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„Gliese 581g“ : Ein Planet in lebensfreundlicher Bahn entdeckt

Planeten des Gliese 581 Systems Bild: dpa

Eine zweite Erde - das hoffen amerikanische Wissenschaftler gefunden zu haben. Ob Leben auf dem neuen Planeten existieren kann, ist allerdings ungeklärt. Es gibt dort wohl mehr Erdbeben, Vulkanausbrüche und eine Seite, auf der ewige Nacht herrscht.

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          Vor dreieinhalb Jahren schaffte es die Entdeckung des erdgroßen Planeten „Gliese 581c“ durch europäische Astronomen bis in die „Tagesthemen“. Am Mittwoch nun schlug Amerika zurück: Ein Team um Steven Vogt von der University of California in Santa Cruz und Paul Butler von der Carnegie Institution of Washington warteten mit einer zweiten Erde auf: „Gliese 581g“ kreist um den selben Stern im Sternbild Waage, der etwa 20 Lichtjahre entfernt ist. Mehr als elf Jahre lang hatten die Forscher dazu immer wieder das riesige Keck-1-Teleskop auf Hawaii auf jenen Stern gerichtet.

          Ulf von Rauchhaupt
          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Planet Gliese 581g ist einer von mindestens fünf bisher bekannten Planeten dieses Sterns. Als einziger von ihnen kreist er mitten in der habitablen Zone. Er ist also gerade so weit von seiner Sonne entfernt, dass dort flüssiges Wasser existieren könnte – eine Grundvoraussetzung für Leben. Sein Schwesterplanet Gliese 581c erfüllt diese Bedingung wohl nicht. Zugleich ist diese neue Welt so klein, dass sie vermutlich eine feste Oberfläche hat, so dass Wasser fließen, verdunsten, herabregnen und sich in Seen, Flüssen und Meeren sammeln könnte. Die meisten der 492 bisher entdeckten extrasolaren Planeten sind dagegen unwirtliche Gaskugeln ähnlich dem Jupiter.

          Viele Bedingungen erschweren Leben auf dem neuen Planeten

          Ob Lebensformen sich auf Gliese 581g aber wohlfühlen würden, ist damit noch nicht sicher. Der Planet ist etwas größer als die Erde. Seine drei bis vier Mal so große Masse würde einen Besucher mit einer bis zu 70 Prozent stärkeren Anziehungskraft auf die Oberfläche drücken. Zudem dürfte er geologisch aktiver, also mehr Vulkanausbrüchen und Erdbeben ausgesetzt sein.

          Ein viel größeres Problem ist aber, dass es sich bei seinem Muttergestirn um einen roten Zwergstern handelt. Dieser Sterntyp unterscheidet sich stark von unserer Sonne. Erstens sind M-Sterne viel aktiver. Immer wieder kommt es zu gewaltigen Strahlungsausbrüchen, die einer Biosphäre auf einem nahen Planeten zu schaffen machen würden. In der Jugend dieser Sterne ist die Aktivität so groß, dass die Strahlung auch die Atmosphären der Planeten ringsum zersetzen und ihre Wasservorräte in den Weltraum blasen könnten. Ob Gliese 581g dieses Schicksal ereilt hat, ist mit den bisherigen Beobachtungen nicht zu entscheiden.

          Ewige Nacht auf einer Seite

          Zudem strahlen rote M-Sterne, wenn sie nicht gerade von Ausbrüchen heimgesucht werden, recht schwach. Habitable Planeten sind daher so nahe, dass die Schwerkraft sie zu gebundener Rotation zwingt – sie wenden ihrem Stern also immer die selbe Seite zu, ähnlich wie der Mond der Erde. Damit herrscht auf einer Seite ewige Nacht, und es könnte dort so kalt sein, dass die Atmosphäre ausfriert und das Wasser daher trotz habitablen Abstands nicht in flüssiger Form zur Verfügung steht.

          Allerdings muss das nicht passieren, wenn die Atmosphäre eine geeignete Zusammensetzung hat. Simulationsrechnungen haben ergeben, dass die Nachtseite dann nur vergletschert wäre, während auf der Tagseite ein immerwährender gewaltiger Wirbelsturm toben würde. Freundliche Bedingungen für höheres Leben gäbe es auf Gliese 581g damit allenfalls in einer ringförmigen Zone zwischen beiden Hemisphären. Die Landschaften, die es dort geben könnte, haben sich einige Forscher schon ausgemalt: Purpurne Wälder und schwarze Wiesen, beleuchtet von ewigem Abendlicht.

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