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Jährliche Spende : Der Engel von Görlitz

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Ausgezeichnet mit dem Oscar für das beste Szenenbild: Der Untermarkt in der Görlitzer Altstadt diente - hier bei den Dreharbeiten vor zwei Jahren - als Kulisse für „Grand Budapest Hotel“. Bild: dpa

Ein anonymer Gönner schenkt Görlitz jedes Jahr eine halbe Million Euro. Das Geld kommt der Altstadt zugute – und sorgt damit nicht nur für eine schmucke Kulisse für Dreharbeiten, sondern auch für gute Stimmung.

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          Herr Pfarrer, Sie müssen es wissen, gibt es Engel? Da springt er auf, geht zu einem Regal, greift zu einem dünnen Prospekt und schlägt es auf. Hier, sagt Pfarrer Hans-Wilhelm Pietz und zeigt auf ein Foto der Dreifaltigkeitskirche, war das Dach undicht, fast hätte es reingeregnet. Und da, bei der Lutherkirche, war die Fassade marode.

          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

          Vier Gotteshäuser unterhält die evangelische Kirche in Görlitz, sie sind zwischen 100 und 700 Jahren alt. Von der Krypta bis zum Turm gibt es ständig etwas zu hämmern, schleifen, abzuschmirgeln. Das kostet mal 500 Euro, mal 5000. Auf jeden Fall mehr, als die 2500 Gemeindemitglieder sonntags in den Kollektenbeutel werfen. „Alleine wären wir mit den vielen Sanierungen hemmungslos überfordert.“ Aber da gibt es ja ihn. Oder sie. Einen Engel zumindest, da ist sich Pfarrer Pietz sicher.

          Es muss ein ziemlich fetter Engel sein. Denn er verteilt jedes Jahr eine halbe Million Euro in der Stadt, genau 511.500 Euro. Kein Engel, sondern vielmehr ein vermögender Unternehmer oder reicher Erbe müsse es sein, spekulieren die Görlitzer an der Bäckertheke oder am Stammtisch. Wer sonst hätte seit 20 Jahren so viel Geld übrig, das er einfach der Stadt spenden könnte?

          Denn so lange schon gibt es in Görlitz jedes Jahr das gleiche Spiel: Immer im ersten Quartal, ohne Ankündigung, gehen auf dem städtischen Konto eine halbe Million Euro ein, früher eine Million Mark. Es ist bisher immer ein anderes Datum gewesen. Dieses Mal war es der 18. Februar. Ob das Geld auch im nächsten Jahr kommen wird, verrät der Spender nicht.

          Seit 1995: regelmäßige Geldgeschenke

          Wie er überhaupt so gut wie nichts von sich verrät. Sein Name ist nicht bekannt. Auch nicht, ob er aus Görlitz stammt. Nur was er will, das weiß er genau. Sein Geld soll für die Erhaltung und Sanierung der Görlitzer Altstadt verwendet werden. Der Gönner will keine Schuldenlöcher stopfen, sondern Giebel restaurieren. Wandmalereien nachkolorieren. Und historische Gräber pflegen. In Görlitz gibt es viel zu tun. Zwar wurde die östlichste Stadt Deutschlands, die sich im Bogen an die Neiße schmiegt, im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört.

          Aber etwas für ihren Erhalt getan hat man in den Jahrzehnten danach auch nicht. Während des Sozialismus faulte die Stadt vor sich hin, bis die Stadtoberen Ende der achtziger Jahre beschlossen, große Teile der Altstadt in die Luft zu jagen. Die Löcher für die Sprengsätze waren schon gebohrt. Dann kam die Wende. Und mit ihr der Gedanke, der Stadt wieder ihren alten Glanz zu verleihen.

          Das kostet Geld, viel Geld. Seit der Wiedervereinigung ist deswegen die Stiftung Denkmalschutz in der gesamten ehemaligen DDR engagiert, vor allem auch in Görlitz. An vielen restaurierten Häusern in der Altstadt hängt eine Plakette, die daran erinnert. An einigen hängt inzwischen eine zweite kleine Tafel. Darauf steht: „Das Objekt wurde gefördert durch die Altstadtstiftung Görlitz.“

          Denn der Engel, Spender, wie auch immer, will zwar unerkannt bleiben. Was mit seinem Geld aber genau passiert, möchte er trotzdem erfahren. Er hat deswegen einen Anwalt eingesetzt, der alles für ihn regelt. Der Anwalt redet mit den Mitarbeitern der Stadt, er übergibt seinem Klienten jedes Jahr eine Mappe mit Bildern der sanierten Gebäude, und er sitzt in eben jener Altstadtstiftung. Die hatte die Stadt schon 1995 gegründet, als sie zum ersten Mal das Geldgeschenk bekam. Denn als solches bezeichnet es die Stadt, als ein großes Geschenk. An den Spekulationen, von wem es stammt, will sie sich deswegen nicht beteiligen. Womöglich hat sie auch ein bisschen Angst davor, den Gönner zu vertreiben. Engel sind scheu.

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