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Aufregung um Problem-Wels : Raubfisch macht Jagd auf Küken

  • -Aktualisiert am

Tödlicher Raubfisch: Der Wels kann unvorsichtigen Wasservögeln zum Verhängnis werden. Bild: dpa

Einsam und hungrig sitzt ein dicker Wels in einem Offenbacher Weiher und frisst Entenküken. Sein Schicksal scheint klar - doch davor kommt er noch mal ganz groß raus: Als erstes Tier im diesjährigen Sommerloch.

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          Als Mensch wäre er der Prototyp der „Couch-Potatoe“: Dick gefuttert, einsam und in einer artfremden Umgebung sorgt derzeit ein großer Wels in einem kleinen Offenbacher Weiher für Aufregung. Seine Gesellschaft hat das rund 1,5 Meter lange Tier bis auf zwei Entenküken aufgefressen. Erst alle Fische, dann Wasservögel. Weil diese artgeschützt sind, ist das Schicksal des Fisches besiegelt.

          Doch vor seinem Tod wartet noch der kurze Ruhm im Sommerloch: „Küken-Killer vom Weiher“ schreibt die Zeitung „Offenbach-Post“, die „Bild“ berichtet vom „gefräßigen Riesen-Wels“ und grausamen Szenen schräg gegenüber vom Polizeipräsidium Südosthessen. Anders als vor Jahren bei „Kuno, dem Killerwels“, der im Mönchengladbacher Volksparkweiher einen Dackel erlegt haben soll, sind Existenz und Taten des - noch namenlosen - Offenbacher Tieres zweifelsfrei belegt.

          Der Wels habe seit seiner ersten Sichtung 2017 alle Fische in dem Weiher im Dreieichpark vertilgt, sagt Stadtsprecherin Kerstin Holzheimer am Donnerstag. Artgenossen habe er nicht: „Er war schon immer einsam und hungrig.“ Wie das große Tier in den eigentlich viel zu kleinen Weiher in der Nähe einer Schule geraten ist, sei unklar. Eine Theorie ist, dass Enten ihn als Laich an ihren Flossen von einem anderen Gewässer mitbrachten.

          Keine Schonzeit für den Wels

          Damit holten sich die Vögel ihren Feind wahrscheinlich selbst ins Haus: Denn nachdem alle Fische gefressen waren, vergriff sich der Wels an den Küken von Stockenten und Teichhühnern. Sie gelten nach dem Bundesnaturschutzgesetz als besonders geschützte Art und stehen auf der Roten Liste bestandsgefährdeter Vogelarten in Hessen. Welse sind nicht geschützt und unterliegen keiner Schonzeit. In dem Weiher würde das Tier langfristig verhungern, so die Stadt. Einer Versetzung in ein größeres Gewässer wie dem Main stimme das Regierungspräsidium nicht zu.

          „Wir müssen jetzt sehen, wie wir das Vieh da rausbringen“, sagt die Sprecherin. Ein Angelsportverein habe bereits abgewunken, nun prüften die Ämter eine Elektrobefischung oder die Entnahme mit dem Netz. Was dann mit dem Problemtier passiert, ist unklar. Zum Essen sei der Stadtwels wohl zu alt und schmecke modrig, sagt die Sprecherin.

          „Das ist alles eine Frage der Zubereitung“

          „Das ist alles eine Frage der Zubereitung“, meint dagegen der Geschäftsführer des Verbandes Hessischer Fischer, Günter Hoff-Schramm. An sich sei der Wels ein wertvoller Speisefisch, ihn zu essen sei auch die sinnvollste Lösung für das Offenbacher Problem. „Da wird schon eine kleine Gesellschaft von satt.“

          Leichte Beute für den Wels: ein possierliches Küken
          Leichte Beute für den Wels: ein possierliches Küken : Bild: dpa

          Das Verhalten des Tieres ist aus seiner Sicht ganz normal, in der Not fressen große Welse auch Wasserratten, Wasserspitzmäuse oder wie in Offenbach Entenküken. Ob wie im Fall von Kuno auch kleine Hunde in Gefahr sind, kann der Fischexperte nicht klar sagen - die Gerüchte gebe es immer wieder. „Wenn ein 2,50-Meter-Wels auf einen kleinen Dackel trifft, ist das durchaus denkbar.“ Ob dies jedoch schon mal vorgekommen sei, könne er nicht sagen.

          Offenbach bangt derweil um die verbliebenen zwei Entenküken. Das Nest könne nicht umgesiedelt werden, da die Mutter die Kinder sonst verlasse, sagt die Sprecherin. Bis eine Lösung für den Wels gefunden ist, könnten noch einige Tage vergehen. „Wir können nur hoffen, dass die Küken aus dem Schicksal ihrer Geschwister gelernt haben.“

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