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Milliardär Harold Hamm : Die teuerste Scheidung aller Zeiten

  • -Aktualisiert am

Harold Hamm mit seiner Frau 2012 in New York zur Kür der 100 einflussreichsten Leute der Welt. Waren sie noch zusammen oder nicht? Bild: dapd

Einmal hat er keine unternehmerische Weitsicht bewiesen: Ölmilliardär Harold Hamm heiratete, ohne einen Ehevertrag zu schließen. Bald ist er nicht nur seine Ehefrau los – sondern auch den Großteil seines Vermögens.

          Die Southfork Ranch, in der Fernsehserie „Dallas“ der luxuriöse Sitz des Öl-Clans Ewing, brächte es auf dem Anwesen des Öl-Barons Harold Hamm gerade mal zum Pförtnerhaus. Der 68 Jahre alte Milliardär bewohnt in Oklahoma Citys Vorort Nichols Hills gleich zwei großzügige Villen. Um die schlossartigen Anwesen liegen zudem Gartenhaus, Gäste-Flügel und andere Nebengebäude sowie Tennisplatz und Swimming Pool. Genug Platz also, um seiner Ehefrau Sue Ann Hamm jahrelang aus dem Weg zu gehen.

          Seit dem Scheidungsantrag vor zweieinhalb Jahren streitet der Öl-Bohrer mit der Juristin um den Zeitpunkt der Trennung. Während Harold Hamm angab, schon seit Herbst 2005 getrennte Wege zu gehen, nannte Sue Ann Hamm den Mai 2012 als „Date of separation“. „Obwohl sie vier Häuser besitzen, wohnten sie weiter zusammen“, trugen die Anwälte der Achtundfünfzigjährigen vor. „Sie verreisten zusammen, nahmen zusammen Einladungen wahr, zogen ihre Kinder zusammen auf, gaben ihre Steuererklärung zusammen ab und arbeiteten zusammen.“

          Da die Gesetze des Bundesstaates Oklahoma bei einer Scheidung unter Umständen auch die Wertsteigerung der Güter berücksichtigt, die mit in die Ehe gebracht wurden, zählt jedes Jahr. Besonders, weil es um mehr Geld geht als bei jedem anderen Scheidungsverfahren vor einem amerikanischen Gericht.

          Stinkreich oder super stinkreich?

          Harold Hamm, als dreizehntes Kind eines Teilpächters arm aufgewachsen, zählt mit einem Vermögen von fast 15 Milliarden Dollar zu den reichsten Personen des Landes. Die Mutter seiner Töchter Hilary und Jane, die der Chef der Öl-Firma Continental Resources Inc. vor 26 Jahren in Las Vegas heiratete, verlangt davon angeblich zwischen drei und sechs Milliarden Dollar. „Diese Scheidung ist außergewöhnlich, weil es einfach um so viel Geld geht. Die einzige Frage ist, ob Mrs. Hamm das Ganze stinkreich oder super stinkreich hinter sich lässt“, sagt der texanische Scheidungsanwalt Charlie Hodges. Der Verleger Rupert Murdoch, der seiner zweiten Ehefrau Anna Murdoch bei der Scheidung vor 15 Jahren die Rekordsumme von 1,7 Milliarden zahlte, könnte bald auf den zweiten Platz rücken.

          Obwohl der Scheidungsprozess angesichts der Prominenz der Eheleute hinter verschlossenen Türen des Oklahoma City Courthouse stattfindet, dringen immer wieder peinliche Details an die Öffentlichkeit. Hinter den „unüberbrückbaren Differenzen“, die Sue Ann Hamm als Trennungsgrund angibt, verbirgt sich eine Affäre ihres Ehemannes. Harold Hamm gestand bei einer Anhörung im August, in die „außereheliche Verfolgungsjagd“ etwa 150.000 Dollar investiert zu haben.

          Die Ironie? Auch die erste Ehe des Öl-Barons scheiterte im Jahr 1987 an dem Abenteuer mit einer anderen. Als Hamms erste Ehefrau Judith Ann damals die Scheidung einreichte, unterstellte sie ihm eine Liaison mit einer Anwältin des Continental-Konzerns. Ein Jahr später trat Hamm mit Sue Ann Arnall vor den Traualtar. Dass der umtriebige Unternehmer damals keinen Ehevertrag schloss, holt ihn jetzt ein.

