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Studie zum Glücksspiel : Weniger Lotto, mehr Sportwetten

Ein junger Mann Mitte März 2015 vor einem Spielautomaten in Berlin. Junge Männer sind besonders anfällig für Spielsucht, zeigt eine neue Studie. Bild: dpa

Immer weniger Menschen in Deutschland spielen Lotto. Illegale Sportwetten boomen dagegen. Vor allem junge Männer sind anfällig. Ihr Verhalten bietet Anlass zur Sorge, sagen Experten.

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          Die Zahl der Teilnehmer an Glücksspielen sinkt in Deutschland immer weiter. Während vor zehn Jahren noch 55 Prozent der Deutschen angaben, sie hätten in den zurückliegenden 12 Monaten mindestens einmal an einem Glücksspiel teilgenommen, sind es nach den Daten der jüngsten, 2015 veranstalteten Umfrage nur noch knapp 38 Prozent. Die ermittelten Werte stammen aus der repräsentativen Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; sie werden von 11.500 Befragten im Alter zwischen 16 und 70 Jahren erfragt.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Studie stellt einen anhaltenden Rückgang bei der Teilnahme am Lotto 6 aus 49 fest; ein Anstieg wurde hingegen bei den Mitspielern des „Eurojackpot“ gemessen. Steigende Mitspielerzahlen verzeichnen auch die sogenannten „Sofortlotterien“, etwa Rubbellose, bei denen die Teilnehmer sogleich nach dem Kauf eines Loses erkennen können, ob sie gewonnen haben. Die Bundeszentrale weist darauf hin, nach ihrer Erhebung habe erstmals auch die Nutzung von Geldspielautomaten abgenommen.

          Der zuständige Abteilungsleiter der Bundeszentrale Peter Lang warnte jedoch, Geldspielautomaten seien nach wie vor die bevorzugte Glücksspielart jener Spieler, die ein „problematisches oder pathologisches Glücksspielverhalten“ zeigen, also suchtgefährdet oder spielsüchtig sind. Mehr als 40 Prozent jener Gruppe spielen an Geldspielautomaten, rund 23 Prozent spielen in Spielbanken, knapp 20 Prozent geben an, sie schlössen Sportwetten ab.

          Illegale Sportwetten spielen eine wachsende Rolle

          Illegale Sportwetten spielen nach Angaben Langs vor allem bei heranwachsenden Männern im Alter zwischen 18 und 20 Jahren eine steigende Rolle; deren Teilnehmerzahl habe sich zwischen 2013 und 2015 bei illegalen Sportwetten auf knapp 14 Prozent mehr als verdoppelt. Männer sind insgesamt mehr als vier mal so häufig in der Gruppe der Spielsüchtigen zu finden als Frauen. Lang sagte bei der Vorstellung der Studie in Berlin, bezogen auf die Gesamtbevölkerung ergebe die statistische Schätzung der Studie insgesamt eine Menge von rund 300.000 bis 675.000 Personen mit problematischem oder pathologischem Spielverhalten.

          Die Vorsitzende des Arbeitskreises Suchtprävention Barbara Becker sagte, vor allem bei den Sofortlotterien, die in Lotto-Verkaufsstellen angeboten würden, müsse der Schutz von Kindern und Jugendlichen weiter verbessert werden; Erwachsenen müsse bewußter sein, dass solche Lose „nichts mit dem Rummelplatz zu tun haben, wo man einen Teddybären gewinnen kann“.

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