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Großwildjäger Walter Palmer : Debatte um Großwildjagd ist unerwünscht

  • -Aktualisiert am

Bild: AP

Nach dem Tod des Löwen Cecil fordert Zimbabwe von Amerika die Auslieferung des Jägers. Das Land will „den ausländischen Wilderer“ vor Gericht stellen.

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          Der Shitstorm um Cecil nimmt kein Ende. Inzwischen fordert das zimbabwische Umweltministerium, das sich sonst nicht sonderlich um die Umwelt kümmert, die Auslieferung des amerikanischen Jägers, der dem Löwen mit einer Armbrust den Garaus machte. Man wolle den „ausländischen Wilderer“ vor Gericht stellen. Seine beiden Jagdhelfer, die Cecil mit einem Rinderkadaver an der Stoßstange ihres Jeeps aus dem Naturschutzgebiet Hangwe herausgelockt hatten, wurden gegen lächerliche Kaution vorläufig auf freien Fuß gesetzt. In Amerika wiederum distanzierte sich der Jagdverband „Safari Club International“ von dem Jäger aus Minnesota und forderte eine „unabhängige Untersuchung“ zum Ableben der 13 Jahre alten Großkatze. Der Verband ist bekannt für seine Unterstützung von Politikern, die sich gegen eine Einschränkung des Waffenrechts wenden.

          Man könnte meinen, da würde viel Wind gemacht um eine in die Jahre gekommene Katze – zumal in Südsudan jeden Tag Menschen sterben, ohne dass ein Hashtag ihrer gedenkt. Doch der Tod Cecils trifft eine Branche, die umstritten ist wie kaum eine andere und die jedes Jahr Millionen Dollar umsetzt. Wer den Zahnarzt aus Minnesota als Irren abzustempeln versucht, unterbindet eine generelle Diskussion über den Sinn der Trophäenjagd. Bislang behielt die Jägerlobby dabei immer das letzte Wort, weil sie mit dem Artenschutz argumentiert. Ohne die Abschussprämien sei der Wildtierschutz im südlichen Afrika, wo die größten Jagdgebiete liegen, gar nicht zu finanzieren.

          Es geht dabei um viel Geld. Allein nach Südafrika kommen jedes Jahr 9000 Großwildjäger. 90 Prozent von ihnen stammen aus Amerika. Auf Platz zwei und drei folgen Deutschland und Großbritannien. Die Branche beschäftigt am Kap 70.000 Menschen und machte laut Umweltministerium im Jahr 2013 einen Umsatz von 100 Millionen Dollar – das meiste durch die staatlichen Abschussprämien, die umso höher ausfallen, je seltener das Tier ist. Gejagt wird buchstäblich alles: Elefanten, Nashörner, Großkatzen, Antilopen, Krokodile. Die 50.000 Dollar, die der Amerikaner für den Löwen in Zimbabwe gezahlt haben soll, sind Peanuts. Für eines der seltenen Spitzmaulnashörner werden 350.000 Dollar und mehr gezahlt.

          Selbst Tierschützer wie der Biologe John Hanks, der ehemalige Vorsitzende des „World Wide Fund for Nature“ in Südafrika, sagen, dass die Programme zum Artenschutz ohne Abschussprämien nicht zu finanzieren seien. Nach dieser Logik war der Tod von Cecil der bedauerliche Fehler eines blutrünstigen Jägers, der keine Auswirkungen auf den eigentlich segensreichen „Sport“ von Großwildjägern haben sollte. Wäre da nicht Botswana. Das Land ist ein Wildtierparadies mit weit mehr als 100.000 Elefanten, der größten Population der Welt. Die Großwildjagd ist dort auf öffentlichem Land seit Anfang 2014 verboten. Die Regierung spricht der Jagd „aus rein sportlichen Gründen“ die Existenzberechtigung ab.

          Den Jagdeinnahmen von 20 Millionen Dollar standen 2013 Einnahmen aus Fotosafaris in Höhe von 350 Millionen Dollar entgegen. In Botswana stirbt kein Löwe, weil ein Jäger sein Ego befriedigen muss. Aussterben müssen die Großkatzen dort dennoch nicht. Das macht das Land zum Problem für die Jägerlobby.

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