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Stressige Zeit für Ärzte : Zwischen Husten und Herzstillstand

Vor acht Jahren begann Barbara Hogan in Hamburg-Altona mit dem Aufbau der ersten chefärztlich geführten interdisziplinären Notaufnahme in Deutschland. In ihren Augen steigern klare Strukturen und schnelle Prozesse die Qualität medizinischer Versorgung und die Patientenzufriedenheit. Daher erinnert in Hamburg auch nichts mehr an Notaufnahmen früherer Zeiten. Statt eines engen vollgestellten Gangs gibt es hier gleich mehrere breite, helle Gänge, die so miteinander verbunden sind, dass die Wege zwischen Diagnostik und Behandlung, zwischen Warteraum und Pflegezimmer möglichst kurz sind. Insgesamt 21 Behandlungsräume stehen zur Verfügung. Alle sind gleich aufgebaut, damit Arzt und Pfleger schnell und unkompliziert zur richtigen Schublade greifen können. Statt eines engen Wartezimmers gibt es mehrere Bereiche mit Sitzgruppen. Das schafft Entspannung und Ruhe.

Ein EKG-Monitor

Wenn Hogan über die Arbeit in Notaufnahmen spricht, fällt häufig das Wort „Professionalisierung“. Damit meint sie, dass Notaufnahmen nicht einfach neben der Arbeit auf den Stationen des Krankenhauses herlaufen dürfen, sondern gut konzipierte Abteilungen mit eigenen Ärzten sein müssen. Und zumindest in Hamburg wirkt alles ziemlich professionell: Es gibt Ausnüchterungszellen mit bruchsicherem Glas für Betrunkene, damit sich alkoholisierte Patienten nicht verletzen. Es gibt einen Aufenthaltsraum für den Rettungsdienst, der Patienten in die Klinik gebracht hat, einen Gipsraum, fünf Isolationsräume, die auch von außen zugänglich sind, für Patienten mit ansteckenden Erkrankungen. Dazu gibt es zwei Schockräume und einen Abschiedsraum, wenn die Hilfe der Ärzte nichts mehr ausrichten konnte.

Dass Notaufnahmen immer strukturierter und größer werden, liegt auch daran, dass die Zahl der Patienten, die in deutschen Notaufnahmen behandelt werden, stetig steigt. „In Hamburg hat sich die Patientenzahl in den vergangenen sechs Jahren um etwa 50 Prozent erhöht“, sagt Hogan. Offizielle Zahlen für ganz Deutschland sprechen von „einer jährlichen Steigerung der Fallzahlen von bis zu acht Prozent“. Die Gründe dafür sind vielfältig: Immer mehr ältere und kränkere Menschen, fehlende Ärzteversorgung auf dem Land und lange Wartezeiten auf Facharzttermine. „Ich kenne Patienten, die sagen, sie warten wegen ihrer Rückenschmerzen lieber sechs Stunden in der Notaufnahme als sechs Wochen auf einen Facharzttermin“, erzählt Hogan.

Das Resultat solcher Einstellungen: Bundesweit wächst die Zahl an ambulanter Versorgung in den Notaufnahmen, also an Patienten, die direkt wieder nach Hause können. Nach Untersuchungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft aus dem Jahr 2012 wurden rund neun Millionen ambulanter Behandlungen in den Notaufnahmen der Kliniken gezählt. Rund zwanzig Prozent dieser Patienten hätten gar nicht in einer Notaufnahme behandelt werden müssen, sondern hätten auch in die Praxis eines niedergelassenen Arztes oder zum Bereitschaftsdienst gehen können. Tendenz steigend.

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