https://www.faz.net/-gum-7itbe

Gleichberechtigung : Saudische Frauen protestieren gegen Fahrverbot

  • Aktualisiert am

Protest gegen das Fahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien: die Frauenrechtlerin Manal Al Sharif, die die saudischen Frauen von Dubai aus zu unterstützen versucht. Bild: AFP

Frau am Steuer: In Saudi-Arabien ist das immer noch undenkbar. Für heute haben Frauenrechtlerinnen dazu aufgerufen, mit Fotos und Filmen gegen das Fahrverbot für Frauen demonstrieren. Die Regierung hat angekündigt, gegen Verstöße hart durchzugreifen.

          Aktivistinnen in Saudi-Arabien haben für diesen Samstag zu einer Kampagne gegen das geltende Fahrverbot für Frauen aufgerufen. Möglichst viele Frauen sollen sich ans Steuer setzen, ihre Aktionen filmen und die Clips ins Internet stellen. Saudi-Arabien ist das einzige Land der Welt, in dem es Frauen verboten ist, Auto zu fahren. Das gilt auch für die steigende Zahl von Frauen, die im Ausland den Führerschein gemacht haben.

          Zunächst war nicht klar, in welchem Umfang der Aufruf der Aktivistinnen befolgt wurde. Die Behörden hatten für Verstöße gegen das Fahrverbot angekündigt, hart urchzugreifen. Auch das Einstellen von Filmen ins Internet, die die Kampagne gegen das Fahrverbot unterstützen, werde streng bestraft, hieß es. Der konservative islamische Klerus hatte sich vor der Kampagne gegen jede Lockerung des Fahrverbots für Frauen ausgesprochen.

          Der Vormund entscheidet alles, die Frau nichts

          In Saudi-Arabien ist eine besonders dogmatische Variante des sunnitischen Islams, der Wahhabismus, Staatsreligion. Jede saudische Frau hat darum einen männlichen „Vormund“, der für sie verantwortlich ist. Ohne seine Einwilligung kann sie weder studieren noch arbeiten oder reisen. Er entscheidet nicht nur darüber, wen sie heiratet, sondern auch darüber, ob sie ein Mobiltelefon anmelden darf. Bei unverheirateten Frauen ist der Vormund in der Regel der Vater, in Ausnahmefällen auch ein Bruder. Nach der Heirat geht diese Aufgabe an den Ehemann über, der bis zu vier Ehefrauen gleichzeitig haben darf. Das Scheidungsrecht, das sich, wie alle Vorschriften und Gesetze in Saudi-Arabien, am islamischen Recht („Scharia“) orientiert, benachteiligt die Frauen.

          Im Gleichberechtigungs-Ranking ganz unten

          In der Öffentlichkeit müssen saudische Frauen ein weites, schwarzes Gewand („Abbaja“) und ein schwarzes Kopftuch tragen. Sie dürfen nur dort arbeiten, wo sie nicht mit Männern in Kontakt kommen. Ausgenommen von dieser Regel sind einzig die Krankenhäuser. Wenn das Weltwirtschaftsforum (WEF) alljährlich die Gleichberechtigung in verschiedenen Staaten der Welt misst, landet Saudi-Arabien stets auf einem der untersten Plätze. In diesem Jahr hat sich die Monarchie immerhin auf Platz 127 von 136 hochgearbeitet, nachdem König Abdullah im vergangenen Januar erstmalig Frauen in den „Schura“-Rat, eine Art Parlament, berufen hat. Außerdem kündigte der Monarch vor zwei Jahren an, die Frauen dürften 2015 auch an den Kommunalwahlen teilnehmen, von denen sie bislang ausgeschlossen gewesen waren.

          Fortschritte gab es in den vergangenen Jahren zwar auch im Bildungssektor. Doch mit ihren Universitätsabschlüssen wissen die jungen Frauen oft wenig anzufangen, da sie nur wenige Berufe ausüben dürfen. Es gibt beispielsweise weder Richterinnen noch Polizistinnen. Auch im Hotelgewerbe oder in Reisebüros arbeiten keine Frauen.

          Weitere Themen

          Sorge um stilles Aussterben der Giraffen Video-Seite öffnen

          Bereits ein seltener Anblick : Sorge um stilles Aussterben der Giraffen

          Im Norden Kenias waren Giraffen früher weit verbreitet, doch heute sind die Tiere zu einem seltenen Anblick geworden. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Giraffen-Population zurückgegangen. nicht nur in Kenia, sondern in ganz Afrika.

          Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.

          Topmeldungen

          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
          Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, warnt die Parteien davor, eine Koalition mit der AfD einzugehen.

          Zentralrat der Juden : „AfD schürt Klima auch gegen Juden“

          Zentralratspräsident Josef Schuster warnt: Die AfD sei enger mit dem Rechtsextremismus verwoben, als sie es nach außen darstellt. Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen und Brandenburg hält Schuster einen dringlichen Appell an alle Parteien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.