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Gulfport, Mississippi : „Dort gibt es nichts mehr außer Trümmern“

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Löschwasser gibt es keines mehr
Löschwasser gibt es keines mehr : Bild: dpa/dpaweb

Wer dieser Tage knappe Güter wie Hotelbetten oder Benzin oder auch verpackte Eiswürfel anzubieten hat, kann gutes Geld verdienen im armen Mississippi. Mancher übertreibt es aber offenbar mit dem Geschäftssinn, denn im Radio ist vom Fall eines „Unternehmers“ zu hören, der seine Dienste zum Beseitigen und Zerlegen umgestürzter und entwurzelter Bäume anbot - zu 14.000 Dollar pro Stück. Da es in Mississippi nach dem Durchzug von „Katrina“ Zehntausende umgestürzter und entwurzelter Bäume gibt, hat sich der Mann mit seiner Kettensäge ein saftiges Geschäft ausgerechnet. Jetzt fahndet die Polizei nach dem Unbekannten, denn der prospektive Kunde ging auf das Angebot nicht ein, sondern meldete den Fall den Justizbehörden. Auch beim Benzinverkauf, berichtet ein Sprecher des Generalstaatsanwaltes, habe es einige Fälle von Wucher gegeben, 3,30 Dollar sei für die Gallone verlangt worden. Das sind freilich kaum zehn Prozent mehr, als man in den teuersten lokalen Märkten an der Ost- und der Westküste zahlen muß, ganz ohne Hurrikan.

„Nichts mehr außer Trümmern“

Von Jackson, wo der Flughafen am Mittwoch wieder geöffnet wurde, bis zum Golf von Mexiko sind es gut 260 Kilometer. Die Küste des Bundesstaates Mississippi, von der Grenze zu Louisiana im Westen bis nach Pascagoula im Osten, wurde am Montag vom Hurrikan „Katrina“ bei dessen Aufprall auf das Festland mit voller Wucht getroffen. Gemeinden wie Waveland und St. Louis sind buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht, 90 Prozent der Häuser sind beschädigt oder zerstört. Auch die Städte Gulfport und Biloxi, das „Klein-Vegas“ an der Golfküste, wurden hart getroffen. Aber warum gibt es in Jackson, drei Fahrstunden von der Küste entfernt, kein Benzin und keinen Strom? Hier oben mag es tüchtig geregnet und gestürmt haben, aber von einer „Schneise der Verwüstung“ ist nichts zu sehen.

Die Bundesstraße 49, von Jackson nach Hattiesburg und Gulfport an der Küste, ist seit Mittwoch mittag wieder offen, heißt es, jedoch nur für Einsatzfahrzeuge der Rettungskräfte. Eindringlich werden im Radio und im Fernsehen jene, die sich am Wochenende vor dem anziehenden „Monster-Hurrikan“ in Sicherheit gebracht hatten, davor gewarnt, in die Städte und Gemeinden an der Küste zurückzukehren: Dort gebe es nichts mehr außer Trümmern. Südlich von Hattiesburg sei überhaupt nur eine Straße befahrbar, eben die US-49 nach Gulfport.

Die Karawane wälzt sich nach Süden

Inzwischen hat sich die Dämmerung über das flache Land gesenkt, und bald ist es, kaum daß die Lichter der Kreuzung I-20/US-49 im Rückspiegel verloschen sind, stockfinstere Nacht. Die Scheinwerfer und Rücklichter der Autos und Lastwagen sind die einzigen Lichtquellen. Hier und da flackert allenfalls vor einem Haus an der Straße ein Feuer, jemand bereitet sich offenbar das Abendessen zu. Bald türmen sich die Schatten umgestürzter Bäume am Straßenrand, eilig von den Einsatzkräften zerlegt und zur Seite geschafft, um wenigstens eine Zufahrt nach Süden zu öffnen. Zwei Tankstellen gibt es kurz vor Hattiesburg, die noch Benzin verkaufen. Kilometerlange Autoschlangen haben sich gebildet, die Blaulichter der Polizeifahrzeuge, die gleich dutzendweise den ordnungsgemäßen Verkauf des kostbaren Guts überwachen, flackern weithin sichtbar in der Nacht.

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