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Weltaidskonferenz : Sisyphos kurz vor dem Gipfel

„Behandlung für alle“: Im südlichen Afrika ist HIV noch immer Todesursache Nummer eins von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bild: AP

In Durban hat die Weltaidskonferenz begonnen. 18.000 Delegierte befassen sich mit schlechten und guten Nachrichten. Sie wollen ein Zeichen für den Zugang zu Medikamenten, Prävention und Versorgung setzen.

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          Könnte es einen besseren Tag als den 18. Juli geben, um in Südafrika eine Weltaidskonferenz zu eröffnen? Wohl kaum. Es ist der Geburtstag des größten Kämpfers gegen die Immunschwächekrankheit, den das Land hervorgebracht hat. Und es ist seit 2009 auch international sein Datum: Seit 2010 ehrt die Welt Nelson Mandela an jedem 18. Juli mit einem Gedenktag.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vor 16 Jahren hatte der ehemalige südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger die XIII. Internationale Aidskonferenz in Durban eröffnet und gesagt: „Angesichts der großen Herausforderungen durch HIV und Aids müssen wir über Unterschiede hinwegsehen und unsere Anstrengungen vereinigen, um die Menschen zu retten. Die Geschichte wird uns hart bestrafen, wenn wir das jetzt nicht tun.“

          Jeder achte Südafrikaner ist HIV-positiv

          Südafrika wurde und wird noch immer hart bestraft. Auch der elfjährige Nkosi Johnson, der bei der Eröffnung der Konferenz in Durban im Jahr 2000 auf der Bühne sein Land vertrat und für sich und alle anderen eine Therapie forderte, starb wenige Monate später an Aids. Mandelas Nachfolger im Amt, Thabo Mbeki, wollte keinen Zusammenhang zwischen dem Virus und der tödlichen Immunschwächekrankheit sehen. Bis 2009 noch lehnte er eine Behandlung für seine Landsleute ab. Wie viele Menschen deswegen starben und noch sterben, weiß niemand. In den ersten fünf Jahren nach der damaligen Konferenz sollen es aber mindestens 300.000 gewesen sein. Insgesamt könnten es Millionen werden, denn die Neuinfektionszahlen explodierten über die Jahre: Jeder achte Südafrikaner ist heute HIV-positiv.

          Seit sechs Jahren versucht die Regierung in Pretoria das Ruder herumzureißen. Inzwischen bekommt fast die Hälfte der Infizierten, gut 3,1 Millionen, eine Behandlung mit Medikamenten. Kein anderes Land hat inzwischen ein größeres Aidsprogramm. Kamen 2004 noch 700.000 Neugeborene mit HIV zur Welt, so waren es 2015 weniger als 6000. Zugleich stieg die Lebenserwartung in Südafrika um fast fünf Jahre auf knapp 63. Auch um diese Fortschritte zu feiern, entschied die Internationale Aids-Gesellschaft (IAS), in diesem Jahr ihre XXI. Internationale Aidskonferenz wieder in Durban abzuhalten. Am Montagabend wurde sie vor 18.000 Delegierten eröffnet.

          Vier Tage lang werden vor allem Politiker, Wissenschaftler und Aktivisten über Fortschritte, aber auch Rückschritte im Kampf gegen Aids sprechen. Es gibt durchaus eine Reihe schlechter Nachrichten. So sind in den vergangenen zehn Jahren die Neuinfektionszahlen in 67 Ländern wieder gestiegen. Nach Angaben der Aidsorganisation der Vereinten Nationen (UN-Aids) sind die Ansteckungszahlen bei Erwachsenen global gesehen seit 2010 überhaupt nicht mehr gesunken – nachdem sie seit dem Höhepunkt der Epidemie im Jahr 1997 bis dahin um 40 Prozent zurückgegangen waren. Jährlich infizierten sich seit 2010 etwa 1,9 Millionen Menschen mit dem HI-Virus.

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