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In Nepal : Überleben mit Lepra

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Von der Krankheit gezeichnet: Mangali lebt im Seniorenheim. Sie ist blind, ihre Hand nur noch ein Stummel. Bild: Pauline Stahl

Noch immer erkranken in Nepal Menschen an Lepra. Die Krankheit ist nicht ihr einziges Problem. Nach einer Heilung finden viele von ihnen keine Arbeit. Ein Unternehmen leistet Hilfe.

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          Gelbe Senffelder umgeben den kleinen Ort am Rand von Kathmandu. Nur über schmale, holprige Wege ist er zu erreichen. Kein Tourist verirrt sich hierher. Die Menschen sitzen im Schatten am Wegesrand oder in ihren einfachen Hütten. Einigen von ihnen fehlt ein Finger oder der ganze Unterarm, andere haben weiße Flecken auf ihren Gliedmaßen, die Gesichter sind entstellt.

          Es ist das Dorf der Leprakranken. Hier leben Menschen, die sich vor Jahren mit der Infektionskrankheit angesteckt haben, mit ihren Familien. Bis in die neunziger Jahre war es ein Getto. „Bis vor 20 oder 30 Jahren wurden Leprakranke hier von der Gesellschaft ausgestoßen“, sagt Dori Rindle, deren Adoptivbruder aus dem Dorf stammt. Denn die Menschen deuteten die Krankheit als Karma, das schlechte Taten aus dem vorherigen Leben bestraft. 900 Menschen lebten Anfang des vergangenen Jahrhunderts dort, davon waren 500 an Lepra erkrankt, die weiteren 400 waren Angehörige. Heute leben hier noch 150 Erkrankte mit Angehörigen.

          Savithri Chettri wurde in dem Dorf geboren, ihr Vater litt an Lepra. Weil er etwas Englisch sprach, konnte er sich zwar Medikamente besorgen, aus seinem Heimatdorf wurde er wegen seiner Krankheit aber trotzdem verstoßen. Wer sich ansteckt, kann das nicht verheimlichen. Denn Lepra ist eine sichtbare Krankheit. Laut der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) befällt der Erreger, das Mycobacterium leprae, die Haut, das Nervensystem, selten auch andere Organe. Vor allem in Händen und Füßen treten Lähmungserscheinungen auf. Weil die Gliedmaßen taub sind, verletzen sich die Erkrankten, ohne es zu merken. Dadurch entstehen chronische Entzündungen und die für Lepra so typischen Behinderungen. Füße und Hände sterben ab oder müssen amputiert werden.

          Die Folgen einer schlimmen Krankheit: Gliedmaßen sterben ab oder müssen amputiert werden.

          Situation verbessert sich langsam

          „Früher wurde jemand nur behandelt, wenn er es in ein spezielles Krankenhaus außerhalb Kathmandus schaffte“, sagt Rindle. Wer dafür nicht die Mittel oder die Kraft hatte, starb oft wegen der offenen Wunden an einer Blutvergiftung. „Heute ist die Situation besser“, sagt die Deutsche. Kampagnen klären die Menschen auf, in der Stadt sind Schilder aufgehängt, die über die Krankheit informieren. „So ist Lepra im Bewusstsein der Menschen von einem Fluch zu einer behandelbaren Krankheit geworden.“

          Wer Lepra hat, bekommt nun im Krankenhaus eine medikamentöse Behandlung und kann danach in den meisten Fällen wieder zu seiner Familie zurückkehren. Ärzte in einer Klinik in Kathmandu versorgen die Wunden behandelter Leprapatienten einmal in der Woche sogar kostenlos. Die Shechen-Klinik im Stadtteil Bhouda hat eine mobile Einheit, die monatlich in abgelegenere Gebiete fährt und sich dort um die Kranken kümmert.

          Auch im ehemaligen Lepra-Getto verbesserte sich die Situation in den sechziger Jahren, als Schweizer auf das Dorf aufmerksam wurden. „Die bauten hier etwas auf und versorgten die Kranken“, erinnert sich Chettri. Außerdem sorgten sie dafür, dass auch die Mädchen aus dem Getto zur Schule gehen durften. So gehört die heute 54 Jahre alte Nepalesin zu den ersten Frauen, die in Kathmandu eine Schule besuchten. Arbeit gibt es jedoch kaum für die Einwohner. Nur eine Handvoll Frauen arbeitet gebückt auf den umliegenden Senf- und Reisfeldern. „Zwar gibt es Beschäftigung, zum Beispiel können sie Metallarbeiten erlernen, jedoch keine Rehabilitationsprogramme für die Patienten“, sagt Rindle. Die Menschen werden im Dorf versorgt, lange durften sie jedoch keine Lebensmittel anbauen, und auch heute noch steuert die Regierung, was angepflanzt werden darf. „Wenn man ehrlich ist, werden die hier gehalten“, sagt Rindle.

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