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Grubenunglück Rußland : Schaffen es die letzten dreizehn Kumpel auch noch?

Hoffen auf ein Wunder Bild: AP

Stunden um Stunden warten die Frauen der verschütteten Bergleute im südrussischen Nowoschachtinsk hinter den Polizeiabsperrungen auf ein Wunder. 33 Bergleute wurden gerettet, 13 sind noch unter Tage.

          Stunden um Stunden warten sie hinter den Polizeiabsperrungen auf ein Wunder - die Frauen der verschütteten Bergleute im südrussischen Nowoschachtinsk. "Ich muß hoffen, wir sind doch 22 Jahre zusammen und haben zwei Kinder", sagt eine von den vielen, die seit dem Morgengrauen am Unfallschacht auf Nachricht über das Schicksal ihrer Männer warten. Am Samstag morgen um acht wird das Wunder verkündet. Die Bergleute sind lebend gefunden worden. Die schlimmste Befürchtung, daß der Schacht "Sapadnaja" eine Art "Atom-U-Boot Kursk unter Tage" geworden sei und alle vermißten Kumpel nach dem Einbruch eines unterirdischen Sees ertrunken seien, hat sich nicht bewahrheitet. Doch in die Freude mischt sich Schmerz, denn es sind nicht alle Bergleute gefunden. Eine Gruppe von 33 Kumpeln hatte sich zum Rettungsschacht durchgekämpft, das Werkstelefon repariert und sich gemeldet. Doch dreizehn ihrer Kollegen werden weiter vermißt.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Etwa 40 Stunden nach dem Unfall kommen die ersten drei Geretteten am Samstag mittag aus dem Schacht - die Gesichter tiefschwarz, von den Strapazen gezeichnet. Einer wird gestützt, doch ein anderer wirft jubelnd seinen Helm in die Luft. Nach und nach kommen sie in Gruppen von drei und vier Mann nach oben. "Vater!" ruft ein Junge und winkt. Doch die Polizei läßt die Angehörigen nicht zu den Bergleuten. Sie werden direkt in Rettungswagen gebracht und in ein Krankenhaus gefahren. Einige nehmen zuvor einen Schluck aus der Wodkaflasche. Die Geretteten litten unter Schock, Unterkühlung und dem erlittenen Sauerstoffmangel, sagt ein behandelnder Arzt, doch keiner schwebe in Lebensgefahr.

          Das Wasser steigt weiter

          Die Suche nach den dreizehn Vermißten wird in der Nacht zum Samstag und am Sonntag unter Hochdruck fortgesetzt, denn die Zeit für eine Rettung läuft ab. Der Wasserspiegel im Schacht steigt weiter stark, allein in der Nacht zum Sonntag um sieben Meter. Man versucht aber nicht mehr, den Hauptschacht mit Geröll und Erde zuzuschütten, um den Wassereinbruch zu stoppen. Das sei sinnlos, hieß es. In der Nacht waren 340 Lastwagenladungen in den Schacht gekippt worden. Zudem könnte der Sauerstoff knapp werden. Mit einem Kompressor wird Luft in den Schacht gepumpt, um dort den Sauerstoffanteil zu erhöhen. Mehrere Suchtrupps zu jeweils fünf Mann sind in siebenhundert Meter Tiefe unterwegs, um die Vermißten zu finden. Am Samstag hatten die Retter ihre Arbeit vorübergehend wegen Gasentwicklung einstellen müssen. Gleichzeitig mit der Suche wird von dem benachbarten Schacht "Komsomolskaja Prawda" ein Rettungstunnel zu der Stelle gebohrt, wo man die dreizehn Bergleute vermutet. Am Sonntag morgen hatte man noch etwa die Hälfte der 53 Meter langen Strecke vor sich. Der Schacht ist jetzt die einzige Chance der Eingeschlossenen.

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