedereien, seit 2002 als Sicherheitsoffizier bei der Reederei Costa, danach als zweiter Kapitän, seit 2006 als Kapitän. Schettino hatte nach Darstellung verschiedener italienischer Zeitungen den Ruf eines „Draufgängers“.

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