          Ein unternehmerisches Genie, das keines sein will

          Um zu retten, was zu retten ist, versuchen die Anwälte des Milliardärs seit neun Wochen, den geschäftlichen Erfolg ihres Mandanten herunterzuspielen. Nach den Gesetzen des Sooner State nördlich von Texas muss er seine Gewinne nicht mit seiner Ehefrau teilen, wenn er sie den Marktbedingungen und nicht seinem Geschick verdankt. Der Achtundsechzigjährige gilt aber als unternehmerisches Genie, vom Magazin „Time“ vor zwei Jahren gar auf die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gesetzt. „Nach einfachsten Anfängen auf einer Farm in Oklahoma und einer Stelle als Tankwart gründete Harold Hamm eine wild spekulierende Öl-Firma, die er zu dem Milliarden-Unternehmen Continental Resources ausbaute“, schrieb der republikanische Senator James Inhofe damals in der Laudatio.

          Hamms lukrativster Deal wurde gegen Ende der neunziger Jahre die Entdeckung des Bakken-Felds in North Dakota. Der Fund des größten amerikanischen Öl-Vorkommens der vergangenen Jahrzehnte brachte dem „König des Bakken“ allein in den Jahren 2008 bis 2012 fast 650 Millionen Barrel. Insgesamt sollen unter der Felsformation, die sich von North Dakota bis nach Montana streckt, etwa 24 Milliarden Barrel liegen. „Harold ist einer der schlauesten Öl-Bohrer, den ich je getroffen habe. Er denkt und handelt schneller als der normale Mensch“, sagte Lew Ward, der Chef des Energieunternehmens Ward Petroleum, dem Sender CNBC.

          Scheidung zum Dritten

          Hinter den getrimmten Hecken der Hammschen Anwesen in Nichols Hills und Enid ging es derweil zu wie früher bei den Ewings auf der Southfork Ranch. Sue Ann Hamm ließ heimlich Überwachungskameras installieren, um ihren untreuen Mann in flagrante delicto zu erwischen. Bei gemeinsamen Auftritten wie einem Fundraiser für den damaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zeigte sich die Eheleute vor zwei Jahren wie ihre Fernsehvorgänger J.R. und Sue Ellen Ewing dennoch harmonisch Seite an Seite.

          Harold Hamms Scheidungsversuch aus dem Jahr 1998 schien ebenso vergessen wie sein Antrag vor Gericht, Sue Ann von einem Psychiater untersuchen zu lassen. Auch über das Scheidungsgesuch, das die Juristin im Jahr 2005 einreichte und später wieder zurückzog, sah das Paar mit Rücksicht auf das Image hinweg. Dieses Mal scheint es aber ernst zu werden.

          Der König verliert sein Ölkönigreich

          Wie die Nachrichtenagentur Reuters recherchierte, soll Harold Hamm in den vergangenen Wochen auf der Website seines Unternehmens selbst eigene Verdienste wie das Fracking am Bakken-Feld kaschiert haben, um einen möglichst großen Teil seines Vermögens zu retten. „Für den Erfolg der Firma sind die Marktkräfte und simples Glück verantwortlich“, ließ Hamms Anwalt Brian Webb die überraschten Leser der „Dallas Morning News“ wissen. „Seine Führung spielte keine Rolle.“

          Für den ehemaligen Ölfass-Reiniger geht es aber nicht nur um Geld. Obwohl Continental Resources die Aktionäre mit dem Statement zu beschwichtigen versuchte, die Scheidung habe nichts mit dem Unternehmen zu tun, macht sich Unruhe breit. Um seine Frau auszuzahlen, müsste Hamm vermutlich einen Teil seiner Continental-Papiere verkaufen. Dem „King of Bakken“, der bislang 68 Prozent der Aktien hält, droht die Macht über das selbstgeschaffene Königreich zu entgleiten.

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