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Ungleiches Duell : Beredte Häftlinge bezwingen Debattierklub aus Harvard

  • -Aktualisiert am

Harvard ist stolz darauf, hervorragende Redner auszubilden. Bild: AP

Die Debatten-Vereinigung der amerikanischen Elite-Universität Harvard gilt als Ausbildungsstätte gefürchteter Rhetoriker. Drei eloquente Gefängnisinsassen ließen sich davon aber nicht einschüchtern.

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          Die Harvard College Debating Union bringt Redner hervor, die ihresgleichen suchen. Die Studenten, die die Ausbildungsstätte für rhetorische Talente der renommierten Harvard-Universität besuchen, haben schon viele anspruchsvolle Rededuelle mit anderen Eliteuniversitäten für sich entschieden. Doch bei dieser Debattenrunde mussten sie sich geschlagen geben. Allerdings nicht etwa Debattierern aus Yale oder Princeton. Wie der Guardian berichtet, bestand das siegreiche Team aus Insassen des Eastern Correctional Facility – einem Hochsicherheitsgefängnis im amerikanischen Bundesstaat New York.

          Es ist nicht der erste Sieg der drei rhetorisch versierten Häftlinge. Seit sie vor zwei Jahren ihren Debattierklub in der Haftanstalt gründeten, haben die passionierten Redner schon die Argumente der hochkarätigen Debattierteams von der West Point Militär Akademie und der Universität von Vermont erfolgreich entkräftet. Dieses Jahr nun sollten sie den amtierenden Weltmeister der Elite-Universität Harvard herausfordern. Für das besondere Duell erhielten die drei Häftlinge ein Rhetorik-Training von der Bard Prison Initiative, einer Weiterbildungseinrichtung des privaten Bard-College. Sie hilft Häftlingen, ihre Schulausbildung abzuschließen oder Universitätsabschlüsse zu erwerben.

          Trotz der guten Vorbereitung war die Ausgangslage der redegewandten Gefängnisinsassen bei dem Duell, das hinter Gefängnismauern ausgetragen wurde, alles andere als optimal. Denn sie hatten eine schwierige Position zu vertreten, die sie selbst eigentlich ablehnen: Sie mussten die Jury davon überzeugen, dass öffentliche Schulen die Kinder illegaler Einwanderer ablehnen dürfen. Das gelang ihnen so eindrucksvoll, dass sie die Jury zu den Siegern kürte. Oder gab es vielleicht einen Bonus für den Underdog? Keinesfalls, sagte anschließend der Direktor der Bard Prison Initiative, Max Kenner. Gegenüber dem „Wall Street Journal“ betonte er, dass die debattierenden Häftlinge an den gleichen hohen Maßstäben gemessen würden wie die übrigen Studenten.

          Einer der siegreichen Debattanten, Carlos Polanco, ein 31 Jahre alter, verurteilter Totschläger, dankte im Anschluss an die Debatte dem Bard College für die Ausbildung: „Sie sorgen dafür, dass wir an uns glauben.“ Das unterlegene Team zeigte sich derweil tief beeindruckt.  Es gebe wenige Gegner, gegen die man „mit größerem Stolz verloren“ hätte als gegen dieses „phänomenal intelligente und redegewandte Team“, schrieben sie auf ihrer Facebook-Seite. Besonders beeindruckt hat die Harvard-Studenten demnach die gute Vorbereitung der Kontrahenten. Und die erfolgt bei den debattierenden Häftlingen grundsätzlich ohne die Möglichkeiten, über die andere Studenten verfügen, wie etwa Internetzugang. Stattdessen müssten sich die Häftlinge auf das Material verlassen, das ihnen das Bard College anbiete, wie Max Kenner sagt: „Sie machen das Beste aus den Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen.“

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