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Herzdruckmassage : „Das lässt sich innerhalb einer Minute lernen“

Dafür benötigt man keine Zauberei: Für die Herzdruckmassage braucht es nur zwei Hände. Bild: dpa

Der Fall Christian Eriksen hat für Entsetzen gesorgt. In Deutschland erleiden täglich mehr als 200 Menschen einen Herzstillstand. Im Interview erklärt Intensivmediziner Bernd Böttiger, was bei einer Reanimation zu beachten ist.

          3 Min.

          Herr Böttiger, kommt es oft vor, dass jemand im Alltag wiederbelebt werden muss?

          Johanna Christner
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ungefähr 70.000 Mal jährlich wird in Deutschland der Rettungsdienst alarmiert, weil jemand einen Kreislaufstillstand hat. Doch ich bin mir sicher: Die Zahl der Herz-Kreislauf-Stillstände liegt viel höher. Denn viele erleiden einen solchen etwa nachts und liegen am Morgen darauf tot im Bett. Da wird kein Rettungsdienst mehr gerufen. Nach allen Krebserkrankungen zusammen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen anderer Genese ist der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand die dritthäufigste Todesursache in diesem Land. Was wir nun bei Christian Eriksen gesehen haben, passiert hierzulande also jeden Tag mehr als 200 Mal. Nur eben nicht auf dem Fußballplatz und vor den Augen eines Millionenpublikums, sondern zu etwa 70 Prozent zu Hause. Viele Menschen wissen leider nicht, wie sie als Laien auf eine solche Situation reagieren müssen, bevor der Notarzt eintrifft.

          Bernd Böttiger ist Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Uniklinik Köln und Vorsitzender des German Resuscitation Council.
          Bernd Böttiger ist Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Uniklinik Köln und Vorsitzender des German Resuscitation Council. : Bild: Michael Wodak

          Wie reagiere ich denn, wenn jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet?

          Unser Motto ist: Prüfen, Rufen, Drücken. Dafür brauchen Sie keinen Kurs, das lässt sich innerhalb einer Minute lernen. Wenn jemand umfällt, sollte man die Person laut ansprechen, sie im nächsten Schritt vielleicht kurz zwicken. Außerdem: Atmung überprüfen. Denn in den ersten Minuten eines Herz-Kreislauf-Stillstands kann es sein, dass Menschen Schnappatmung entwickeln. Wenn ein Mensch nicht auf Ansprache reagiert und nicht normal atmet, muss man bis zum Beweis des Gegenteils davon ausgehen, dass er einen Kreislaufstillstand hat. Dann verständigt man den Notarzt mit 112 – und beginnt mit der Herzdruckmassage zwischen den beiden Brustwarzen in der Mitte des Brustkorbs. An diese Stelle legt man mit durchgestreckten Armen die eine Hand und die andere darüber. Am einfachsten fällt das, wenn die Schulter über dem Druckpunkt liegt. Und dann heißt es: Drücken, Entlasten, Drücken, Entlasten, etwa fünf bis sechs Zentimeter tief und so fest Sie können. Gedrückt werden sollte etwa zwei Mal pro Sekunde, also etwa 100 bis 120 Mal pro Minute. Damit übernehmen Sie von außen die Funktion des Herzens und pumpen Blut ins Gehirn des Menschen. Nach zwei Minuten wechselt man sich idealerweise mit jemandem ab, da es körperlich sehr anstrengend ist. Aber das Ganze muss sofort und bis zur Ankunft vom Notarzt passieren, denn jede Verzögerung oder Unterbrechung senkt die Überlebenschance.

          Sie erwähnen in dem Kontext manchmal das Lied „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees. Warum?

          An einer Stelle im Refrain heißt es: ‚Ha, ha, ha, ha‘. Das ist genau der Rhythmus, den Sie bei der Herzdruckmassage brauchen, schnell und fest. Wir sagen auch: „Hauptsache heftige Herzdruckmassage“.

          Und die Herzdruckmassage beherrschen hierzulande zu wenige Menschen?

          Die Herzdruckmassage würde sich auch am Telefon von der Rettungsleitstelle erklären lassen, allein das könnte schon sehr viele Leben zusätzlich retten. Mit einer Zeitinvestition von wenigen Minuten – das schafft sonst niemand in der Medizin. Aber die sogenannte Telefonreanimation ist in Deutschland leider nicht gesetzlich vorgeschrieben. Aus meiner Sicht ist das nicht nachvollziehbar. In anderen Ländern wie etwa der Tschechischen Republik ist dies seit mehr als zehn Jahren gesetzlich verankert.

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