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Redensarten : Auf den Spuren des Katers

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Am Neujahrstag plagt er die Deutschen: der Kater. Bild: dpa

So mancher Deutscher klagt am Neujahrstag über einen schrecklichen Kater. Über die Herkunft der Redensart – und wie andernorts gejammert wird.

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          Obwohl viele Deutsche auf den Hund gekommen sind, kennt ihre Tierliebe Grenzen: Sie wollen sich keinen Bären aufbinden lassen und kaufen nicht die Katze im Sack. Manch einer klagt nach den Weihnachtsfeiertagen gar in höchst leidvollem Ton über seinen schrecklichen Kater. Dabei hat der pelzige Vierbeiner weniger mit postalkoholischer Übelkeit zu tun, als man vermuten mag.

          Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat sich schon vor Jahren auf Spurensuche begeben und Theorien zur Herkunft der Redewendung zusammengetragen. Eine besagt, dass der Ausdruck „Kater“ vom Wort „Katarrh“ stamme - womit weder das Haustier noch der Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 gemeint sind, sondern eine Entzündung der Schleimhäute, die dann wie beim Kater geschwollen sind. Dass aus „Katarrh“ letztlich „Kater“ wurde, ist laut den Verfechtern dieser Theorie auf den sächsischen Dialekt zurückzuführen.

          Der 2006 verstorbene Freiburger Volkskundler Lutz Röhrich etwa brachte den Ausdruck mit der Leipziger Studentensprache in Verbindung. Laut der GfdS lässt sich „Kater“ als Bezeichnung für die ungewollten Nachwehen eines Alkoholrauschs bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts belegen. Wesentlich weiter zurück - und an der Stelle wird es tatsächlich tierisch - kann demnach der Gebrauch des Ausdrucks „Katzenjammer“ in diesem Kontext verfolgt werden. Die GfdS verweist auf Christian August Wichmann, einen Übersetzer aus dem sächsischen Leisnig, der schon 1768 in seiner Zeitschrift „Antikritikus“ geschrieben haben soll: „Es giebt eine Krankheit des Leibes, die zuweilen unglückliche Menschen mit den Katzen gemein haben und die deswegen der Katzenjammer genannt wird.“

          Andere Länder, andere Redewendungen

          Natürlich haben auch alle anderen Länder, in denen Alkoholgenuss gepflegt wird, ihre eigenen Ausdrücke oder Redewendungen für den berüchtigten Morgen danach. Das englische „Hangover“ hat es als Titel einer legendären Filmtrilogie zu weltweiter Berühmtheit gebracht - eine eher sehr sanfte Umschreibung für den Zustand und die Abenteuer der Junggesellenabschiedler, die mit eigenhändig gezogenen Zähnen, tätowierten Gesichtern und ausgewachsenen Tigern im Badezimmer aus ihrem Vollrausch erwachen. Denn während die Angelsachsen nur an einem Überhänger leiden, finden sich anderswo schon drastischere Sprachbilder. Die Franzosen etwa bekommen ein „gueule de bois“ und sprechen so mit melodischen, wohlklingenden Worten aus, was man im Deutschen in etwa als „Holzmaul“ übersetzen würde - geschuldet dem Trockenheitsgefühl, das man durch Dehydration nach zu viel Alkohol im Mund empfindet.

          Die Skandinavier, die als Nachfahren der trinkfesten Wikinger eigentlich gegen Katererfahrungen immun sein sollten, scheinen ebenfalls im Laufe der Zeit die Schattenseiten übermäßigen Trinkens kennengelernt zu haben. So bekommen Dänen nach einem Rausch Zimmerleute („tømmermænd“) und Norweger fühlen sich schlicht suffkrank („fyllesyk“). Das könnte auch an mangelnder Übung liegen, bedingt durch die märchenhaften Preise für Alkohol in dem Land. Schließlich hätten Leif Erikssons Leute ihre Drachenboote vor der Überfahrt nach Amerika auch nicht mit Honigweinfässern vollgeladen, wenn es diese nur zu Wucherpreisen in staatlichen Weinmonopolen gegeben hätte.

          Rätselhaft sind die Bezeichnungen, mit denen Russen („pochmelje“) und Ukrainer („pochmillja“) über ihren schweren Kopf klagen. Ihre Herleitung könnten böse Zungen aber als Beleg für die Trinkfreude sehen, die den Ostslawen nachgesagt wird. Das russische Substantiv pochmelje etwa stammt von dem Verb chmelitsja, das im „Wörterbuch des Räuberjargons“ als derbe Variante von „trinken“ aufgeführt wird. Durch die Vorsilbe po- wird daraus „weitertrinken“, weshalb „pochmelje“ eigentlich zwei Bedeutungen hat: zum einen den jämmerlichen Zustand des Trinkers nach seinem Rausch, zum anderen das Trinken nach dem Trinken, sozusagen seine Fortsetzung.

          Wer daraus den Schluss zieht, dass Ostslawen keinen Kater bekämen, weil sie nie nüchtern seien, der irrt. Vor der großen „Ernüchterung“ warnte etwa vor wenigen Tagen der frühere georgische Staatspräsident und Neu-Ukrainer Micheil Saakaschwili. Im Interview mit dem Online-Dienst „newsone“ verglich er den früheren ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und seinen Nachfolger Petro Poroschenko mit Alkohol: „Janukowitsch - das war Wodka, das war Whisky; Poroschenko - das ist Bier“, sagte Saakaschwili und prophezeite der Ukraine einen schweren Kater von Poroschenko. „Wenn du Whisky oder Wodka trinkst, mobilisiert der Organismus, er erhebt sich.“ Bier dagegen werde als Nahrung wahrgenommen, der Körper nehme mehr und mehr davon auf.

          Leichter verdauliche Kost bieten da Polen und Tschechen – beide halten es in ihren Redewendungen mit den deutschen Nachbarn und sprechen von Katzenjammer (polnisch „kac“, tschechisch „kocovina“). Es ist dabei kaum überraschend, dass sich der Begriff auch in Clemens Brentanos Werk „Die Gründung Prags“ aus dem Jahr 1814 findet. Das Trinkvokabular aus der benachbarten Slowakei wiederum zeigte schon vor der sauberen Scheidung von Prag im Jahr 1993, dass es sich bei Tschechen und Slowaken um zwei Entitäten handelt: Die Slowaken haben nach dem Rausch keinen Kater oder Katzenjammer, sondern einen Affen („opica“).

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