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Gulfport, Mississippi : „Dort gibt es nichts mehr außer Trümmern“

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„Gulfport? Was wollen sie da?” Bild: dpa/dpaweb

Auf der Route 49 wälzt sich die Karawane nach Süden: Wo fahren die Leute hin mit ihren Pick-ups und den vollgestopften Anhängern? F.A.Z.-Korrespondent Matthias Rüb berichtet von seiner Fahrt an die von „Katrina“ zerstörte Golfküste.

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          Warum sind um Himmels willen so viele Autos unterwegs, wo es doch gar kein Benzin gibt - und auch so gut wie keinen Strom, mit dem man den Treibstoff aus den unterirdischen Tanks, wären die nicht längst leer, an die Zapfsäulen pumpen könnte? Wo fahren die Leute hin mit ihren Pick-ups und den vollgestopften Anhängern - es wäre doch niemand so verrückt, jetzt einfach so herumzufahren mit den letzten kostbaren Litern des Tankinhalts? In Jackson, 395.000 Einwohner, Hauptstadt des Bundesstaates Mississippi, gibt es kein Benzin oder fast keines, aber Verkehr ist trotzdem. Die meisten Tankstellen sind geschlossen und mit Bändern abgesperrt, zusätzlich hat man Plastiktüten über die Zapfhähne gestülpt und mit Gummis befestigt. Wer einen Dieselmotor hat, ist besser dran, der Treibstoff für die Selbstzündermotoren ist fast überall noch zu bekommen. Benzin aber gibt es in ausreichender Menge erst zwei bis drei Fahrtstunden weiter im Norden. Nach Süden hin, in Richtung Golfküste, ist die Lage für Benzinmotoren ziemlich aussichtslos. Auch Diesel gibt es dort kaum mehr.

          An der großen Kreuzung der Überlandstraßen I-20, die in west-östlicher Richtung verläuft, und der Nord-Süd-Achse US-49 unweit des Flughafens im Südosten vor den Toren der Stadt gibt es jedenfalls kein Benzin. Bei „Chevron“ nicht und auch nicht bei „Conoco“ gegenüber. Aber geöffnet ist trotzdem, denn die Tankstellenpächter haben das Glück, seit Mittwoch früh wieder Strom zu haben. Damit gehören sie in Mississippi zu einer kleinen Minderheit, denn 90 Prozent der Haushalte sind seit dem „landfall“ des Hurrikans „Katrina“ am Montag weiter ohne Stromversorgung. Auch beim „Quality Inn“ und im „Ramada“ - die beiden Motels müssen in den vergangenen Jahren gleich neben die sichtlich älteren Tankstellen gebaut worden sein - brennen die Leuchtreklamen. Zimmer gibt es freilich keine, man hat Zettel mit der Aufschrift „Sorry, no vacancy“ an die Eingangstüren geklebt, weil man offenbar der immergleichen Fragen nach Platz für eine Nacht oder gleich mehrere Nächte überdrüssig war. Die Telefone funktionieren weder bei den Tankstellen noch in den Hotels, und auch die Hörer der öffentlichen Fernsprechapparate sind stumm.

          Mississippi: „Vater des Wassers“

          Mississippi, Einwohnerzahl etwa 2,9 Millionen, ist im Vergleich der 50 Bundesstaaten kein reicher Staat. 36 Prozent der Einwohner Mississippis sind Schwarze; unter den Armen sind sie überrepräsentiert. Auf der anderen Seite hat Mississippi heute so viele gewählte schwarze Amtsträger wie kein anderer Staat - von den Gemeinden über die Landkreise bis zur Staatsverwaltung in Jackson. Seinen Namen verdankt der Bundesstaat natürlich dem mächtigen Fluß Mississippi, der seinen Namen wiederum der treffenden indianischen Bezeichnung „großes Wasser“ oder auch „Vater des Wassers“ verdankt.

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