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Welt-Aids-Konferenz : Statt Heilung nur noch Remission

Graca Machel (r.), Witwe Nelson Mandelas, im Gespräch mit Schauspielerin Charlize Theron auf der Weltaidskonferenz in Durban, Südafrika. Bild: AP

Forscher suchen nach neuen Wegen, dem HI-Virus beizukommen. Auf der Welt-Aids-Konferenz geben sie eine neue Strategie aus.

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          Auch wenn Medikamente die Viruslast eines HIV-Infizierten stark verringern können und das Immunsystem weitgehend wiederherstellen – das Virus bleibt, der Infizierte wird aus heutiger Sicht ein Leben lang auf eine Therapie angewiesen sein.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Aussicht, dauerhaft mindestens 35 Millionen Menschen mit HIV-Medikamenten behandeln zu müssen, hat die Internationale Aids-Gesellschaft (IAS) schon vor einigen Jahren auf den Plan gerufen. Sie gründete 2010 eine internationale Arbeitsgruppe, die nach Möglichkeiten suchen soll, HIV zu eliminieren und den Infizierten zu heilen („Towards an HIV Cure“).

          Bei der Welt-Aids-Konferenz in Washington vor vier Jahren stellten die Wissenschaftler erstmals Themenschwerpunkte ihrer Arbeit vor. Damals hatten sie noch die Hoffnung, eine echte Heilung erreichen zu können. Wie Sharon Lewin von der Universität Melbourne nun auf der XXI. Internationalen Aids-Konferenz in Durban erklärte, hat die von ihr mitbetreute Arbeitsgruppe inzwischen eine Neudefinition vorgenommen. Statt „echter Heilung“ sei ihr Ziel nun eine „nachhaltige Remission“.

          Denn eine der Hauptschwierigkeiten ist, dass das Virus in der Lage ist, sich selbst unter einer Therapie in seinem Wirt zu verstecken. Selbst wenn der Erreger im Körper scheinbar nicht mehr nachweisbar ist, kann er noch vorhanden sein und nach einer abermaligen Latenzphase, auch asymptomatische HIV-Infektion genannt, wieder aktiv werden. Wie und wo genau sich das Virus verstecken kann, ist bislang nicht geklärt. Nur ein geringer Teil der vom Virus genutzten CD4-T-Helferzellen befindet sich im Blut, der größere in den Organen des Körpers.

          „kick and kill“

          Eine Lösung, so die Annahme der Forscher, wären stärkere oder auch neue Medikamente, die auch die letzten Viren-Reservoire in den Immunabwehrzellen angreifen und zerstören könnten. Mit „kick and kill“ will man das schlafende Virus wecken, damit es wieder aktiv wird, um dann die infizierten Zellen abzutöten.

          Doch dafür müsste die Forschung mehr über die Fähigkeiten des Erregers wissen. Warum gelingt es ihm, sich in bestimmten Zellen im Körper langfristig einzunisten und irgendwann wieder zu vermehren? Spielt vielleicht das Alter oder das Geschlecht seines Wirts eine Rolle? Oder auch die Tatsache, dass ein HIV-Infizierter häufig mit Ko-Infektionen (Malaria, Tuberkulose, Hepatitis B oder C) zu kämpfen hat?

          Einen vielversprechenden Ansatz sehen die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe um die französische Medizin-Nobelpreisträgerin Françoise Barré-Sinoussi in der sogenannten Gen-Therapie. Dabei wird zum Beispiel versucht, intakte Gene in das Genom der infizierten Zellen einzufügen, Abschnitte auszuschalten oder herauszuschneiden.

          „Klinisch geheilt“

          Diese biochemische Methode nennt sich CRISPR/Cas-System („Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats“). Es ist ein antiviraler Abwehrmechanismus mit einer Reihe verschiedener Proteine (Cas), den man in Bakterien entdeckt hat. Entsprechende Studien haben begonnen. Eventuell lässt sich auch ein Austausch der gesamten HIV-infizierten Zellen mit gesunden bewerkstelligen.

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