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Zwangsstörungen : Waschen als Obsession

  • -Aktualisiert am

Nur nicht übertreiben! Bild: AP

In Deutschland leiden schätzungsweise eine Million Menschen an einer Zwangserkrankung. Die wenigsten aber werden fachgerecht behandelt, teilte die Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen mit.

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          In Deutschland leiden schätzungsweise eine Million Menschen an einer Zwangserkrankung. Die wenigsten aber werden fachgerecht behandelt. Darauf hat jetzt die Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen hingewiesen. Die Patienten haben den unbeherrschbaren Drang, ständig bestimmte Handlungen auszuführen oder an belastende Dinge zu denken. Einige Betroffene waschen sich etwa laufend die Hände, andere duschen mehrere Stunden am Tag, wieder andere können die Wohnung nicht verlassen, ohne die Verriegelung der Haustür mehrmals überprüft zu haben, und eine weitere Gruppe von Patienten quält sich mit der Vorstellung, die eigenen Kinder töten zu können.

          In abgeschwächter Form ist die Neigung zu zwanghaften Handlungen und Phantasien extrem weit verbreitet. Für Fachleute, wie den Psychiater Bernhard Osen von der Medizinisch-Psychosomotischen Klinik Roseneck in Prien, steht außer Frage, daß fast jeder Mensch irgendwann einmal von dem Gedanken gestreift wird, er könne eine nahestehende Person angreifen oder gar umbringen. Die meisten Menschen nehmen solche Hirngespinste freilich nicht ernst und können sie rasch ausblenden. Einige seien hierzu indes nicht in der Lage, so der Psychiater. Sie fühlen sich von den aggressiven Gedanken bedroht und leben beständig in der Angst, sie könnten die Kontrolle über sich verlieren und zum Täter werden. Im Unterschied zu Patienten mit anderen psychischen Störungen seien sich die Betroffenen dabei durchaus bewußt, daß ihre Obsession unsinnig ist. Dennoch gelinge es ihnen nicht, sich hiervon zu befreien.

          Nur drei Prozent der Betroffenen gehen zum Arzt

          Obgleich Zwangsstörungen eine enorme Belastung darstellen, wenden sich nur wenige Betroffene an einen Arzt. Für Hans Reinecker von der Abteilung für klinische Psychologie der Universität Bamberg liegt das in erster Linie daran, daß sich die Kranken ihrer Zwanghaftigkeit schämen und die Störung daher zu vertuschen suchen. Diese Scheu dürfte ein wesentlicher Grund sein, weshalb nur etwa drei Prozent der Betroffenen in ärztlicher Behandlung sind. Hinzu kommt, daß sich Zwangserkrankungen oft nicht ohne weiteres diagnostizieren lassen. Manche Ärzte werden allerdings selbst dann nicht stutzig, räumte Reinecker ein, wenn der Patient dreimal wöchentlich die gleiche Untersuchung vornehmen läßt. Auch Fehldiagnosen sind bei den Betroffenen keine Seltenheit. Wie Osen berichtete, werden schwere Formen einer Zwangserkrankung mitunter als Angststörung oder Schizophrenie fehlinterpretiert. Infolgedessen weist man die Betroffenen in eine psychiatrische Klinik ein.

          Anders als weithin angenommen, lassen sich Zwangsstörungen inzwischen gut behandeln. Bewährt hat sich insbesondere die Verhaltenstherapie. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen sprechen bis zu 70 Prozent der Betroffenen auf eine solche Maßnahme an. Durch gezielte Konfrontation mit dem belastenden Ritual lernt der Kranke dabei, sein Verhalten zu ändern und die damit verbundenen Ängste abzubauen. Auch quälende Gedanken lassen sich mit dieser Methode angehen, wenngleich die Erfolgsquoten dabei etwas geringer sind als bei Zwangshandlungen. Einige Patienten profitieren auch von bestimmten Depressionsmitteln. Anders als die Verhaltenstherapie besitze die medikamentöse Behandlung jedoch keine heilende Wirkung, sagte Osen. Sobald man die Mittel absetze, kehren die Symptome wieder zurück. Daher sei es ratsam, die Therapien zu kombinieren.

          Entstehung nicht geklärt

          Die Frage, wie Zwangserkrankungen genau entstehen, läßt sich bislang noch nicht beantworten. Personen mit geringem Selbstwertgefühl scheinen von solchen Störungen gleichwohl eher betroffen zu sein als selbstsichere Naturen. Inwieweit auch erzieherische Aspekte das Leiden begünstigen, ist Osen zufolge noch unklar. Zwar gebe es Hinweise darauf, daß übertriebene Moralvorstellungen und ein Drang zum Perfektionismus bei Kindern Zwangserkrankungen auslösen können. Ob es sich dabei allerdings um eine erbliche Belastung handelt - also auch die Eltern bereits Symptome einer Zwangsstörung aufwiesen - oder eher um die Folge einer falschen Erziehung, lasse sich nur schwer feststellen.

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