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Herzdruckmassage : „Das lässt sich innerhalb einer Minute lernen“

Was passiert, wenn ich irrtümlich glaube, dass jemand einen Herzstillstand hat?

Das macht nichts, dann wird derjenige sich schon melden. Lieber 1000 Mal jemanden reanimieren, der keinen Kreislaufstillstand hat, als einmal zu wenig.

Könnte ich bei der Herzdruckmassage auch etwas falsch machen?

Es gibt nur eine Sache, die Sie falsch machen könnten: Und das wäre, nichts zu tun. Wiederbelebung ist kinderleicht, sogar für Erwachsene. Wenn Sie zu leicht oder zu langsam drücken, fließt eben weniger Blut ins Gehirn, als wenn Sie 100 bis 120 Mal pro Minute fünf bis sechs Zentimeter tief drücken. Aber auch das ist immer noch besser als nichts.

Es reicht aber nicht aus, den Notarzt zu rufen und auf dessen Ankunft zu warten?

Wenn Sie einen Notarzt rufen, dauert es in Deutschland im Mittel neun Minuten, bis er da ist. Und das ist leider zu spät für das Gehirn, das nach drei bis fünf Minuten anfängt zu sterben. Eine Herzdruckmassage verhindert das. Ein Kreislaufstillstand muss nicht schlimm sein – wenn sofort gehandelt wird. Dafür benötigt man keine Zauberei: Es braucht auch keine Antikörper und keine Milliarden an Forschungsgeldern. Alles was man braucht, sind zwei Hände.

Wird hierzulande diesbezüglich genügend in Schulung und Aufklärung investiert?

Was vor der Pubertät gelernt wird, vergisst man nicht mehr so schnell, so wie Schwimmen oder Fahrradfahren. Seit mehr als zehn Jahren fordern wir als Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie daher, dass Schülerinnen und Schüler gesetzlich verpflichtend in Wiederbelebung ausgebildet werden. Unsere gemeinsamen Kampagnen der vergangenen Jahre führten dazu, dass hierzulande nicht nur 15 Prozent der Bevölkerung, sondern aktuell immerhin 40 Prozent zu reanimieren wissen. Aber in Norwegen und Dänemark liegt die Zahl doppelt so hoch. In Dänemark wurde vor 20 Jahren eine nationale Kampagne gestartet, womit das Überleben nach einem Kreislaufstillstand verdreifacht werden konnte.

Gibt es keine politischen Kräfte, die sich dafür stark machen?

In Deutschland gibt es seit 2014 eine Empfehlung des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz und seit 2015 eine Empfehlung der WHO. Dennoch ist das für die meisten Bundesländer kein Thema. Dabei reden wir von der dritthäufigsten Todesursache in diesem Land. Wenn bei einem Flugzeugabsturz 200 Menschen sterben, ist die Betroffenheit groß. Aber so viele Menschen sterben täglich, weil sie nicht erfolgreich wiederbelebt wurden. In den vergangenen Jahren wurden Milliarden in die Sicherheit im Verkehr investiert, in Sicherheitsgurte und Airbags, weshalb deutlich weniger Menschen durch Verkehrsunfälle sterben. Warum wird nicht auch an dieser Stelle investiert? Die einzige Antwort, die ich darauf habe: Weil man vielleicht kein Geld damit verdienen kann.

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