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Kinder im Krankenhaus : Mama, was ist ein Blinddarm?

Kind auf dem Weg ins Krankenhaus: Den Teddy besser nicht vergessen Bild: Carlsen Verlag

Wenn ein Kind ins Krankenhaus muss, ist das für Familien eine besondere Situation. Wichtig: Nicht lügen, alles beantworten – und: ruhig bleiben.

          5 Min.

          Alte Menschen ergehen sich detailreich in Krankengeschichten, mittelalte auch. Dann nämlich, wenn das Kind ins Krankenhaus muss und eigenes Erleben hochschwemmt. Gruseliges wird referiert über die Entfernung der Rachenmandeln, wobei körperliche Pein, Scham übers Pipimachen in die Flasche und überquellende Spuckschalen, nicht zu vergessen die rigide Nachtschwester Ingeborg, zu Hauptakteuren werden. Besuchszeit zwischen 15 und 17 Uhr, dann war man mutterseelenallein mit schluchzenden Bettnachbarn. Eigendiagnose: Es war schlimm. Früher war eben nicht alles besser. Früher, da war Rooming-in kein Standard auf Geburtsstationen, sondern etwas für belächelte Esoterikerinnen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Seither hat sich in den Krankenhäusern viel zum Wohle des Kindes getan. Im Großen und Ganzen wirken Eltern, Ärzte und Pflegepersonal gut zusammen. Auf den meisten Kinderstationen ist es längst erwünscht, dass ein Elternteil mit übernachtet, vor allem, wenn das Kind noch klein und es die erste schmerzvolle Trennung ist. Ab etwa neun Jahren nächtigen die meisten Patienten allein, Besuchszeiten werden elastisch gehandhabt. Dennoch stellt der Krankenhausaufenthalt für die Familie eine Belastung und Ausnahmesituation dar, für die es keine Blaupause gibt.

          „Es ist sehr hilfreich, wenn jemand das Kind begleitet. Dabei geht es nicht darum, in der Pflege etwas abzunehmen, sondern dem Kind eine Grundsicherheit zu vermitteln“, sagt Rupert Roschmann, Sprecher der Fachgruppe Psychologie im Allgemeinkrankenhaus des Berufsverbands Deutscher Psychologen. Mit einer Altersgrenze ist er vorsichtig. „Das kommt auf das Kind und die Schwere der Situation an. Und auch darauf, was es für Vorerfahrungen gemacht hat.“ Möglicherweise können sich Begleitpersonen abwechseln. „Das muss nicht standardmäßig die Mutter sein.“ Wer neben der Sorge um das Kind eigene Ängste - Stichwort Weißkittelsyndrom - mit sich schleppt, ist nicht der beste Begleiter, um Zuversicht zu verbreiten.

          Den kleinen Patienten erst später einbeziehen

          Einige Überlegungen erleichtern den Tag X. Kleine Kinder wissen zum Beispiel nicht, was ein Krankenhaus ist. Ihnen muss in einfachen Worten erklärt werden, dass hier Krankheiten behandelt und geheilt werden. Im Idealfall gehen die Eltern vor dem Eingriff mit dem Kind auf ein Stück Kuchen in die Krankenhaus-Caféteria, eine Ortsbesichtigung beruhigt.

          Ebenso wichtig ist eine gute Kommunikation. Schon für Erwachsene ist es eine Herausforderung, den Erläuterungen des Arztes zu folgen, Kinder kann das verstören. Selbst wenn der einfühlsame Mediziner Fachchinesisch nur homöopathisch einsetzt. Für ihn ist ein Leistenbruch Routine, für Nichtmediziner ein gewaltiger Einschnitt. So sollte ein aufklärendes Gespräch mit dem Arzt zunächst ohne Kind stattfinden, um heikle Fragen zu besprechen. Es ist sinnvoll, sich vorher Notizen zu machen, das erspart Zeit und Missverständnisse. Später wird der kleine Patient miteinbezogen.

          „Ich halte nichts von Lügen“, sagt Roschmann. „Auch Notlügen sind letztlich Lügen. Kinder spüren das ohnehin. Man muss nicht alles sagen, aber es soll kindgerecht und korrekt sein. ,Na, es wird schon wieder‘ ist je nach Situation nicht angemessen, wenn es nicht zur Heilung kommt“, erklärt der leitende Psychologe des Klinikums Ingolstadt. Er rät zu vermitteln: Wir sind bei dir, die Ärzte tun alles.

          Für ein Kind ist die neue Umgebung vollkommen ungewohnt. Kinder sind konservativ und mögen gleiche Abläufe. Der engmaschig strukturierte Krankenhaustag ist fremd. Jederzeit kann jemand Unbekanntes ans Bett treten, piksen oder den Leib betasten. „Verlust der Intimität spüren auch Kinder deutlich“, sagt Roschmann. Warum kommt nachts die energische Sandra, wo ist die lustige Schwesternschülerin Lisa? Unangekündigtes ist auf Stationen der Normalfall. Das Wort „Schichtdienst“ gehört aber nicht zum Repertoire eines Vierjährigen.

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