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Haiti : Waisenkinder ausgeflogen

  • -Aktualisiert am

Ein Transportflugzeug der Air Force brachte 53 Mädchen und Jungen in die Vereinigten Staaten Bild: dpa

Die ersten Waisenkinder aus Haiti sind in Amerika angekommen. Da die Unterlagen der bereits vor dem Erdbeben angelaufenen Adoptionsverfahren verschüttet wurden, wollte die amerikanische Botschaft in Haiti die Kinder erst nicht ausfliegen lassen. Nun sollen die Bedingungen vereinfacht werden.

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          Nach langen Beratungen im Weißen Haus im Washingtoner Außenministerium sind die ersten Waisenkinder aus Haiti ausgeflogen worden und in den Vereinigten Staaten angekommen. Ein Transportflugzeug der Air Force brachte die 53 Mädchen und Jungen am Dienstag aus dem Katastrophengebiet von Port-au-Prince nach Florida, von wo sie nach Pittsburgh (Pennsylvania) geflogen wurden. Die meisten Kinder reisen in den nächsten Wochen zu ihren Adoptiveltern in verschiedene amerikanische Bundesstaaten weiter, während einige von ihnen ein neues Zuhause in Kanada und Spanien finden.

          Die Adoptionsverfahren der Kinder aus der haitianischen Hauptstadt standen schon kurz vor dem Abschluss, als das Waisenhaus Bresma am Dienstag vergangener Woche bei dem Erdbeben der Stärke 7,0 fast vollständig zerstört wurde. Zwei Amerikanerinnen versuchten dann, die Ausreise der Kinder zu organisieren. Weil aber die Adoptionsunterlagen einiger Waisen verschüttet waren, wollte die amerikanische Botschaft in Haiti die Kinder anfänglich nicht ausfliegen lassen. „Wir haben fieberhaft das Weiße Haus, das State Department und alle möglichen Stellen angerufen, um die Genehmigung zu bekommen“, berichtete der Abgeordnete Jason Altmire aus Pennsylvania dem Fernsehsender CNN.

          Adoptionsverfahren vereinfachen

          Nach Kontrolluntersuchungen im Kinderkrankenhaus von Pittsburgh werden die Kinder für die kommenden Wochen bei Pflegeeltern untergebracht, bis die Adoptionsverfahren abgeschlossen sind. Zu Beginn der Woche hatte die amerikanische Regierung angekündigt, Adoptionsverfahren für Kinder aus dem haitianischen Krisengebiet zu vereinfachen, um die Waisen möglichst schnell versorgen zu können. Unter anderem werden die Anfragen von etwa 300 adoptionswilligen Familien in den Vereinigten Staaten besonders zügig bearbeitet. Nach Informationen der Vereinten Nationen lebten vor dem Beben bereits 380.000 elternlose Kinder in den Waisenhäusern des Inselstaates. Nach der Katastrophe, die nach Schätzungen etwa 200.000 Menschenleben gefordert hat, wird befürchtet, dass weitere haitianische Kinder ohne Eltern zurückgeblieben sind.

          Nach Informationen der Vereinten Nationen lebten vor dem Beben 380.000 Kinder in den Waisenhäusern

          Auch europäische Länder, unter ihnen Deutschland, Frankreich, Spanien und die Niederlande, bemühen sich um die schnelle Ausreise von Kindern, die schon vor dem Beben adoptiert und Paaren in diesen Ländern zugewiesen worden waren. Bei deutschen Hilfsorganisationen wie etwa Terre des Hommes und bei der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle (GZA) in Hamburg gab es vereinzelte Nachfragen von Paaren, die angesichts der Not in Haiti ein Kind adoptieren wollen. Die stellvertretende GZA-Leiterin Brigitte Siebert sagte der Nachrichtenagentur AFP, an der juristischen Prüfung führe aber kein Weg vorbei: „Die Hoffnung, schnell und unbürokratisch ein Kind aus Haiti aufnehmen zu können, wird sich nicht erfüllen.“ Für den Verein „Help a Child“ in Kaltenengers, der für gewöhnlich 60 haitianische Kinder im Jahr nach Deutschland vermittelt, sagte dessen Leiterin Bea Garnier-Merz, am sorgsamen Adoptionsverfahren und an der Vorbereitung der Eltern werde festgehalten: „Einfach zu sagen, wir machen ein Flugzeug voll, und dann kriegt ihr ein Kind, das geht nicht.“

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