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Gesundheitsproblem Isolation : Wie gefährlich ist Einsamkeit wirklich?

Eine Frau im Nebel auf dem Berliner Drachenberg (Symbolbild) Bild: dpa

Auf einmal reden alle über Einsamkeit. Politiker fordern, stärker dagegen vorzugehen. Aber wie soll das gehen? Und ist Einsamkeit wirklich eine Krankheit? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Was war der Auslöser der Debatte um Einsamkeit?

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die britische Premierministerin Theresa May hat am Mittwoch offiziell eine „Ministerin für Einsamkeit“ ins Amt berufen. Die Staatssekretärin für Sport und Ziviles, Tracey Crouch, soll die Aufgabe übernehmen, der zunehmenden Vereinsamung von wachsenden Teilen der Bevölkerung entgegenzuwirken. Sie wolle damit einem Thema den Kampf ansagen, das für „viel zu viele Menschen die traurige Realität des modernen Lebens ist“, erklärte May.

          Wie kam es zur Berufung der Einsamkeits-Ministerin?

          Die Abgeordnete Jo Cox, die 2016 von einem rechtsextremen Attentäter ermordet wurde, hatte eine Kommission zum Thema Einsamkeit einberufen. Diese veröffentlichte 2017 einen Untersuchungsbericht. Laut dem fühlen sich in Großbritannien mehr als neun Millionen Menschen isoliert. Etwa 200.000 Senioren führten höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten. May will mit ihrer Reaktion auf den Bericht auch das Erbe von Cox weiterführen. Deren Einsatz im Kampf gegen die Einsamkeit hatte auch eine persönliche Komponente. Sie hatte vor ihrer Ermordung selbst unter Einsamkeit gelitten, wie ihre Schwester dem „Guardian“ berichtete. Sowohl während ihrer Zeit als Studentin in Cambridge als auch als junge Mutter alleine mit ihrem Baby zu Hause habe Cox sehr unter einem Gefühl der Isolation gelitten.

          Wie viele Menschen fühlen sich in Deutschland einsam?

          Eine Studie von Psychologie-Professorin Maike Luhmann von der Ruhr-Universität Bochum ergab, dass sich in Deutschland jeder Fünfte über 85 einsam fühlt. Bei den 45- bis 65-Jährigen sei es jeder Siebte. Luhmann sagte der „Bild“-Zeitung: „Es gibt keine Altersgruppe, in der sich Menschen nicht einsam fühlen.“ Besonders seien jedoch ältere, kranke Menschen betroffen, die kaum noch ihr Haus verlassen könnten.

          Macht Einsamkeit wirklich krank?

          Laut dem in Großbritannien erschienenen Untersuchungsbericht ist Einsamkeit genauso gesundheitsschädigend wie das Rauchen von täglich 15 Zigaretten. Wie seriös es ist, eine so genaue Zahl anzugeben, ist fraglich. Doch es gibt viele Studien, die in eine ähnliche Richtung weisen – vor allem aus dem angelsächsischen Raum, inzwischen aber auch zunehmend aus Deutschland. So fanden amerikanische Forscher in einer vierjährigen Studie mit 800 alten Menschen schon 2007 heraus, dass das Risiko an Altersdemenz zu erkranken, bei einsamen Menschen doppelt so hoch ist. Das gilt allerdings nicht für die Alzheimer-Krankheit, eine neurodegenerative Erkrankung, die mit Demenz einhergeht.

          Bei einer Meta-Analyse von fast 150 verschiedenen Studien kamen amerikanische Wissenschaftler der Universitäten Brigham und North Carolina 2010 zu dem Schluss, dass soziale Beziehungen oder deren Abwesenheit die Sterblichkeit vergleichbar stark beeinflussen wie Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel. Zwei Jahre später befand eine Studie der Universität von Kalifornien, dass Einsamkeit sich negativ auf Beweglichkeit und das Bewältigen alltäglicher Aufgaben sowie auf das Todesrisiko auswirkt.

          Nimmt Einsamkeit tatsächlich zu und warum?

          Unbestritten ist, dass die Zahl der Großfamilien ab- und die der Scheidungen und der Single-Haushalte zunimmt. In Deutschland waren 2015 von 41 Millionen Haushalten 17 Millionen Single-Haushalte. Außerdem werden die Menschen immer älter. Weil Männer im Schnitt sechs Jahre früher sterben als Frauen, gibt es viele Seniorinnen, die alleinstehend sind. Zuletzt haben zudem Studien darauf hingewiesen, dass soziale Netzwerke negative Gefühle wie Einsamkeit verstärken.

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