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Hadsch : Tödliche Panik bei Steinigungsritual

  • Aktualisiert am

Mena: Steine gegen den „Teufel” Bild: REUTERS

Hunderte Pilger sind während einer rituellen Steinigung in Mena zu Tode getrampelt worden. In drangvoller Enge war es zu einer Panik gekommen. Es war das tragische Ende der Hadsch, der Wallfahrt nach Mekka.

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          Bei der islamischen Wallfahrt nach Mekka, der Hadsch, sind am Donnerstag etwa 350 Pilger zu Tode getrampelt worden. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Riad sprach von 345 Toten. Knapp 300 weitere Menschen wurden verletzt, als im Gedränge auf der Dschamarat-Brücke in Mena Panik unter den Pilgern ausbrach. Ärzte in der nahegelegenen Pilgerstadt Mekka sagten, die meisten der Opfer seien erstickt. „Es entstand plötzlich ein riesiger Druck von allen Seiten, unter mir waren Menschen, überall Menschen“, sagte ein Araber, der das Unglück mit leichten Verletzungen überlebte, dem Fernsehsender Al-Arabija.

          Die saudiarabischen Behörden erklärten zur Ursache des Unglücks, mehrere Pilger seien in Mena auf ihrem Weg zu der symbolischen „Steinigung des Teufels“ über Gepäckstücke gestürzt. „Die Pilger fielen übereinander und erdrückten sich gegenseitig“, erklärte das Innenministerium. „Die Panik kam, weil viele ihre persönliche Habe ablegten und weil zahlreiche Pilger darauf bestanden, das Ritual am Nachmittag auszuführen.“ Auf die Brücke dürfen eigentlich keine Gepäckstücke mitgenommen werden, doch wie arabische Report in der saudiarabischen Pilgerstadt zu Bedenken gaben, konnten viele Pilger aus Südostasien oder Afrika die Anweisungen der Sicherheitsleute in arabischer Sprache nicht verstehen. 60.000 Mann waren in diesem Jahr abgestellt, um während der Hadsch die Sicherheit zu gewährleisten.

          Wellen von Pilgern begegneten sich

          „Die Menschen, die ums Leben kamen, wollten für das Ritual auf die Brücke. Aber eine Welle von Menschen kam gleichzeitig und wollte von der Brücke hinunter“, berichtete ein Augenzeuge. Dutzenden Leichen seien am Boden abgelegt und mit Tüchern bedeckt worden. Einige seien von Ärzten auf Lastwagen gehoben worden. Während Rettungskräfte am Unglücksort eintrafen, strömten immer noch Pilger auf die Brücke, um das Steinigungsritual zu begehen.

          Bild: dpa

          Unter den Toten sind nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija unter anderem Ägypter, Jemeniten, Pakistaner und Inder. Insgesamt waren in diesem Jahr mehr als 2,5 Millionen Menschen aus 188 Nationen zur Wallfahrt nach Mekka gekommen.

          Fester Bestandteil der Hadsch

          Jeder Pilger muß nach den Regeln der Hadsch an drei Tagen hintereinander in der Zeit zwischen dem Mittagsgebet und dem Sonnenuntergang jeweils einmal pro Tag kleine Steine auf eine von drei Säulen werfen, die den Teufel symbolisieren. Bei diesem Ritual hat es schon mehrfach Todesopfer gegeben, weil Pilger im Gedränge Panik bekamen. Der Donnerstag war der dritte Tag, an dem dieses Ritual durchgeführt wurde.

          Eine Woche zuvor waren beim Einsturz eines Hauses in Mekka 76 Pilger ums Leben gekommen. Wer bei der Hadsch stirbt, kommt nach islamischer Vorstellung direkt ins Paradies. Die Wallfahrt nach Mekka ist einer der sogenannten fünf Grundpfeiler des Islam, zu denen außerdem das Gebet, Almosen, das Glaubensbekenntnis und das Fasten im Monat Ramadan gehören. Während die Pilger in Mekka die Rituale der Hadsch absolvieren, feiern mehr als eine Milliarde Muslime in aller Welt das Opferfest (Eid al-Adha), bei dem im Andenken an Abraham Schafe oder andere Tiere geschlachtet werden.

          Die Dschamarat-Brücke soll nun durch eine neue Brücke ersetzt werden. Für 4,2 Milliarden Riyal (rund 930 Millionen Dollar) sollen ein vierstöckiges Eingangssystem und ein Untergrundausgang angebracht werden.

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