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Westafrika : „Bei Ebola sind wir noch nicht über den Berg“

Fast 10.000 Menschen sind dem Ebola-Virus in Westafrika zum Opfer gefallen Bild: AFP

Noch wird zur Vorsicht gemahnt - aber die Zuversicht, Ebola bald unter Kontrolle gebracht zu haben, ist überall zu spüren. Auch ein Aktionsplan für die Zukunft steht fest.

          Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Ebola-Virus ist zuletzt auf wöchentlich 99 gesunken. „Ebola Zero“, lautet daher mehr denn je die Losung im Kampf gegen die Seuche, der seit Jahresfrist in den westafrikanischen Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone fast 10.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Auf einer gemeinsam von der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini und den Präsidenten der drei Länder in Brüssel geleiteten Konferenz mit insgesamt 600 Teilnehmern aus mehr als 70 Staaten überwog zwar die Zuversicht, dass die Seuche bald unter Kontrolle sein werde. Dennoch mahnten Politiker und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen zu Vorsicht. Alpha Condé, der Präsident von Guinea, sagte: „Solange es Ebola in einem der drei Länder gibt, sind wir nicht über den Berg.“

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Rund 1,2 Milliarden Euro haben allein die EU-Partner seit dem Ausbruch von Ebola in Westafrika als Finanzhilfen bereitgestellt. Nichtregierungsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Freiwillige aus aller Welt, aber auch Militärs aus mehreren Ländern stehen den in Bedrängnis geratenen Menschen, aber auch dem medizinischen Fachpersonal und Politikern mit Rat und Tat zur Seite. Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bis Ende Februar 23.700 Ebola-Fälle registriert: Mehr als 9600 Patienten überlebten die Krankheit nicht.

          „Da Ebola nicht auf Grenzen Rücksicht nimmt, ist regionale Zusammenarbeit eine Voraussetzung für den Erfolg“, sagte der europäische Ebola-Koordinator, EU-Gesundheitskommissar Christos Stylianides. Zunächst komme es jedoch darauf an, jeden Krankheitsfall aufzuspüren. Schon jetzt müsse der Blick auf „den Tag danach“ gerichtet sein. Dabei gehe es um zwei Aufgaben: leistungsfähigere Gesundheitssysteme und den wirtschaftlichen Wiederaufbau der drei Länder.

          „Die nächste Ebola-Epidemie kommt bestimmt“

          Thomas Silberhorn, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sagte in Brüssel, die Seuche habe die drei Länder um fünf bis zehn Jahre zurückgeworfen. „Felder sind nicht mehr bestellt worden, Kinder gehen nicht zur Schule, Märkte funktionieren nicht mehr“, sagte der CSU-Politiker. Die deutsche Ärztin Gisela Schneider, die als Sachverständige der evangelischen Hilfswerke Brot für die Welt und Diakonie mehrfach im Krisengebiet war, sieht den Aufbau „nachhaltiger Strukturen“ im Gesundheitssystem afrikanischer Länder als wichtigste Aufgabe an.

          „Die nächste Ebola-Epidemie kommt bestimmt“, sagte Schneider dieser Zeitung unter Hinweis auf die vermutete und schwer zu verhindernde Übertragung der Seuche von Flughunden, einer Fledermausart, auf andere Tiere und Menschen. Neben der notwendigen Prävention, etwa dem Vermeiden direkten körperlichen Kontakts bei Krankheitsverdacht, sei Vertrauen eine entscheidende Voraussetzung. Schneider verwies auf ein in Sierra Leone unter ihrer Mitwirkung aufgebautes Netz von Vertrauensleuten, die sich jeweils um 40 Personen in ihrem Umkreis kümmern. Bei insgesamt 4000 Vertrauensleuten sei es durch dieses Frühwarnsystem gelungen, 160.000 Menschen über Vorsichtsmaßnahmen aufzuklären.

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