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Graz : Österreich trauert um die Opfer der Amokfahrt

Gedenken in der Grazer Innenstadt Bild: dpa

Drei Menschen wurden getötet, Dutzende verletzt: Mit Trauer und Erschütterung hat Österreich auf die Amokfahrt in Graz reagiert. Der Täter ist noch nicht vernehmungsfähig.

          Mit Trauer und Erschütterung hat Österreich auf die Amokfahrt in Graz reagiert, bei der am Samstag drei Menschen getötet und 34 teils schwer verletzt worden waren. Einige Verletzte schweben weiter in Lebensgefahr. „Graz trauert“, stand am Sonntag auf den elektronischen Anzeigetafeln in der fast menschenleeren Innenstadt, nachdem am Abend zuvor in einer spontanen, durch einen in sozialen Netzwerken verbreiteten Aufruf, tausende Grazer mit Lichtern ein „Kerzenmeer“ gebildet hatten.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, die am Sonntag den Ort des Geschehens besuchte, sagte: „Die Grazer Innenstadt ist wie eine offene Wunde.“ Bundeskanzler Werner Faymann bekundete: „Mein Mitgefühl und meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Opfern und deren Familien.“

          Ein 26 Jahre alter Mann war am Samstag zur Mittagsstunde mit einem Geländewagen durch die Fußgängerzone in der steirischen Hauptstadt gerast und hatte offenbar gezielt Passanten niedergefahren. Anschließend war der Mann noch mit einem Messer auf mehrere Leute losgegangen, ehe er sich widerstandslos von der Polizei festnehmen ließ.

          Der Mann ist österreichischer Staatsbürger und hat einen bosnischen Familienhintergrund. Er war nach Polizeiangaben auch am Sonntagvormittag noch nicht vernehmungsfähig. Man habe Anhaltspunkte auf psychische Probleme des verheirateten Vaters zweier Kinder, aber keine auf einen terroristischen Hintergrund seiner Tat. Aufgrund der Vorgeschichte des Mannes kämen religiöse oder terroristische Motive nicht in Frage, wurde die steirische Landespolizeidirektion zitiert.

          Nach Darstellung der Polizei spielte sich das Geschehen so ab: Der Amokfahrer fuhr beschleunigt auf einen Gehweg und rammte dort zwei Personen, von denen eine getötet wurde. Dann versuchte er auf Höhe einer Synagoge, einen weiteren Fußgänger anzufahren, der sich aber hinter einer Säule in Sicherheit bringen konnte und nur leicht verletzt wurde. Der Täter fuhr weiter, sprang vor einem Geschäft aus dem Auto und attackierte ein Paar mit einem Messer. Dann fuhr er mit dem Auto weiter durch mehrere Straßen und erfasste gezielt Radfahrer und Fußgänger sowie Gäste in einem Straßencafé. Zuletzt hielt er nahe einer Polizeiinspektion an und stellte sich.

          Die Polizei wurde mit der Auskunft zitiert, der Täter sei schon in der Vergangenheit gegenüber seiner Familie „gewaltbereit in Erscheinung getreten“. Er sei verheiratet und habe zwei Kinder. Ende Mai sei er von aus seiner Wohnung in der Umgebung von Graz verwiesen worden. Er habe als Kraftfahrer sein Geld verdient. Verbindungen zu religiösen oder extremistischen Kreisen seien vorerst nicht zutagegetreten. Gleichwohl durchleuchteten die Sicherheitsbehörden sein Umfeld. Der Mann sei durch seinen psychischen Zustand bis Sonntag Vormittag nicht einmal durch eine Amtsärztin ansprechbar gewesen und habe daher noch nicht vernommen werden können.

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