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Transplantationen und Corona : Weniger Organspender

913 Personen spendeten nach ihrem Tod ein Organ oder mehrere Organe. (Symbolbild) Bild: dpa

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf Transplantationen aus: Die Zahl der Organspender ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Rund 14.000 Patienten warten derzeit auf ein neues Organ.

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          Die Zahl der Organspender ist im vergangenen Jahr nochmals leicht zurückgegangen. Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Donnerstag mitteilte, spendeten 913 Personen nach ihrem Tod ein Organ oder mehrere Organe. Das waren 19 Personen weniger als 2019, aber wesentlich mehr als in den Jahren 2013 bis 2017. Auf eine Million Einwohner kamen 2020 elf Spender. 2019 waren es 11,2 Spender gewesen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Besonders viele Organspender kamen aus der DSO-Region Ost (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen). Dort betrug der Anteil 15,5 Spender auf eine Million Einwohner, gefolgt von der Region Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) mit 12,5 und der Region Nord-Ost (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) mit 11,8. Die anderen vier Regionen lagen unter dem Bundesdurchschnitt. Schlusslicht noch hinter Nord (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) mit 10,2, Bayern (10,0) und Nordrhein-Westfalen (9,7) war Baden-Württemberg (9,6).

          14.000 Patienten stehen auf der Warteliste

          Ebenfalls nur leicht zurückgegangen ist die Zahl der postmortal entnommenen Organe, die durch die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) mit Sitz im niederländischen Leiden an Patienten auf den Wartelisten zugewiesen werden konnte. Waren es 2019 noch 2995 Organe gewesen, so sank ihre Zahl im vergangenen Jahr auf 2941. Entnommen wurden demnach unter anderem 1447 Nieren, 746 Lebern, 342 Lungen, 320 Herzen, 79 Bauchspeicheldrüsen sowie sieben Därme. „Jeder der 913 Spender hat somit durchschnittlich mehr als drei schwerkranken Patienten die Chance auf ein neues Leben ermöglicht“, teilte die DSO dazu mit.

          Mitglieder von Eurotransplant sind Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Slowenien und Ungarn mit zusammen 37 Millionen Einwohnern. Rund 14.000 Patienten stehen derzeit auf der zentralen Warteliste. An die 9200 waren es allein in den 46 deutschen Transplantationszentren. Dort wurden demnach im vergangenen Jahr 3016 Organe übertragen, das waren 176 Organe weniger als 2019. Der Rückgang der Transplantationen fiel im Verhältnis zu den Organspendezahlen in Deutschland stärker aus, weil es aufgrund der Corona-Pandemie in einigen anderen ET-Mitgliedsländern zeitweise zu zweistelligen prozentualen Einbußen kam, sodass insgesamt weniger Organe zur Verfügung standen. Dies betraf besonders die Lungen- und Nierentransplantationen. Hierzulande bekamen 2845 Empfänger ein Organ oder mehrere Organe – also nur jeder dritte Patient, der in Deutschland auf der Warteliste für eine Transplantation stand.

          Nach Angaben der DSO hatte es bei den Organspendezahlen Anfang des Jahres 2020 noch „eine deutliche Zunahme“ gegeben. Sie habe aber nach Ausbruch der Sars-CoV-2-Pandemie im Verlauf des Jahres nicht angehalten. Dass Organspende und Transplantation trotz Corona in Deutschland erfolgreich fortgeführt werden konnten, hat laut DSO auch an der neuen Richtlinie Spendererkennung gelegen, die im September 2020 in Kraft getreten ist: Sie sieht vor, dass Ärzte sowie Transplantationsbeauftragte in den Entnahmekrankenhäusern schon zum Zeitpunkt eines zu erwartenden oder vermuteten Hirnfunktionsausfalls den möglichen Wunsch einer Organspende ermitteln, was frühzeitige Gespräche mit den Angehörigen voraussetzt.

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