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Gesellschaftliches Stigma : Depressionen erlebbar machen

  • -Aktualisiert am

Wie kämpft man gegen die Stigmatisierung von psychisch kranken Menschen an? Bild: dpa

Psychisch kranke Menschen werden immer noch von der Gesellschaft stigmatisiert. Drei junge Gründerinnen wollen das jetzt ändern: Sie haben eine Idee, wie sie Angehörigen das seelische Leid näherbringen können.

          5 Min.

          „Hab dich nicht so!“, „Wird schon wieder“ oder: „Jetzt reiß dich mal zusammen!“ – Sätze, die Betroffene von Depressionen, Panikattacken oder Angststörungen nicht selten zu hören bekommen. Dabei löst eine Angstattacke den seelischen und körperlichen Ausnahmezustand aus: Schweiß dringt aus jeder Pore, das gleißende Kaufhauslicht blendet und das Herz schlägt so schnell, dass der Körper es fast nicht erträgt. Die verschwommen aussehende Umgebung rückt immer weiter weg, und der Boden wirkt so nah, dass die sich gummiartig anfühlenden Knie nicht garantieren, der Attacke standzuhalten. Jetzt sich einfach zusammenreißen – das ist ein Gedanke, den sogar Betroffene von Panikattacken in solchen Momenten haben. Dabei gilt es dann nur, diese zu überstehen oder ihr möglichst schnell zu entkommen: eine klassische „Fight or Flight“-Situation, wie sie der amerikanische Psychologe Walter Cannon 1915 genannt hatte, die eigentlich angesichts realer Bedrohungen zu Kampf oder Flucht herausfordert.

          Situationen äußerlich anlassloser Panik kennt auch die neunundzwanzig Jahre alte Johanna Dreyer, eine Kommunikationsdesignerin aus Berlin: „Ich konnte mich nicht mehr frei mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen, hatte im Winter ab 17 Uhr Angst, allein von A nach B zu laufen, und mir wurde in den seltsamsten Momenten schwindelig; ich habe mich unwirklich gefühlt.“ Wenn die eigenen Verhaltensweisen sich stark von denen unterscheiden, die in einer Gesellschaft als angemessen empfunden werden, „richten sich Sätze wie ,Hab dich nicht so' ganz automatisch gegen einen selbst. Man hat ja Angst um seinen Platz innerhalb der Gesellschaft“, sagt sie. Weil man nicht verstanden und als sonderbare Person abgestempelt wird, die aus der Reihe tanzt. Depressionen können auch Menschen treffen, die objektiv ein reiches Leben führen, die in einer glücklichen Beziehung leben und beruflich erfolgreich sind. Das wissen auch Johanna Dreyers Freundinnen, die einunddreißigjährige Nele Groeger und die achtundzwanzigjährige Luisa Weyrich, die Mitbegründerinnen der „Shitshow – A Show About Shitty Feelings“.

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