https://www.faz.net/-gum-8ohjl

Royals und die „Yellow Press“ : Wir gegen die

Weihnachten ist nicht mehr weit, überall herrscht Heiterkeit: Wachsfiguren der Royals in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett Bild: AP

In Großbritannien buhlen Zeitungen und soziale Medien um Nachrichten von den Royals. Und die Royals befeuern den Streit auf ihre eigene Weise.

          Auf die Frage, was er tun würde, wenn er alle Macht der Welt besäße, antwortete Prinz William im Jahr 2012 einmal: sich unsichtbar machen. Doch die Realität sieht anders aus. Er wird ständig angeschaut, abgelichtet, ausgefragt.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Der britische Thronfolger und sein Bruder Harry haben ein schwieriges Verhältnis zur Presse, seit ihre Mutter Diana vor fast 20 Jahren auf der Flucht vor Fotografen bei einem Autounfall in Paris starb. Harry kombinierte die Bekanntmachung seiner Beziehung zu der Schauspielerin Meghan Markle kürzlich mit einer Medienschelte: Seine Freundin und ihre Familie seien von Journalisten belästigt worden, einige Berichte über die Tochter eines weißen Vaters und einer schwarzen Mutter hätten einen rassistischen Unterton gehabt.

          Haben die Royals genug vom Boulevard?

          Jetzt wird in Großbritannien darüber diskutiert, ob die Prinzen endgültig genug haben von der Boulevardpresse: „William und Harry schließen Zeitungen zugunsten von Social Media aus“, war vor kurzem in der „Financial Times“ zu lesen. Das junge und in Teilen neue Presse-Team des Kensington-Palastes setze verstärkt auf soziale Medien. So würden Fotos von George und Charlotte, den Kindern von William und Kate, meist über soziale Medien herausgegeben.

          Auch die Zeitungen selbst scheinen davon überzeugt zu sein, dass die königliche Familie nichts mehr von ihnen wissen will. Arthur Edwards, Fotograf der Boulevardzeitung „Sun“, wirft den jungen Royals vor, eine „Wir gegen die“-Mentalität entwickelt zu haben, die Berichterstattung kontrollieren zu wollen und die Zeitungen zu ignorieren. „Aber die Zeitungen werden nicht verschwinden“, zitiert ihn die „Financial Times“. „Wir werden immer noch da sein, wenn Twitter längst Geschichte ist.“

          Gilt als „Republikanerschreck“: Prinz George mit seiner Mutter Kate

          Das klingt fast wie eine Kampfansage. Und da passt es nur ins Bild, dass kurz darauf Prinz Andrew eine Stellungnahme auf Twitter und nicht über sein Pressebüro veröffentlichte – ein ungewöhnlicher Vorgang. Er dementierte Gerüchte über einen Streit mit seinem Bruder Charles. „Um es klarzustellen: Es ist eine komplette Unterstellung, dass ich für die künftigen Ehemänner meiner Töchter Titel erbeten habe“, schrieb der Zweitgeborene der Queen und des Herzogs von York. Die britische Klatschpresse hatte ebendies berichtet. In der „Daily Mail“ wurde eine nicht namentlich genannte Quelle mit den Worten zitiert, Andrew sorge sich, dass seine Enkel sonst normale Bürgerliche würden.

          Beliebt im Netz

          Prinz Andrew ist auf Twitter nicht allein: Die Royals haben mehrere Twitter-Accounts mit Millionen Followern und sind in den sozialen Medien sehr beliebt. Der größte, mit Namen „Royal Family“, existiert schon seit 2009 und hat 2,7 Millionen Follower. Auf Facebook „gefällt“ die britische Monarchie sogar 3,6 Millionen Menschen.

          Das gemeinsame Twitter-Profil von Charles und Camilla mit Namen „Clarence House“ hat vergleichbar magere 587 000 Follower. Dem Twitter-Account der jüngeren Royals mit Namen „Kensington Palace“ folgen immerhin 800 000 Leute. Er existiert erst seit zwei Jahren – ein Versuch von Harry, William und Kate, jenseits der traditionellen Medien mit dem Volk in Kontakt zu treten?

