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Stressige Zeit für Ärzte : Zwischen Husten und Herzstillstand

Wenn jede Minute zählt: Notaufnahmen, ob in Hamburg oder auf dem Land, versorgen zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch an Feiertagen Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden. Bild: Marc Steinmetz / VISUM

Wenn für viele die ruhigste Zeit des Jahres beginnt, erleben Ärzte in den Notaufnahmen der Krankenhäuser oft stressige Tage. Doch wie funktionieren heute eigentlich moderne Notaufnahmen?

          Ihre Türen haben 365 Tage im Jahr, 24 Stunden lang geöffnet. Vom Schnupfen über das geschwollene Handgelenk bis zum Brustschmerz findet jeder mit seinen Beschwerden hier ein offenes Ohr, die richtige Therapie – und im schlimmsten Fall ein Beatmungsgerät. Notaufnahmen – diese Räume, meist mit elektrischen Schiebetüren im Erdgeschoss der Kliniken gelegen, sind nebulöse Orte. Dort trifft Angst auf Hoffnung, Schmerz auf Heilung, Jung auf Alt, Belangloses auf große Not, Leben auf Tod. Täglich entscheiden sich an unterschiedlichen Stellen in Kliniken Schicksale. In der Notaufnahme aber liegen zwischen Wehwehchen und Leid oft nicht mal Minuten.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) suchen etwa ein Viertel aller Deutschen pro Jahr Hilfe in den Notaufnahmen. Geht man davon aus, dass jeder von ihnen noch einen Angehörigen mitbringt, bedeutet das: Die Hälfte aller Deutschen hat einmal im Jahr Kontakt mit einer Notaufnahme. Andere Statistiken sprechen von rund 24 Millionen Patienten, die im Jahr in deutschen Notaufnahmen behandelt werden. Wie viele von diesen zwischen den Jahren dort auftauchen, differenzieren die Zahlen nicht. Barbara Hogan, Notfallmedizinerin und Gründungspräsidentin der DGINA, sagt aber aus Erfahrung: „An den Feiertagen haben wir ein sehr hohes Patientenaufkommen.“

          Im Durchschnitt werden in großen Notaufnahmen wie an der Asklepios-Klinik in Hamburg-Altona, an der Hogan bis Ende September Chefärztin war, rund 260 Patienten täglich behandelt. „Zwischen den Jahren kommen pro Tag etwa hundert zusätzliche dazu“, sagt sie.

          Von Lappalien bis zu Verdacht auf Herzinfarkt

          Rund um die Feiertage bleiben in unserem Land die meisten Arztpraxen geschlossen. Wem der Bauch drückt, wessen Kind nicht mehr aufhört zu fiebern oder wer sich den Kopf gestoßen hat, dem bleibt auf der Suche nach Hilfe in diesen Zeiten oft nur die Fahrt ins Krankenhaus. Brandverletzungen, Magenverstimmungen, Alkoholvergiftungen oder Stürze zählen zu den Diagnosen, die rund um Weihnachten und Neujahr gehäuft in den Wartezimmern der Ambulanzen sitzen. Ob Lappalie oder Verdacht auf Herzinfarkt – jeder in der Notaufnahme muss von einem Arzt gesehen werden, „aus ethischen und rechtlichen Gründen“, sagt Hogan. „Jeder Mensch, der zu uns kommt, hat das Gefühl von Not. Das müssen wir Ärzte ernst nehmen. Not darf man nicht an seinen eigenen ärztlichen Kriterien messen, denn Notaufnahmen können manchmal von jetzt auf gleich für Menschen alles verändern.“

          Offizielle Zahlen zu den Strukturen deutscher Notaufnahmen gibt es nicht. Nach Umfragen des Deutschen Krankenhausinstituts aus dem Jahr 2010 verfügen etwa 72 Prozent der Krankenhäuser hierzulande über eine Notaufnahme. Der Trend geht dabei weg von mehreren Notaufnahmen für unterschiedliche Fächer, die zum Beispiel nur internistische oder unfallchirurgische Fälle behandeln, hin zu interdisziplinären Notaufnahmen mit verschiedenen Fachrichtungen.

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