https://www.faz.net/-gum-x8ip

Grand-Prix-Halbfinale : Die Balkan-Connection ist gesprengt

Russland ist im Grunde immer für die Endrunde gesetzt Bild: REUTERS

Im ersten von zwei Halbfinals des Eurovision Song Contest hätte es auch 10:0 ausgehen können - für „den Osten“. Denn zehn Teilnehmer aus dem ehemaligen Ostblock standen neun aus dem Westen gegenüber. Letztlich hieß es 4:6. Grund war wohl die Regeländerung bei der Abstimmung.

          4 Min.

          Der Truthahn aus Irland musste dran glauben. Lustig ist das nicht - für ihn. Lustig war er aber auch nicht gewesen. „Dustin the Turkey“ war nur eine Kopie des viel witzigeren Verka-Serduchka-Beitrags „Dancing Lasha Tumba“ aus dem vergangenen Jahr. Der Ukrainer war in Helsinki mit seiner tanzbaren Blödelnummer auf Platz zwei gekommen, das in Belgrad vieldiskutierte Gummigeflügel, das Irland zwölf Punkte mehr herbeijammern als -singen wollte, und zwar auf Französisch, der ursprünglichen Grand-Prix-Sprache also („Irelande Douze Points“), hat es am Dienstag abend nicht ins Finale geschafft.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Im ersten von zwei Halbfinals hätte es auch 10:0 ausgehen können - für „den Osten“. Denn zehn Teilnehmer aus dem ehemaligen Ostblock standen neun aus dem Westen in der „Beogradska Arena“ gegenüber. Letztlich hieß es 4:6 für die alten, traditionsreichen Grand-Prix-Länder. Offenbar haben die Regeländerungen der „European Broadcasting Union“ (EBU) Wirkung gezeigt. So schafften es beispielsweise Slowenien und Montenegro nicht ins Finale, Serbien - das als Gastgeber für die Endrunde gesetzt ist - durfte ebensowenig am Dienstag abstimmen wie Kroatien, das erst im zweiten Halbfinale am Donnerstag abend antreten wird. Die Balkan-Connection war damit erfolgreich gesprengt.

          Alles begann ganz lieblich

          Der Fernsehabend der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Serbiens, von „Radio-Televizija Srbije“ (RTS), begann lieblich. A cappella ertönte zunächst die Eurovisionshymne, danach die derzeit wohl einzig gültige Hymne Serbiens, Marija Šerifović' „Molitva“ („Gebet“). Spätestens da wurde klar, wie sehr zu recht sie im vergangenen Jahr in Helsinki gewonnen hatte. Die intensive Ballade reiht sich auch als Instrumentalstück bestens ein in die Klassiker des „Eurovision Song Contest“ (ESC). Drei der schönsten wurden von einer Blaskappelle neu interpretiert: Cliff Richards „Congratulations“ aus dem Jahr 1968, Abbas „Waterloo“ (1974) und Domenico Modugnos „Nel blu dipinto di blu“ von 1958, besser bekannt unter dem Titel „Volare“.

          Russland ist im Grunde immer für die Endrunde gesetzt Bilderstrecke
          Grand-Prix-Halbfinale : Die Balkan-Connection ist gesprengt

          Das war es dann auch schon an musikalischer Einleitung. Es folgten die 19 musikalischen Kontrahenten. Erwähnt sei noch, dass mit Željko Joksimović erstmals ein Moderator für alle drei ESC-Veranstaltungen ausgewählt wurde, der nicht nur selbst schon am Grand Prix teilgenommen hatte, 2004 kam er - noch für Serbien und Montenegro - mit „Lane Moje“ in Istanbul auf Platz zwei, der 35-Jährige hat auch den diesjährigen serbischen Beitrag „Oro“ für Jelena Tomasević komponiert. Er muss also durch den Finalabend am Samstag führen und sich dabei selbst noch die Daumen halten.

          Russland ist im Grunde immer für die Endrunde gesetzt

          Israel, die Nummer zwei des Halbfinalabends, schaffte es als Wackelkandidat in die Endrunde. Der 20 Jahre alte Boaz, gesegnet mit einer Stimme, die ihresgleichen im Teilnehmerfeld sucht (sie würde auch einer Frau alle Ehre machen), und mit einer zu Herzen gehenden Ballade, hatte trotzdem kaum viele Fürsprecher unter den anderen insgesamt 21 stimmberechtigten Ländern zu erwarten. War er also der eine Halbfinalist, der aufgrund seiner herausragenden Leistung von der Jury ausgewählt wurde? Das bleibt - vorerst - ein Geheimnis.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Querdenker“-Demonstration in Stuttgart

          Corona-Klagen : Das Geschäft mit den Maskenmuffeln

          Verbraucheranwälte haben eine neue Goldgrube entdeckt: Mit Verfahren gegen Masken- und Testpflicht an Schulen lässt sich ordentlich Kasse machen.
          Zu Gast bei Sandra Maischberger (ganz rechts): v.l. Cerstin Gammelin (stv. Leiterin „SZ“-Hauptstadtbüro), Wolfram Weimer (Verleger des „European“), Anja Kohl (ARD-Börsenexpertin).

          TV-Kritik: Maischberger : Söder-Show ohne Söder

          Wenn sich alles um einen Beinahe-Gast dreht: Was sagt uns die Abwesenheit Markus Söders bei „Maischberger“, nachdem er dort doch erst zugesagt hatte?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.