          Die „Yellow Press“ gilt als besonders unbarmherzig

          Deren Berichterstattung über die Monarchie ist nicht immer schmeichelhaft: Die „Sun“ schrieb im Februar dieses Jahres, William sei arbeitsscheu und entziehe sich seiner Verantwortung als Thronfolger und Rettungspilot. Im Mai behauptete die Zeitung gar, die Queen befürworte den Brexit – eine Überschrift, die nicht durch den Inhalt des Artikels gedeckt war, was der „Sun“ eine Rüge des Presserats einbrachte.

          Tatsächlich gilt die englische „Yellow Press“ auf der ganzen Welt als besonders unbarmherzig. Spätestens seit 2011 gilt sie auch in Teilen als unlauter: Damals wurde die Skandalzeitung „News of the World“ eingestellt. Sie hatte Mitglieder der Königsfamilie abgehört. Zwei Jahre später kam es zum Prozess gegen die Journalisten.

          Zuletzt schien die Regenbogenpresse deshalb um ihren Ruf besorgt: Die 2012 von einem französischen Paparazzo geschossenen Oben-ohne-Bilder von Herzogin Kate veröffentlichten italienische, irische und französische Blätter, aber kein englisches. War diese Zahmheit vergebens? Kommunizieren die Royals jetzt nur noch direkt mit ihren Untertanen?

          Der Kern der Royals setzt auf professionelle Außendarstellung

          Das ist eher unwahrscheinlich. Denn Andrews Tweet heizte die Spekulationen der Zeitungen nur noch mehr an. Beobachter schüttelten den Kopf über sein Verhalten, das als unprofessionell und schädlich bewertet wurde. Das wirft die Frage auf: Würde sich auch der Kern der königlichen Familie so ungeschickt verhalten und sich ohne Rücksprache mit ihren Beratern direkt an die Öffentlichkeit wenden?

          Tatsächlich kann von „direkt“ in den meisten Fällen nicht die Rede sein. Prinz Andrew und seine von ihm geschiedene Frau Sarah Ferguson stellen mit ihren persönlichen Twitter-Accounts eine Ausnahme in der königlichen Familie dar: Weder Kate noch William oder Harry haben dort eigene Konten. „Royal Family“ und „Kensington Palace“ sind offizielle Konten, die professionell betreut werden – und den Zeitungen zusätzlich zu Interviews mit vermeintlichen Vertrauten verlässlich Stoff bieten.

          Jason Knauf, Mitglied im royalen Presse-Team und Verfasser des Brandbriefs an die Medien in Harrys Namen, bestreitet denn auch den Vorwurf, dass die Royals traditionelle Medien ausschließen. Seine Erklärung dafür, warum Bilder der Royals oft über Twitter und Facebook veröffentlicht würden, wird die britischen Zeitungen allerdings kaum versöhnen: Man wolle so bloß möglichst viele Menschen erreichen. Denn: „Viele Leute kaufen einfach keine Zeitungen.“

          Weitere Themen

          Kabinett plant angeblich Putsch gegen May

          Gerüchte in London : Kabinett plant angeblich Putsch gegen May

          Theresa May verliert wegen ihres Brexit-Kurses offenbar in den eigenen Reihen an Rückhalt. Mehrere Zeitungen berichten, ihre eigenen Minister wollten die Regierungschefin aus dem Amt drängen. Mögliche Nachfolger ständen schon bereit.

          Kreuzfahrtschiff  in Seenot Video-Seite öffnen

          Vor Norwegen : Kreuzfahrtschiff in Seenot

          Albtraum für hunderte Touristen vor der Küste Norwegens: Das Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ mit 1300 Menschen an Bord ist bei schwerem Wellengang in Seenot geraten und soll nun in den nächsten Hafen geschleppt werden.

          Topmeldungen

          Putschgerüchte : Minister stellen sich hinter May

          Nach Gerüchten über einen möglichen Putsch gegen Theresa May meldet sich ein Mann zu Wort, der in den angeblichen Plänen eine wichtige Rolle spielen sollte – und lobt die Premierministerin.

          FAZ Plus Artikel: Orbán und die EVP : Auf dünnem Eis

          Bei der Europäischen Volkspartei stand diese Woche mehr auf dem Spiel als nur die Zukunft Viktor Orbáns. Das führte zu einer Sitzung, wie es sie in Brüssel noch nicht gegeben hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.