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Armbanduhren-Trend : Es ist Grün!

Mal was anderes: Armbanduhren mit grünen Akzenten. Bild: Hersteller

Uhren mit blauen Elementen waren lange Zeit eine Alternative zu Braun und Schwarz. Jetzt gibt es immer mehr Modelle in Grün. Sind die das nächste große Ding?

          Diese Idee überraschte selbst Bernhard Stoll. Seit dreißig Jahren ist er mit dem Thema Uhren bei Wempe befasst. Jetzt ging es darum, Herbert Grönemeyer, privat ein großer Uhrenfan, zu beraten. Nicht als Kunden; Grönemeyer war dabei, selbst zwei Uhren in limitierter Auflage für Wempe zu entwerfen. Beide sollten eckig sein und eine davon ein grünes Zifferblatt haben. „Grün und eckig“, betont auch Stoll, denn beides gilt bei Uhren als eher ungewöhnlich. Vor zwei Jahren, als die Planung dieses Projektes begann, sowieso. „Ich wäre nicht auf die Idee gekommen. Aber als wir zusammensaßen, hatte er ganz klare Vorstellungen, wohin die Reise gehen soll.“ Zwei Uhren aus Stahl schwebten ihm vor, Grönemeyer selbst ist Sammler von Stahluhren. Stahl erinnert ihn an den Ruhrpott, sein großes Thema, auch als Musiker. Eine davon sollte mit blauem Zifferblatt versehen sein, eine mit grünem, und warum er gerade mit dieser auf gar keinen Fall gefälligen letzteren Variante richtigliegen sollte, dazu später mehr.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Grönemeyer ist mit seinem Einfall jedenfalls nicht alleine. Besonders die Luxusmarken legen dieser Tage grüne Uhren auf, als wären es blaue. Eine Uhr mit blauem Zifferblatt, blauem Band oder Gehäuse, das war jahrelang die Alternative zu Schwarz oder Braun, für jene Träger, die sich ein bisschen was Farbliches am Handgelenk wünschten.

          Werden sich jetzt auch grüne Uhren durchsetzen wie einst blaue? Es wäre mühselig, angesichts von, sagen wir, der Oris Big Crown mit grünem Zifferblatt in der limitierten Edition, der Hublot Classic Fusion Green, der Meistersinger-Modelle mit Zifferblatt in Rensing Green oder auch der Nomos Tetra im Farbton Matcha auf Greenery, die Pantone-Farbe vom vergangenen Jahr, zu verweisen. Oder darauf, dass eine grüne Lebenshaltung, also ein Umweltbewusstsein, in Zeiten von Plastikmüll-Debatte und am Ende dieses viel zu heißen Sommers nicht ganz so abwegig ist. Oder darauf, dass auch Menschen mit Designersofas und einem Stapel Style-Zeitschriften in der Ecke, jene, die auch zur Klientel für hochwertige Uhren gehören, sich nun wieder Grünpflanzen ins Wohnzimmer stellen.

          Das Dasein als Uhrenhersteller wird zur Herausforderung

          Denn wenn es um die Inszenierung des eigenen Looks geht, ist Grün zunächst einmal eine schwierige Farbe, und in dieser Hinsicht liefert Herbert Grönemeyer als Uhrenliebhaber und jetzt Uhrendesigner auch gleich das stichhaltigste Argument: Grüne Uhren sind eine challenge, die Uhrenfans annehmen wie Sportbegeisterte die Vorbereitung auf einen Marathon. Rolex hat das früh erkannt, mit der Submariner mit grüner Lünette zum fünfzigsten Jubiläum dieses Modells im Jahr 2004. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Marken nachgezogen.

          Auch das Dasein als Uhrenhersteller wird auf lange Sicht, da die Menschen ihr Smartphone zunehmend seltener aus der Hand legen und somit die Zeit ständig im Blick haben, ja eine Herausforderung bleiben. Wenn Zeitmesser also immer mehr Liebhaberei sind, eine bewusste Entscheidung für Kunden, die sich von Gefälligkeiten distanzieren, dann könnte eine auch eher schwierige Farbe wie Grün mit dieser Klientel eine recht große Schnittmenge haben. „Kunden, die ein bisschen extrovertierter sein wollen, gefällt das“, sagt Bernhard Stoll von Wempe. Die Initiative gehe bei diesem Thema deshalb immer von den Kunden aus; Stoll würde von sich aus keine grüne Uhr vorschlagen. Auch er hat beobachtet, dass die Uhr immer mehr gefeiert wird, unter jenen, die sie tragen. Als er vor dreißig Jahren bei Wempe anfing, sei an den entscheidenden Orten, in der Business-Class im Flugzeug, in teuren Restaurants, noch sehr viel Potential vorhanden gewesen: „Wenn man heute durch die Gegend reist, sieht man, dass eine Uhr dazugehört.“

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