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Partnerwahl : „Lieber keine sexy Überflieger“

Sie wäscht ab, er schaut zu: Ein Berliner Paar in seiner Wohnung Bild: dpa

Viele Paare glauben, dass sie sich die Hausarbeit teilen. Warum sie sich dabei oft selbst täuschen und Gleichberechtigung bei der Partnerwahl anfängt, erklärt die Soziologin Cornelia Koppetsch im FAZ.NET-Interview.

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          Als Soziologin beschäftigen Sie sich schon lange mit Geschlechterverhältnissen. Warum können Männer und Frauen bei der Verteilung der Haus- und Familienarbeit nicht aus ihrer Haut?

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Das ist natürlich die allumfassende Frage. Aber auf die gibt es leider keine einfache Antwort. Ein wichtiger Grund dafür, dass viele Frauen immer noch den größeren Teil dieser Aufgaben übernehmen, ist sicherlich, dass deren Verteilung innerhalb einer Liebesbeziehung stattfindet. Und in der wollen Frauen nicht die ganze Zeit fordern, aufrechnen oder gar Putzpläne aufstellen. Schließlich leben sie ja nicht in einer WG, sondern zusammen mit einem Menschen, den sie lieben.

          Und deshalb nehmen Frauen hin, dass sie häufiger putzen, einkaufen oder die Kinder zum Ballett fahren?

          Was bei modernen Paaren zählt, ist oft die empfundene Gleichheit, nicht die tatsächliche. Beide Partner haben sich irgendwann darauf verständigt, eine gleichberechtigte Partnerschaft zu führen, in der sie sich den Haushalt teilen. Aber weil viele Frauen schon früh verinnerlicht haben, dass sie für den Haushalt zuständig sind oder die Verantwortung für Kinder und ältere Familienmitglieder tragen, übernehmen sie zu Beginn der Partnerschaft oft automatisch einen größeren Anteil. Und dann bilden sich Routinen – über die sich die Frauen und Männer oft selbst täuschen.

          Wie tun die Paare das?

          Viele teilen die Hausarbeit zum Beispiel in feine und grobe Tätigkeiten ein. Diese Aufteilung beschreibt in der Praxis aber eher die Häufigkeit als die Art der jeweiligen Aufgaben. Die Frau, die für die vermeintlich feinen Tätigkeiten zuständig ist, kümmert sich dann faktisch um alles, was ständig anfällt, während der Mann, der für das Grobe verantwortlich ist, sich nur punktuell einbringen muss, bei größeren Aktionen wie dem Frühjahrsputz vor Ostern, dem Bügelmarathon oder dem Großeinkauf.

          Cornelia Koppetsch ist Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt.

          So hat jeder das Gefühl, seinen Beitrag zu leisten …

          … obwohl das auf höchst unterschiedliche Weise geschieht, genau. Das ist die Illusion der Gleichberechtigung, der viele Paare erliegen. Oft sind Frauen auch schon zufrieden, wenn sie von ihren Männern symbolische Gesten der Unterstützung bekommen, wenn sie mit den Kindern am Wochenende eine Radtour machen oder den Abwasch übernehmen. Das alles trägt dazu bei, dass die tatsächliche Ungleichheit lange verdeckt bleibt.

          Haben vor allem Männer ein Interesse daran, dass sich an ihrer komfortablen Situation nichts ändert?

          Das würde ich so nicht sagen. Auch Frauen tragen viel dazu bei, dass sich eine bestimmte Art der Aufgabenverteilung zementiert. Das rechtfertigen sie dann zum Teil damit, dass sie einfach höhere Ansprüche an Sauberkeit und Ordnung hätten als ihr Partner. Dabei ist das kein Naturgesetz, sondern hat viel mit der eigenen Identität zu tun und der Frage, welche Rolle dabei der häusliche Bereich spielt. Das sehe ich auch in meiner eigenen Beziehung. Eine perfekt gepflegte Wohnung ist für mich nicht so wichtig, wahrscheinlich, weil meine Arbeit so stark im Vordergrund steht. Wenn mein Partner, der eine eigene Wohnung hat, dann bei mir durch die Tür kommt, hält er das „Chaos“ manchmal kaum aus und schnappt sich erst einmal einen Staubsauger.

          In Ihren Studien haben Sie festgestellt, dass die vermeintlich weibliche Zuständigkeit für Haushalt und Familie selbst dann noch fortbesteht, wenn die Frau der Haupternährer der Familie ist, nicht der Mann.

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