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Vereinigte Staaten : Warum MTV Teenager-Schwangerschaften verhindert

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Weniger amerikanische Mädchen werden schwanger. Als ein Grund gilt auch, dass sie später sexuell aktiv werden. Bild: Picture-Alliance

Die Zahl der jugendlichen Schwangeren ist in Amerika so niedrig wie seit 75 Jahre nicht. Experten sehen dafür unter anderem eine Fernsehserie verantwortlich.

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          In den Vereinigten Staaten werden Mädchen immer seltener Mutter. Laut einer Studie der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wurden für 2014 nur 24,2 Geburten bei 1000 Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren gezählt. Im Jahr 1991 waren bei 1000 Mädchen noch 61,8 Entbindungen registriert worden. Die Zahl der jugendlichen Schwangerschaften entsprach damals fast der Zahl von 1970, dem bislang geburtenstärksten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor etwa 75 Jahren.

          Die CDC meldeten, die „Teen birthrate“ habe somit 2014 ein historisches Tief erreicht. Am stärksten ging die Zahl der Schwangerschaften bei afroamerikanischen und hispanischstämmigen Mädchen zurück. In beiden Gruppen senkte sich die Geburtenrate um etwa 50 Prozentpunkte. Dennoch wurden Schwarze und Latinas im Alter von 15 bis 19 Jahren doppelt so oft Mutter wie gleichaltrige Weiße.

          Die Gründe des Rückgangs um fast 60 Prozentpunkte in den vergangenen etwa 25 Jahren blieben unklar. Einige Mediziner verwiesen auf dauerhafte Verhütungsmethoden wie Dreimonatsspritzen oder Intrauterinpessare anstelle der täglichen Antibabypille. In Colorado ging die Zahl der Jugendschwangerschaften in den Jahren 2009 bis 2015 beispielsweise um fast 40 Prozentpunkte zurück, da die Gesundheitsbehörden des Bundesstaates den Jugendlichen unentgeltlich lang anhaltende, umkehrbare Kontrazeptiva anboten.

          Die Idee, auf Sex zu verzichten, wird stärker akzeptiert

          „Jugendliche sind schwierig. Sie sind vergesslich und haben Angst“, sagte Kinder- und Jugendärztin Jenny Francis, die an der Columbia University in New York lehrt, dem Sender CBS. „Wenn man ihnen die Möglichkeit eines Intrauterinpessars oder eines empfängnisverhütenden Implantats gibt, sind ihre Sorgen für die nächsten fünf bis zehn Jahre erledigt.“

          Zudem sollen viele Amerikanerinnen später sexuell aktiv werden als frühere Generationen. „In den vergangenen 20 Jahren haben wir einen Wandel sozialer Normen beobachtet. Die Idee, auf Sex zu verzichten oder erst später Geschlechtsverkehr zu haben, wird akzeptiert“, sagte Bill Albert, der Chef der Nationalen Kampagne zur Prävention von Jugendschwangerschaften, der „Washington Post“.

          Soziologen schreiben die zunehmende Abstinenz auch Reality-Serien wie „16 and Pregnant“ zu. Die Serie, die MTV vor sieben Jahren erstmals ausstrahlte, zeigt die schwierigen Lebensumstände von Schülerinnen nach ungeplanten Schwangerschaften. Laut „American Economic Review“ sank die Zahl der Jugendschwangerschaften in den Vereinigten Staaten in den ersten eineinhalb Jahren nach der Premiere von „16 and Pregnant“ im Sommer 2009 um fast sechs Prozentpunkte.

          Viele Fachleute machen für den Geburtenrückgang auch die Wirtschaftskrise und neue Ansätze der Sexualaufklärung verantwortlich. Da die Geburtenrate unter jugendlichen Amerikanerinnen weit höher liegt als bei Gleichaltrigen in anderen Industrieländern, hatte Präsident Barack Obama vor sechs Jahren 110 Millionen Dollar für Studien und Prävention bereitgestellt.

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