Pflanzenschutzmittel : Wie Glyphosat der Biodiversität schadet
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Schwere Schäden: Kaulquappen ohne (links) und mit Glyphosat-Kontakt (Mitte und rechts) Bild: Hannah Flach / Uni Ulm
Forscher der Universität Ulm haben untersucht, wie sich Pflanzenschutzmittel mit Glyphosat auf Kaulquappen auswirken. Die Ergebnisse sind erschreckend.
Pflanzenschutzmittel, die den Wirkstoff Glyphosat enthalten, schädigen die Biodiversität und spielen eine Rolle bei der Dezimierung von Amphibienpopulationen. Das ist das Ergebnis neuerer Forschungen des Instituts für Biochemie- und Molekularbiologie der Universität Ulm. Die Wissenschaftler untersuchten am Beispiel des südafrikanischen Krallenfroschs, von welcher Konzentration an Glyphosat die Embryonalentwicklung stört und toxisch wirkt. Dabei stellten die Wissenschaftler schwere Schäden an Gehirn und Herz der Kaulquappen fest.
Die Wissenschaftler behandelten Froschlaich mit dem glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittel „Round Up“ und konnten feststellen, dass die Kaulquappen dadurch kleinere Augen, Gehirne, kleinere Herzen und Gehirnnerven hatten. Die Glyphosat-Konzentrationen, mit denen die Wissenschaftler die Embryonen behandelten, entsprechen etwa dem, was Wissenschaftler in einigen Ländern wie zum Beispiel Brasilien in kleineren, stehenden Gewässern nachweisen konnten. „Wir wissen nun und konnten eindeutig zeigen, dass der Herzschlag beeinträchtigt, dass die Mobilität gehemmt und auch das Mastergen PAX 6 für die Augenentwicklung beeinträchtigt wird“, sagt die Biologin Susanne Kühl.
Die Ergebnisse ließen Rückschlüsse auf Mutationen bei anderen Wasserlebewesen und auch beim Menschen zu. Bei Menschen gebe es ein ähnliches Mastergen, das für die Augenentwicklung verantwortlich sei. „Nach dieser Datenlage“, sagt Kühl, „muss man sich gut überlegen, ob man glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel weiter in der Natur ausbringt. In Brasilien zum Beispiel kommen auch Menschen stark in Kontakt mit Glyphosat, ohne dass sie über Vorsichtsmaßnahmen informiert werden.“ In jedem Fall habe Glyphosat einen negativen Einfluss auf die Biodiversität. Nach Auffassung der Wissenschaftler sind es auch viele Neonicotinoide wie zum Beispiel das für bestimmte Ackerfrüchte verbotene „Thiamethoxam“, die der Biodiversität schaden.
In Deutschland gibt es für Glyphosat Grenzwerte: Für stehende Gewässer sind es 0,1 Milligramm und für Trinkwasser 0,1 Mikrogramm. Nach der Ausbringung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln auf Äcker und Felder sind dort nach Schätzungen von Wissenschaftlern Konzentrationen von bis zu sieben Milligramm messbar. In Brasilien wurden in Gewässern Konzentrationen von 1,1 Mikrogramm gemessen. „Bei manchen Amphibien haben Kollegen Gendefekte bei einer Konzentration von 0,2 Milligramm beobachten können“, sagt Kühl.
Nach einem 2021 beschlossenen Maßnahmenpaket der damaligen Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und der früheren Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) soll Glyphosat von Ende 2023 an nur noch auf Landwirtschaftsflächen erlaubt sein, auf denen keine mechanische Unkrautentfernung möglich ist. Im Jahr 2020 sind in Deutschland noch 3800 Tonnen Glyphosat verkauft worden. Die Anwendung im Kleingartenbereich ist verboten. Bauern, Winzer und die Deusche Bahn setzen glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel aber noch immer ein.