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Google fotografiert : Wie wehre ich mich gegen die Späher?

Schon geknipst - ein Wagen mit einer Spezialkamera fotografiert Straßen in Kiel Bild: dpa

Google knipst halb Deutschland und stellt die Aufnahmen ins Internet. Auch wenn sie Menschen unkenntlich machen müssen, ein Vorwurf lautet: Für Einbrecher ist es leichter Wohnungen auszuspähen. Google widerspricht.

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          New York, 7th Avenue South, Hausnummer 178. Rot ragt das frei schwebende Vordach in die Straße hinein, rot sind auch die Türen zu dem eher unscheinbar wirkenden Haus. "Village Vanguard" steht darauf. Wer die Türen öffnet und die Kellertreppe hinabsteigt, gelangt in einen der renommiertesten Jazz-Klubs der Stadt. Wie der Eingangsbereich von der Straße betrachtet aussieht, ist auf der Internetseite eines Dienstes namens "Street View" zu sehen, mit dem das Internetunternehmen Google sein Straßenkartensystem "Google Maps" ergänzt.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Der Name ist dabei Programm. Alle öffentlichen Straßen der amerikanischen Metropole haben Google-Autos mit einer futuristisch aussehenden Kamera durchfotografiert. New York war eine der ersten Städte, die in die Datenbank aufgenommen wurden. Andere folgten: in Amerika, Australien, Japan und mittlerweile auch in Europa. Momentan ist das Unternehmen dabei, auch Deutschlands Straßen für die virtuelle Durchreise fit zu machen. Beispielsweise in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Heidelberg, Rostock und Reutlingen sind die Fahrzeuge nach Google-Angaben unterwegs. Wenn genügend Bilder zusammen sind, sollen Neugierige auch diese Gegenden im Internet aus nächster Nähe ansehen können. Das "aus nächster Nähe" hat allerdings Angst ausgelöst. Einige Hauseigentümer möchten weder ihre Häuser ungefragt im Internet sehen noch sich selbst und sehen ihre Privatsphäre verletzt.

          Bilder aus dem „öffentlichen Raum“ heraus

          Alles unbegründete Ängste, findet Google. "Wir können die bestehenden Sorgen und das vorhandene Unwohlsein verstehen, aber wir teilen beides nicht", sagt Sprecher Stefan Keuchel. Denn Google mache alle Bilder aus dem "öffentlichen Raum" heraus, und das bedeutet: Jeder darf die gleichen Bilder schießen. Außerdem habe das Unternehmen seine Computer so programmiert, dass automatisch alle Personen unkenntlich würden, die zufällig auf ein Bild geraten seien. Letzteres lasse sich gerade in Großstädten, in denen zu jeder Tages- und Nachtzeit Menschen unterwegs sind, nicht vermeiden.

          Vorwurf: Bilder-Datenbank könnte Einbrecher beim Ausspähen von Wohnungen helfen

          Damit erfüllt das Unternehmen Forderungen des Bundesdatenschutzbeauftragten. Demnach müssen Personen so verfremdet werden, dass niemand sie identifizieren kann. "Dabei ist manchmal nicht nur das Gesicht, sondern auch die Kleidung entscheidend", sagt der Datenschutzbeauftragte für Schleswig-Holstein, Thilo Weichert. Er bezweifelt, dass Google es auf jedem Foto schafft, Menschen wirklich unkenntlich zu machen.

          Eine Mail reicht

          Auch das Abbilden von Häusern und Wohnungen sieht er kritisch, auch wenn Google kein Foto macht, das nicht auch jeder Tourist knipsen könnte. "Es ist schon ein Unterschied, ob man extra dorthin fahren muss oder bequem am Computer sitzen kann." Google ermöglicht deshalb nach Angaben Keuchels jedem, sein Haus aus der dreidimensionalen Wirklichkeitskarte auszuschließen. Dafür reiche eine E-Mail an die Adresse streetview-deutschland@google.com. Dahin können Hausbesitzer schon schreiben, bevor ein Google-Auto ihr Eigenheim fotografiert hat. Anschließend kann man ein Bild sperren, indem man auf der jeweiligen Ansicht links unten das Feld "Ein Problem melden" anklickt und protestiert. Nachschauen, ob das Foto vom Eigenheim schon im Internet steht, muss allerdings jeder selbst, Google schreibt die Hausbesitzer nicht an. Der Ex-Beatle Paul McCartney hat schon nachgesehen und seine Villa in London aus "Street View" nehmen lassen.

          Dass die neue Bilder-Datenbank Einbrechern beim Ausspähen von Häusern und Wohnungen helfen könnte, lässt Google-Sprecher Keuchel nicht gelten. Diebe müssten dazu mehr sehen als die Vorderseite. Möbel oder Personen in den Gebäuden seien ohnehin nicht zu erkennen. Weder solche, die sich irgendwo in den Etagen aufhalten, noch diejenigen, die gerade im Keller Jazz-Musik machen. Auch dann nicht, wenn sie überaus sehens- und hörenswert sind - wie im "Village Vanguard" in New York.

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