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Welt-Aidskonferenz : Russische Drogenpolitik führt zu mehr Aidskranken

Einfache Abhilfe: Durch saubere Spritzen würde die Zahl der Neuinfektionen deutlich sinken. Bild: Fiechter, Fabian

Die Vereinten Nationen kritisieren die russische Drogen-Politik. Wladimir Putin sei Schuld daran, dass mehr als die Hälfte aller europäischen HIV-Neuinfektionen in Russland verzeichnet werden. Dabei gäbe es einfache Lösungen für das Problem.

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          Der Krieg gegen Drogen ist gescheitert. Die Erkenntnis ist nicht neu, ausgesprochen aber hat sie aber nun auch der konservative australische Premierminister Tony Abbott. Die Lehre, die er daraus zieht: weiter Krieg führen. Auch wenn Jahr für Jahr Hunderttausende an Krankheiten wie HIV oder Hepatitis sterben, die mit dem Gebrauch von Rauschgiften einhergehen, aber durch saubere Nadeln vermeidbar wären.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wie verfehlt der Krieg gegen Drogen gerade mit Blick auf den Kampf gegen HIV und Aids ist, zeigt sich vor allem in Russland, wie die Drogenpolitik-Kommission der Vereinten Nationen bei der Welt-Aidskonferenz in Melbourne berichtet. Die Kommission besteht aus 20 Persönlichkeiten, unter ihnen ehemalige Politiker wie Kofi Annan, Unternehmern wie Sir Richard Branson, Künstlern wie dem peruanische Autor Mario Vargas Llosa und Wissenschaftlern wie Michel Kazatchkine. Der Medizinprofessor, bis 2012 Direktor des Globalen Fonds für den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria, berichtete am Dienstag im Namen der Kommission, dass wegen der Politik Wladimir Putins 55 Prozent aller HIV-Neuinfektionen in Europa in Russland verzeichnet werden. „Vor zehn Jahren gab es in Russland 170.000 HIV-Infizierte, inzwischen sind es mehr als 1,2 Millionen.“ Mehr als zwei Prozent aller russischen Männer im Alter von 30 bis 35 Jahren sind infiziert.

          Die Epidemie ist stark auf intravenösen Drogengebrauch zurückzuführen. Hauptgrund für die schnelle Ausbreitung ist das Verbot von Nadeltausch- sowie Rauschgiftersatzprogrammen. „Mit diesen Programmen gäbe es eine so massive Epidemie nicht“, sagte Kazatchkine, der auch UN-Sonderbeauftragter für HIV/Aids in Osteuropa und Zentralasien ist. Nachdem die Ukraine vor zehn Jahren unter anderem Ersatztherapien mit Methadon für Rauschgiftabhängige eingeführt hatte, ging die Zahl der HIV-Neuinfektionen zurück.

          Dramatisch stellt sich demnach nun die Lage auf der Krim dar. Sofort nach der Annektierung der ukrainischen Halbinsel im März verbot Russland den Einsatz von Methadon. Die Folge sind bislang 20 Tote. Es steht zu befürchten, dass von den 800 ehemals Rauschgiftabhängigen im Methadon-Programm auf der Krim, die überwiegend ein normales Leben führen konnten, viele wieder in die Illegalität gezwungen werden. Einige konnten nach Kiew flüchten, andere werden dazu beitragen, die Zahl an HIV-Neuinfektionen auf der Krim und damit in Russland weiter zu erhöhen.

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