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Trailer zu „Harry und Meghan“ : Liebespolitik auf dem Küchenblock

„Wenn es um so viel geht“: Harry und Meghan inszenieren in einem Trailer für eine Netflix-Dokumentation ihr Liebesglück. Bild: dpa

In einem Trailer bewirbt das Ehepaar Sussex eine Dokumentation über sich. Es klingen neue Vorwürfe gegen die Königliche Familie an – die soll langsam „erschöpft“ sein von den Klagen des Paares.

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          Je näher die Ausstrahlung der vermeintlich skandalträchtigen Netflix-Dokumentation von, mit und über „Harry und Meghan“ rückt, desto mehr versteifen sich die Oberlippen im Buckingham Palace. Der König und seine Frau seien „nicht besorgt, sondern ermüdet“, versicherte ein Palast­mit­ar­bei­ter der „Mail on Sunday“ und fügte an: Die Königliche Familie werde sich „von einem Lüftchen über den Atlantik nicht vom Kurs abbringen lassen“.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Ge­rüchten, dass hinter den Kulissen „Krisen­gespräche“ zwischen London und Kalifornien, der Wahlheimat der Sussexes, ge­führt würden, trat die Palast-Quelle entgegen. Eher gebe es „Frustration und Erschöpfung“ angesichts der nicht endenden Klagen des Paares über ihre Behandlung durch die Familie in England. Glaubt man den Berichten, verdrehen die Royals nur noch die Augen darüber, „dass es jetzt schon wieder losgeht“.

          „Niemand sieht, was hinter geschlossenen Türen ge­schieht“

          Auch wenn sich die Familie äußerlich ungerührt gibt, scheinen die Nerven angespannt. Wenig Amüsement soll die Ausstrahlung des Netflix-Trailers hervorge­rufen haben, mit dem sich schon mehr als sechs Millionen Menschen auf den Sendetermin an diesem Donnerstag eingestimmt haben. Als Affront – eine Zeitung sprach sogar von einer „Kriegserklärung“ – betrachtet der Palast vor allem den Zeitpunkt, denn die amerikanische Film-Plattform stellte die Vorschau just an dem Tag ins Netz, als Harrys Bruder William mit seiner Frau zu Besuch in Boston war, um seinen „Earthshot“-Preis für beispielhafte Klimaschutzprojekte zu verleihen.

          Manche fühlten sich an einen Moment vor gut drei Jahren erinnert, als Harry und ­Meghan schon einmal eine Auslandsreise des heutigen Kronprinzen in den Schatten ge­stellt hatten. Damals waren William und Kate in Pakistan unterwegs gewesen, als Meghan im britischen Fernsehen den ­Tränen nahe über ihren „Kampf“ in den Londoner Palästen berichtete.

          Der aktuelle Trailer beginnt mit der Frage an das Paar, warum es die Dokumentation in eigener Sache eigentlich machen wollte, und beantwortet sie zunächst mit einer Serie schnell wechselnder Fotos, welche die zarte Liebesbeziehung mit der brutal ratternden Medienmaschine kon­trastieren. „Niemand sieht, was hinter geschlossenen Türen ge­schieht“, sagt Harry, als man Meghan offenbar schluchzend in einem Sessel sieht. Ihr gehört auch das Schlusswort, für das sie in ihre erprobte Doppelrolle als Opfer und ­Racheengel schlüpft: „Wenn es um so viel geht, ist es dann nicht sinnvoller, unsere ­Geschichte von uns zu hören?“

          Netflix steigerte den Appetit noch mit der schriftlichen Ankündigung, dass es in der Dokumentation „um die Schwierigkeiten geht, die sie (die Sussexes) dazu zwangen, ihre Vollzeitrolle in der Institution auf­zugeben“. Das klingt nach neuen oder zumindest ausgeschmückten Vorwürfen gegen die Familie, der Harry und Meghan ja schon im vergangenen Jahr in einem Fernsehinterview Rassismus und seelische Grausamkeit vorgeworfen hatten.

          Etwas ungelegen dürfte dem Paar und vermutlich auch dem Sender gekommen sein, dass das Versprechen auf ungeschönte Wahrheit von Recherchen britischer Journalisten eingetrübt wurde. Das Foto, mit dem der Trailer die journalistische Meute zeigte, die dem so öffentlichkeitsscheuen Paar seit Jahren die Privatsphäre raubt, hatte gar nichts mit den Sussexes zu tun. Das Interesse der gezeigten Paparazzi gehörte den Stars einer Harry-Potter-Filmpremiere, die fünf Jahre vor dem ersten Treffen des Paares stattgefunden hatte.

          Mit hoher Wahrscheinlichkeit authentisch sind dagegen die Bilder, in denen sich die beiden in frühhistorisierendem Schwarz-Weiß als ikonographisches Paar inszenieren. Mal sieht man sie strahlend verliebt un­ter einem Regenschirm, dann eher verloren und von hinten im Buckingham Pa­lace. Mal posieren sie versonnen auf einer Wiese, den Gitarrenklängen Harrys nachspürend, mal in sinnlicher Erwartung auf einem Küchenblock. Die meisten, die in der Dokumentation als Zeugen auf­treten, hätten „noch nie öffentlich darüber ge­sprochen, was sie miterlebt haben“, versichert Netflix. Die sechsteilige Serie werde nicht nur die Geschichte eines Liebespaars erhellen, sondern auch über den „heutigen Zustand des Britischen Commonwealth“ Aufschluss geben und so „ein Bild unserer Welt malen, und wie wir miteinander um­gehen“.

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